"Als Fußballer sage ich: Das waren drei Punkte": bfv-Präsident Ronny Zimmermann ist erleichtert über den Entschluss zum Saison-Abbruch im Amateurfußball. | Foto: GES

Saison-Abbruch im Amateur-Fußball: bfv-Präsident Zimmermann wertet die Einigung als Meilenstein

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Während die Bundesliga wieder anläuft, haben sich die drei baden-württembergischen Landesverbände darauf geeinigt, die Saison im Amateurfußball abzubrechen. Ronny Zimmermann, Präsident des Badischen Fußballverbands, ist erleichtert über diese Einigung. Ein außerordentlicher Verbandstag am 20. Juni muss den Saison-Abbruch allerdings noch absegnen.

Vor 22 Uhr kam Ronny Zimmermann in den vergangenen Wochen selten nach Hause. Und das, obwohl der Präsident des Badischen Fußballverbandes schon früh mit der Arbeit in seiner Wieslocher Kanzlei beginnt. Neben seinem eigentlichen Job gab und gibt es durch die Corona-Krise aber noch mehr zu tun als ohnehin schon. Es galt, Lösungen zu erarbeiten, wie mit der unterbrochenen Saison im Amateurfußball umzugehen ist.

Daneben ist der 59-jährige Jurist auch in seiner Funktion als Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes gefragt, etwa wenn es um das Thema Schiedsrichter geht. Am Dienstag konnten die drei baden-württembergischen Landesverbände einen gemeinsamen Vorschlag präsentieren, nachdem die Saison abgebrochen werden soll. Entscheiden muss ein außerordentlicher Verbandstag am 20. Juni. Zimmermann ist die Erleichterung über diesen Durchbruch anzumerken. Unser Redaktionsmitglied Marcel Winter hat sich mit ihm unterhalten.

Die Vereine mussten lange warten, jetzt ist eine Vorentscheidung da. Nach dem Willen der drei baden-württembergischen Landesverbände soll die Saison nicht fortgesetzt werden. Wie wichtig war es, zu einer Entscheidung zu kommen?

Zimmermann: Es war für uns und für die Clubs extrem wichtig, nach den langen, anstrengenden Wochen der Prüfung, Diskussionen und Abwägungen zu einer Entscheidung zu kommen. Nicht nur inhaltlich – da steht das Ergebnis ja noch aus – sondern vor allem vor dem Hintergrund, dass wir im Bundesland ein einheitliches Vorgehen gefunden haben, ist das ein Meilenstein. Als Fußballer würde man sagen: zwar nur drei Punkte – aber wichtige!

Ein Richtig oder Falsch gibt es in dieser Sache nicht.

Ihr DFB-Vorstandskollege Rainer Koch aus Bayern, der in dieser Funktion für die Amateure zuständig ist, ist mit seinem Landesverband früh vorgeprescht und will die Runde im Spätjahr beenden. Wäre hier aus Ihrer Sicht ein gemeinsames Vorgehen nicht auch besser gewesen?

Zimmermann: Hier ist es wie in der Politik auch. Es gibt unterschiedliche Dynamiken, die man nicht immer kontrollieren kann. Es ist in dieser Situation schwer zu beurteilen, welcher Zeitpunkt für eine Entscheidung der richtige ist. Wir wollten unseren Vereinen einen Vorschlag unterbreiten, der umsichtig, umsetzbar, aber auch rechtssicher ist. Dafür haben wir Zeit gebraucht. Mit Blick auf andere Landesverbände sage ich aber auch: Ein Richtig oder Falsch gibt es in dieser Sache nicht. Man kann völlig zurecht unterschiedliche Meinungen haben. Wer letztlich richtig lag, werden wir vielleicht in einem Jahr sehen.

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Dass die Delegierten den Vorschlag beim außerordentlichen Verbandstag am 20. Juni annehmen, scheint Formsache zu sein. Was kann noch schiefgehen?

Zimmermann: Sicher ist im Fußball nur, dass nichts sicher ist. Wir haben aber gute Gründe für unseren Vorschlag und ich denke, das können die Vereine nachvollziehen. Wir haben die Clubs auf unserem Weg immer mit einbezogen. Das Stimmungsbild, das wir dabei bekommen haben, ist in die Entscheidung mit eingeflossen. Und das sah eben so aus, dass die Mehrzahl der Vereine eher für einen Abbruch war.

Wie geht es jetzt weiter?

Zimmermann: Wir werden alle Clubs noch formal befragen. So erhoffen wir uns ein tatsächliches Meinungsbild der Vereine als Ganzes – und nicht nur der handelnden Einzelpersonen, wie wir es bei den Videokonferenzen bekommen haben. Es gibt nämlich durchaus unterschiedliche Meinungen, auch innerhalb eines Clubs. Das muss auch nicht zwingend mit dem Tabellenbild zu tun haben. Zum Beispiel kann ein Trainer ganz andere Interessen haben wie der Finanzvorstand.

Immer was zu tun: Nach anstrengenden Wochen gelang Ronny Zimmermann und dem bfv ein Etappensieg. Die Arbeit wird deshalb aber nicht weniger. | Foto: GES

Einige Fragen sind offen. Was muss in den nächsten Wochen passieren?

Zimmermann: Wir müssen beide Varianten vorbereiten und klären, was noch alles notwendig ist. Ich denke da zum Beispiel an die Sache mit den Spielerverträgen, sollte das Votum für Weiterspielen fallen. Aber auch beim Abbruch-Szenario gibt es Dinge, die nicht explizit in der Satzung geregelt sind. Was passiert zum Beispiel mit freiwilligen Absteigern? Bis zum Verbandstag muss da für beide Optionen ein Gesamtpaket stehen, sodass sich die Delegierten für eines davon entscheiden können.

Es gilt die Devise: Hoffen, hoffen, hoffen.

Die Pokalwettbewerbe wurden von der Entscheidung ausgenommen. Was ist hier zu erwarten?

Zimmermann: Der Verbandspokal bereitet uns tatsächlich große Bauchschmerzen. Wir werden alles menschenmögliche versuchen, das noch hinzubekommen, bevor der DFB-Pokal in der kommenden Saison startet. Immerhin haben wir den kleinen Luxus, dass es nur noch um zwei Spiele geht. Es gilt die Devise: Hoffen, hoffen, hoffen.

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Im Juli wäre der eigentliche Verbandstag mit der Neuwahl des Präsidiums angestanden. Ist dieser Termin zu halten?

Zimmermann: Das wird nicht klappen, weil die Kreisjugend- und Kreistage vorgeschaltet sind, die in acht Kreisen noch nicht stattfinden konnten. Um alle Fristen einzuhalten, müssen wir verschieben. Möglich wäre, die Veranstaltungen noch dieses Jahr alle auf dem virtuellen Weg zu machen und im kommenden Jahr als außerordentliche Kreis- und Verbandstage mit Präsenz nachzuholen. Dann werden wir auch besser sehen, welche Auswirkungen die Corona-Krise für die Vereine hat.

Gibt es für Sie persönlich nach diesen anstrengenden Wochen Aussicht auf ein bisschen Erholung?

Zimmermann: Im Moment mache ich mir keine Gedanken über alternative Beschäftigungsmodelle (lacht). Als nächstes steht der DFB-Bundesjugendtag auf dem Programm, für den ich mitverantwortlich bin und darauf folgt dann der Bundestag. Und dann gehen ja schon die Vorbereitungen für unseren Verbandstag los. Es gibt also weiter genug zu tun. An diesem Samstag habe ich mir aber Zeit für die Bundesliga freigehalten. Ich wünsche mir, dass da alles gut geht. Und für Sonntag habe ich mir mal überhaupt nichts vorgenommen außer mal kräftig durchzuatmen. Ich hoffe, dass da nichts mehr dazwischenkommt.

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