Vorsorglich hat das St. Vincentius Klinikum in Karlsruhe eine Art Empfangszelt aufgebaut. | Foto: pr

Notfallpläne

Was wäre wenn: So will die Region bei einem Coronavirus-Ausbruch reagieren

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Keine Panik – das ist das Gebot der Stunde in Deutschland, wo sich das Coronavirus allmählich ausbreitet. Am Donnerstag erhöhte sich die Zahl der Coronavirus-Fälle auch in Baden-Württemberg auf acht Infizierte. Experten, Behörden, Unternehmen und Organisationen sind sich einig darin, dass die Gefahr generell gering sei und man die Lage unter Kontrolle habe. Dabei liegen jetzt vielerorts Notfallpläne bereit und die „Was-wäre-wenn“-Szenarien werden durchgespielt. Unsere Redaktionsmitglieder Alexei Makartsev und Sebastian Raviol beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Nach dem Auftreten des Coronavirus in NRW wurden im Kreis Heinsberg die Kitas und Schulen vorsorglich geschlossen. Wäre das eine Maßnahme, zu der man im BNN-Verbreitungsgebiet greifen würde?

Offenbar ja. Das Landratsamt Karlsruhe sieht die Schließung von öffentlichen Einrichtungen als eine mögliche Maßnahme im Rahmen des Pandemieplans. Dieser habe jedoch eine ganze Reihe von „Eskalationsstufen“ in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen.

Ob und wie lange die Schulen schließen würden, hänge von der konkreten Lage ab, heißt es auf BNN-Nachfrage. Die Stadt Karlsruhe sagt dazu: „Konkrete Maßnahmen, wie die Schließung von Einrichtungen, werden derzeit nicht in Erwägung gezogen.

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Wann würden städtische Großveranstaltungen abgesagt werden?

Schließungen oder Verbote von Veranstaltungen sind derzeit nicht geplant“, teilt die Heidelberger Stadtverwaltung mit. Ein eingerichteter Arbeitsstab könne sehr schnell Empfehlungen an Einrichtungen geben. Auch in Stuttgart könne man schnell reagieren, heißt es von der Stadt: „Noch ist aber weder das öffentliche Leben, noch die öffentliche Gesundheit in Stuttgart beeinträchtigt.

An den großen Hochschulen in der Region studieren auch junge Menschen aus China und anderen Ländern, in denen es Corona-Erkrankungen gibt. Werden dort spezielle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen?

Die Hochschule Karlsruhe agiert nach eigener Darstellung „mit erhöhter Aufmerksamkeit“, was die Beziehungen mit China betrifft. Zum aktuellen Sommersemester erwartet die Hochschule fünf chinesische Studenten. „Sie wurden gebeten, eine sogenannte Check-Liste auszufüllen, in der sie Angaben zu Reisen in China, Kontakt mit Infizierten oder zu eigenen Symptomen machen sollen“, sagt eine Sprecherin.

Als weitere Vorsichtsmaßnahme habe die Hochschule eine Reise des Rektorats nach Japan und Südkorea abgesagt. Am KIT werden Mitarbeiter wie Studenten über das Intranet und das Studierendenportal über die Lage informiert, sie können zudem eine Beratung durch Betriebsärzte in Anspruch nehmen.

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Wäre es denn möglich, in der Region ganze Städte und Gemeinden abzuriegeln, wenn sich das Coronavirus sehr stark ausbreitet, wie es in China teilweise bereits geschehen ist?

Bei einer Gemeinde von der Größe Oberhausen-Rheinhausens (etwa 10.000 Einwohner) wäre das vorstellbar, zumindest was die Zufahrtswege angeht. Das glaubt Gerhard Machauer, Ortsverbandsleiter des Technischen Hilfswerks (THW).

In einem solchen Fall, erläutert Machauer, würde das THW etwa bei der Einrichtung von Desinfektionsschleusen für Fahrzeuge helfen und das Gebiet mit Lebensmitteln versorgen. Geübt habe man das noch nie, räumt der THW-Chef ein. „Man kann also nicht sagen, dass wir zu 100 Prozent vorbereitet sind, das gibt es auf diesem Gebiet nicht.“

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Wäre das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Fall von größeren Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen involviert?

Ja, und dort sieht man sich gut gerüstet. Es gebe Pläne für den Fall einer Pandemie, versichert Daniel Schneider, Vize-Geschäftsführer des DRK- Kreisverbandes Karlsruhe. So hätten die 300 hauptamtlichen und rund 3.500 ehrenamtlichen DRK-Mitarbeiter die Aufgabe, die Bevölkerung in geeigneten Schulen unterzubringen und mit Mahlzeiten aus den Feldküchen zu versorgen: „Wir kümmern uns auch darum, dass es genug Zahnbürsten gibt“, sagt Schneider.

Die Lager seien voll und man hätte genügend Ressourcen für eine monatelange Katastrophen-Versorgung. Schneider unterstreicht jedoch, dass wir im Fall des Coronavirus weit davon entfernt sind und bittet alle, nicht in Panik zu verfallen.

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Zwischen Karlsruhe und Mailand in der vom Virus betroffenen Region Norditalien fährt täglich ein Schnellzug. Hat die Deutsche Bahn Pläne für den Fall, dass die Reisenden Symptome zeigen?

Das bleibt wohl ein Geheimnis. „Es gibt keine Einschränkungen im Zugverkehr“, lautet die knappe Antwort des Unternehmens. Man stehe zur Bewertung der Entwicklungen in ständigem Austausch mit den relevanten Behörden.

Und was ist mit dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB)?

Die Ausbreitung des Coronavirus ist Thema im Rahmen unserer Notfallplanungen“, sagt eine Sprecherin des Baden Airpark. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe für Deutschland fünf Flughäfen vorgesehen (Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Berlin), die zum Schutz der öffentlichen Gesundheit Kernkapazitäten vorhalten müssen.

„Wenn ein Verdachtsfall an Bord eines Flugzeuges, das den FKB ansteuert, bekannt wird, wird dieses Flugzeug zu einem dieser fünf Flughäfen umgeleitet“, so die Sprecherin weiter. Das Unternehmen habe Mundschutzmasken für die Mitarbeiter vorrätig, zudem gebe es mehr Möglichkeiten zur Hände-Desinfektion an den Check-In-Schaltern.

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