Unsere schönsten Momente 2018 haben auch mit dem Fest in Karlsruhe zu tun. | Foto: Julius Sandmann

Hitliste der online-Redaktion

Das waren unsere schönsten Momente 2018

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Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu und bleibt mit vielen Erinnerungen verknüpft. Ein Sommer, der viel zu früh begann und nicht mehr enden wollte. Olympische Winterspiele und eine Fußball-Weltmeisterschaft, bei der so gar keine Stimmung aufgekommen ist. Eine angeschlagene Bundesregierung und ein spannender Machtkampf in der CDU um die Nachfolge von Angela Merkel. All das und noch viel mehr ist in den unzähligen Jahresrückblicken dieser Tage festgehalten. In der online-Redaktion der BNN haben wir uns gefragt, was denn eigentlich unsere schönsten Momente im abgelaufenen Jahr gewesen sind: Hier  die Antworten jener Kollegen, die sich nicht in die verdienten Weihnachtsferien verabschiedet haben.

 Tanja Starck (38), Social-Media-Redakteurin:

Tanja Starck

Mein schönster Film

Wenn ich an „Greatest Showmen“ denke, der ziemlich genau vor einem Jahr in die Kinos kam, könnte ich aufstehen und mein Leben singend bestreitend. Wer meine Singstimme kennt, ist jetzt wahrscheinlich froh, dass ich diesen Plan nie in die Tat umgesetzt habe. Jedenfalls geht es in dieser Verfilmung um das Leben von P.T. Barnum, genaugenommen um seine Künstlerphase,  in der er ein Kuriositätenkabinett schuf und mit einem Wanderzirkus auf Tour ging.

Oberthema des Films: Was brauchen wir um glücklich sein? Wie soll unser Leben aussehen? Welche Bedeutung hat, wer wir sind? Wie wichtig sind die Menschen, die uns lieben und die wir lieben? Der Film ist gleichzeitig fröhlich wie auch traurig. Häufig wird in Musicalmanier gesungen. Das Lied „This is me“ wurde bei den Golden Globe Awards 2018 als bester Song ausgezeichnet.

Ein Tipp: Wer von P.T. Barnum angetan ist, sollte sich durchaus weiter mit seiner Biographie beschäftigen. Nach der Künstlerkarriere ging es im 19. Jahrhundert für ihn als Politiker weiter. Ein Mensch mit einigen spannenden Facetten.

Mein schönstes Konzert

Bleiben wir beim Thema Musical. Das Theater Pforzheim hat eine ganz wunderbare Konzertreihe „Musical Classics“ unter der Leitung von Komponist und Musiker Frank Nimsgern geschaffen. Mit dabei unter anderem die in der Szene sehr bekannten Musicalsänger Femke Soetenga und Chris Murray.

Gleich zwei dieser Aufführungen besuche ich in diesem Jahr und wenn ich an die Zugabe „Time Warp“ der „Rocky Horror Picture Show“ denke, bei der der komplette Saal mitgetanzt hat, bekomme ich einfach nur gute Laune und wünsche mir sehnlichst, dass das Pforzheimer Theater die Konzertreihe doch noch im neuen Jahr fortsetzen möge. Zuletzt sah es danach leider nicht aus.

Mein schönstes Buch

Foto: Bruckmann Verlag

Ich liebe es, die Welt zu erkunden. Urlaubstage verbringe ich eigentlich nie Zuhause, sondern immer an neuen Orten. Inspiration und erste kleine Tipps fand ich in diesem Jahr in dem Buch „Fernweh: Die ultimative Bucket List für Weltenbummler. Reiseführer für besondere Momente und Glücksgefühle. Mit den schönsten Reisezielen in Europa und auf der Welt, die man gesehen haben muss.“. Die Autorinnen Melanie Schillinger und Julia Lassner beschäftigen sich auf Doppelseiten mit Zielen in der ganzen Welt. Traumhafte Bilder zeigen wunderschöne Orte, die Beschreibungen lassen das Fernweh entflammen. 

 

Manche der vorgestellten Ziele durfte ich ebenfalls schon erkunden, andere stehen ganz weit oben auf meiner Reisewunschliste wie etwa Montenegro, Singapur, die Seychellen oder die Antarktis. Eigentlich ist das Buch ein perfektes Weihnachtsgeschenk. Schade, dass das Fest schon vorbei ist, aber man kann sich ja auch mal selbst beschenken. 

Meine schönste Reise

Tokio: Millionen Lichter begrüßen die Nacht.
Tokio: Millionen Lichter begrüßen die Nacht. | Foto: Starck

Japan. Was für ein Land. So höflich. Wahrscheinlich war ich der Trampel im Porzellanladen, weil ich mich ohne Hand vor dem Mund in der U-Bahn unterhalten habe. Es ist faszinierend,  wie so viele Menschen so ruhig sein können. Tokio und seine tausend Lichter und fast ebenso viele Tempel, eine absolute Empfehlung für einen Städtetrip. Es muss ja nicht immer die Stadt der Städte New York sein.

Winkekatzen: Steht in Tokio der Tempel an dem die Glückskatze geboren ist?
Winkekatzen: Steht in Tokio der Tempel an dem die Glückskatze geboren ist? | Foto: Starck

Dank moderner Hilfsmittel ist die Sprache keine Barriere mehr. Den Spuren der Winkekatzen und ihrer Entstehungs-Sage nachgehen, in Kyoto der Geschichte der Geishas folgen oder sich von Mangagirls in Staunen versetzen lassen? In Japan scheint alles möglich.

Zur Schulabschlussfeier hat sich diese Japanerin schick gemacht. Die perfekte Kulisse für Erinnerungsfotos: die Kirschblüte.
Zur Schulabschlussfeier hat sich diese Japanerin schick gemacht. Die perfekte Kulisse für Erinnerungsfotos: die Kirschblüte. | Foto: Starck

Perfekter Abschluss: die berühmte Kirschblüte. Da war dann zwar der Moment erreicht, als es mir doch zu viele Menschen wurden, aber dieses kurze Zeitfenster der perfekten Blüte zu erwischen, ist ein unglaublich schönes Reiseglück. Der perfekte Start in die Frühjahr- und Sommersaison 2018.

Meine schönste TV-Serie

In den 90ern amüsierte eine bunt-fröhliche Sabrina die TV-Zuschauer. 2018 sorgt der Streamingdienst Netflix für eine düstere Variante, die auf einer anderen Comicvorlage beruht als das Original. Worum geht es?

Die Frage, ob sich Sabrina Spellmann (gespielt von Kiernan Shipka, ebenfalls „Mad Men“) an ihrem 16. Geburtstag für die Kirche der Nacht und Satan entscheidet oder ob sie lieber in der realen Welt bei ihrem Freund und Freundinnen bleiben soll. Welchen Weg Sabrina einschlägt, können Zuschauer in einer ersten Staffel erleben. Drei weitere Staffeln sollen schon beauftragt sein. Für Binge Watcher („Komaglotzer“): Wer jetzt schnell los geht, kann noch mit Tannenbaumbegleitung das Weihnachtsspecial der Serie schauen.

und  mein größtes Missgeschick im Jahr 2018:

Für mein größtes Missgeschick kann ich eigentlich gar nichts. Ich saß als Beifahrerin geduldig auf die grüne Ampel wartend im Auto meines Freundes, als es passierte. Wir waren unterwegs zum Flughafen, um nach London zu fliegen und die Stadt in der Vorweihnachtszeit zu erleben.

Die schönsten weihnachtlichen Lichterdekoraktionen, Tannenbäume und Eisbahnen der Stadt waren notiert, die Koffer lagen gepackt im Auto, als plötzlich ein anderes Auto auf uns drauf fuhr und nicht nur unser Auto – einen wirtschaftlichen Totalschaden – sondern auch unsere Reisepläne zerstörte. Tja, so schnell kann es gehen.

London besuchte ich dann virtuell dank der Instagram-Ortsfunktion in den Stories. Für 2019 gibt es jetzt einen Reiseplan, der unbedingt erfüllt werden will. Wie heißt es so schön: Vorfreude ist die schönste Freude und wenn es um London geht, darf ich eben diese doppelt genießen. An Silvester werde ich darauf mit meinem halb vollen Sektglas anstoßen. Prösterchen!

 

David Falkner (28), Online-Redakteur

David Falkner

Mein schönster Film

In „Girl“ geht es um Lara: Die 16-Jährige hat einen Traum – Ballerina werden. Aber in einer Sache unterschiedet sich Lara von den anderen Mädchen, denn sie wurde als Junge geboren.

Ich würde „Girl“, das Debüt des belgischen Regisseurs Lukas Dhont, nicht als rundum gelungenen Film bezeichnen, aber hier wird ja nicht nach dem besten, sondern nach dem schönsten Film gefragt – und „Girl“ ist so tief humanistisch, klug und emotional durchdringend, dass er aus meiner Sicht in so einer Liste ganz oben stehen muss. Auch in der LGBTQ-Community kam der Film nicht nur gut an, aber er hat Diskussionen angeregt und das Rampenlicht der Aufmerksamkeit auf ein immer noch sträflich vernachlässigtes Thema gerichtet. Absolute Empfehlung!

Mein schönstes Konzert

Ich bin ehrlich: Die Konzerte, die ich 2018 besucht habe, kann ich an einer Hand abzählen. Ein Auftritt, der mir im Gedächtnis geblieben ist, ist der von Dälek auf dem „Fest“. Kennt vermutlich kaum einer, das Konzert auf der kleinen Bühne war auch nicht sonderlich gut besucht, aber das macht ja nichts: Die Musik der amerikanischen Zwei-Mann-Formation schwebt stilistisch irgendwo zwischen Hip Hop und… ja, was eigentlich? Trance? Rock? Keine Ahnung. Jedenfalls regte mich das Konzert an, meinen eigenen Geschmack und angebliche musikalische Vorlieben (wieder einmal) neu auszuloten und zu überdenken. Und das ist doch immer eine interessante und lohnende Erfahrung.

Mein schönstes Buch

Das Leben des Vernon Subutex 1 | Foto: Kiepenheuer&Witsch/pr

Gesellschaftsanalyse ist ja im Trend aktuell. Klar – politisch knirscht und knarzt es gefühlt an allen Ecken und Enden, sozial sowieso, und über allem hängt das Damoklesschwert der Zukunftsangst. Da bietet sich eine nationale Nabelschau an – und Virginie Despentes ist eine eben solche für unser Nachbarland auf der anderen Seite des Rheins exzellent gelungen.

„Das Leben des Vernon Subutex“ heißt die dreiteilige Tour de Force durch die französische Seele im Jahr 2018 und hat Despentes, Schriftstellerin und Filmregisseurin, endgültig den Ruhm gebracht, den sie spätestens seit ihrem ebenfalls wunderbaren Film und Roman „Baise moi“ (2002) verdient hat. Lesen, lesen, lesen, aber Achtung, es tut weh – denn wir haben mit unseren Nachbarn mehr gemeinsam als nur eine Grenze.

Meine schönste Reise

Ich bin Fernpendler, meine Frau sehe ich derzeit nur am Wochenende. Das führt dazu, dass ich ständig reise und doch gar nicht: Jede Fahrt in mein zweites Zuhause ist die schönste Reise des Jahres, so einen richtigen Urlaub im klassischen Sinne haben wir uns aus unterschiedlichen Gründen 2018 aber nicht geleistet. „Die Fliegerei ist ja auch sehr schlecht für die Umwelt“, sage ich dann, während ich Woche für Woche von Karlsruhe aus zu meiner zweiten Wohnung über die Autobahn düse. Ganz ohne Umweltsünden geht es irgendwie nicht. „Weniger Autofahren“ steht aber ganz oben auf meiner Liste der guten Vorsätze für das nächste Jahr!

Meine schönste TV-Serie

Ich weiß, dass ich damit im Jahr 2018 (oder 2019!) dem aktuellen Trend widerspreche, aber ich muss es beichten: Ich kann und konnte mit Serien noch nie viel anfangen. Wenn ich nach meiner Lieblingsserie gefragt werde, habe ich deshalb einen Alibi-Kandidaten in der Hinterhand, den ich auch hier wieder auspacken werde: Star Trek (das Original aus den 60ern): Ein wunderbar charmantes Stück TV-Geschichte, das so elegant auf dem schmalen Grat zwischen philosophischem Klassiker und trashiger Science-Fiction-Grütze tanzt, wie das kaum noch einmal gelingen kann. Und nein, ich lasse mich nicht umstimmen. So ist das eben.

und mein größtes Missgeschick im Jahr 2018:

Kennen Sie diese Erkenntnis, die einen manchmal wie ein Blitz trifft: „Verdammt, jetzt habe ich gerade etwas sehr, sehr Dummes getan“? Ich hatte so ein Erlebnis im Herbst. Es war früh am Morgen, noch finster, und ich hatte im Halbschlaf nichts besseres zu tun, als durch unser Wohnzimmer zu schleichen, ohne das Licht anzuschalten.

Fragen Sie mich nicht, warum ich nicht auf den verfluchten Schalter gedrückt habe – wie gesagt, sehr, sehr dumm – jedenfalls hätte ich mit Licht das Kabel unseres Fernsehers gesehen, das aus irgendeinem Grund über den Boden gespannt war wie Stolperdraht. „Licht, ich brauche Licht“, das wusste ja schon Goethe.

Bumm, machte es dann, ich landete Gesicht voraus auf dem Boden und der Fernseher tat es mir gleich. Die Mattscheibe zerbrach in tausend Teile, und ähnliches geschah mit meiner Selbstachtung. Seitdem schalte ich immer das Licht ein und schleiche erst dann durchs Zimmer. Hat sich auch als die bessere Methode erwiesen.

 

Rainer Haendle (54), stv. Chefredakteur

Rainer Haendle

Mein schönster Film

„A Star is born“ – ein Musikfilm mit Bradley Cooper und Lady Gaga in den Hauptrollen. Vor allem die Kennenlern-Szene (1937) zwischen dem betrunkenen Countrysänger und der jungen Frau Ally mit dem großen musikalischen Talent in einer Bar fand ich atemberaubend. Der Titelsong „Shallow“ ist inzwischen für den Oscar 2019 nominiert. Begeistert hat mich auch die Natürlichkeit von Lady Gaga, die ich trotz ihrer großen Erfolge zuvor nur als langweilige Kunstfigur wahrgenommen hatte.

Mein schönstes Konzert

Eindeutig mit Rapper Marteria am Fest-Samstag (21.Juli) in der Karlsruher Günther-Klotz-Anlage. Wie der gebürtige Rostocker mehr als 40 000 Menschen am Hügel im Handumdrehen  in Exstase versetzte, löste selbst bei älteren Semestern wie mir erst ungläubiges Erstaunen und spätestens bei „Scotty beam mich hoch“ Zuckungen im Tanzbein aus…

 

Mein schönstes Buch

Die „Rückkehr nach Samthar“ von Anna Katherina Fröhlich (C.H.Beck-Verlag) ist ein Sehnsuchtsroman, der von verlorener Schönheit erzählt. Eine Besucherin aus Europa kehrt an einen Ort ihrer Kindheit zurück, in eine verfallende Festung im Herzen Indiens. Von hier wurde einst das ehemalige Königreich von Samthar regiert. Das kleine Reich gibt es zwar nicht mehr, wohl aber noch einen Maharaja, der über das Fort und die Menschen dieses extremen Landstrichs gebietet. Die Ich-Erzählerin schildert ihre zum Teil sehr skurilen Begegnungen mit seltsamen Priestern oder Wanderasketen, Verwandten und treu ergebenen Dienern des Königs. Wer Indien bereist hat, kann die Melancholie dieses Romans gut nachvollziehen. Für alle anderen ist es ein spannender Einblick in eine vergangene Epoche.

Ich habe das Buch an einem Stück verschlungen, was bei meinem Zeitbudget fast einem Wunder gleicht.

Meine schönste Reise

Mit guten Freunden nach Schottland auf die Insel Islay, die wegen ihrer rauchigen und torfigen Single Malts auch als Mutterinsel der schottischen Whiskys bezeichnet wird. Auch jenseits der acht betörenden Destillerien (von Ardbeg über Bowmore bis zu Laphroaig) ist die südwestlichste der Inneren Hebriden eine raue Schönheit mit raschen Wetterwechseln, in die man sich im Handumdrehen verlieben kann – nein, verlieben muss!

Meine schönste TV-Serie

Die BBC-Kurzserie Bodyguard erschien in Deutschland im Oktober beim Streamingdienst Netflix und handelt von einem Polizisten und Afghanistan-Veteran, der erst einen Selbstmordanschlag verhindert und danach als Personenschützer der britischen Innenministerin zugeordnet wird. Die bislang sechs Episoden sind außerordentlich spannend inszeniert, eine zweite Staffel gilt schon allen wegen des großen Erfolges in Großbritannien als sehr wahrscheinlich. Kategorie: hoher Suchtfaktor.

und  mein größtes Missgeschick im Jahr 2018…

dass ich diese Rubrik vorgeschlagen habe und mir jetzt beim besten Willen keine eigene Geschichte dazu für das Jahr 2018 einfällt.