Sina Erdrich aus Gengenbach ist seit Juni Badische Weinkönigin.
Sina Erdrich aus Gengenbach ist seit Juni Badische Weinkönigin. | Foto: Eidens-Holl

Fachwissen und viel Herz

Die Badische Weinkönigin Sina Erdrich über ihr Amt

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Wenn man sich eine Badische Weinkönigin majestätisch-ernst vorstellt, so entspricht Sina Erdrich, die im Juni für ein Jahr in dieses Amt gewählt wurde, ganz und gar nicht dem Klischee: Ihr fröhliches Lachen begleitet das gesamte BNN-Interview. Bestens vorstellbar, dass die lebenslustige 21-Jährige die Menschen zum badischen Wein „verführen“ kann. Oder vielmehr: Sie begeistert für ein Produkt, dem ihre Liebe gehört.

Denn Erdrich ist als gebürtige Gengenbacherin ein Mensch, der das Leben genießt, und dazu zählt in ihrer Heimat seit Generationen der Wein. Nach allerlei Reisen ist sie gar zu der Überzeugung gelangt, dass Bewohner von Weinbaugegenden über einen besonderen Charme verfügen, der sich auch im Ortsbild spiegelt. „Wenn ein Dorf gepflegt und voller Blumen ist, ahne ich: Hier wird Wein kultiviert.“ Durbach ist da wohl ein Paradebeispiel. Rund 3800 Einwohner, insgesamt 450 Hektar Reben, beschreibt sie. „Schon als Kind half ich bei der Weinlese mit. Das ganze Dorf war ausgestorben, jede Hand wurde gebraucht. Das ist bis heute ähnlich, zumal es sich um Steillagen handelt, die nicht maschinell bearbeitet werden können.“ Die wunderbarsten Momente seien immer die gemeinsamen Vesper gewesen. Schon als Teenager, erinnert sie sich weiter, „haben wir den Wein bewusst probiert und über ihn philosophiert“. So entstand bei der Tochter von Nebenerwerbswinzern das Interesse, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Der Wein, sagt Erdrich, „macht unsere Kultur und unsere Kulturlandschaft aus“. In ihm steckten Freude, Genuss und Ehrgeiz gleichermaßen. Ehrgeiz? „Wer Wein anbaut, kann ihm seinen ganz eigenen Touch geben. Ein erfolgreicher Winzer benötigt im Wesentlichen Fachwissen und viel Herz.“

Ich bin an meiner Aufgabe gewachsen.

Sina Erdrich, Badische Weinkönigin 2019/2020

Nach dem Abitur liebäugelte Erdrich mit der Idee, Weinbau zu studieren. Schließlich entschied sie sich für Bildungswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, kombinierte ihr Studium aber stets mit ihrer Leidenschaft für Wein. „Ich jobbte etwa bei einem Weingut. Seit einem Jahr arbeite ich als Aushilfe bei der Alten Wache in Freiburg.“ Als sie 2018 gefragt wurde, ob sie Interesse am Amt der Durbacher Weinprinzessin habe, sagte sie spontan zu, zu kandidieren – und wurde gewählt. Schnell stellte sie fest, wie viel Spaß ihr das Repräsentieren von Wein und der Kontakt mit Menschen bereiteten. Beides setzt sich jetzt fort, in größerem Maßstab. „Ich bin an meiner Aufgabe gewachsen. Zwar war ich auch vorher schon selbstbewusst. Es hat mich aber erstaunt, wie sehr ich mich noch weiterentwickeln konnte. Man geht seinen Weg, das ist schön zu wissen.“ Die Aufgaben seien enorm abwechslungsreich, sie reise zu Fachvorträgen, Sitzungen, Weinproben in ganz Deutschland. Auch an den Sonntagen ist sie kraft Amtes häufig unterwegs – oder mit ihrem Studium beschäftigt. „Die Freizeit nutze ich zum Beispiel, um mit meinen WG-Mitbewohnern Brettspiele zu machen oder an den See zu gehen.“ Sie mag auch Radtouren und Spaziergänge. Am liebsten natürlich: „Weinwanderungen!“

Von Katrin König

Vita
Geboren 1997 in Gengenbach, wuchs Sina Erdrich in Durbach auf, wo ihre Familie einen Zimmereibetrieb führt. Nach dem Abitur in Offenburg nahm sie das Studium „Bildungswissenschaft und -management“ in Freiburg im Breisgau auf; in den vergangenen Monaten schrieb sie ihre Bachelorarbeit. 2018 wurde Erdrich zur Durbacher Weinprinzessin gekürt, im Juni 2019 entschied sie beim Badischen Weinbauverband die Wahl zur Badischen Weinkönigin für sich. Sina Erdrich ist ledig und wohnt in einer Studenten-WG in Freiburg.