Die Schnaken werden die Kabs-Mitarbeiter auch in diesem Jahr wieder beschäftigen. | Foto: dpa

Saison-Vorbereitung

Dirk Reichle ist der neue Schnaken-Bekämpfer am Oberrhein

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Schnaken-Bekämpfung haben viele Menschen am Oberrhein über Jahrzehnte mit Norbert Becker verbunden. Nun ist Dirk Reichle für das Gebiet zuständig. Der 54-Jährige spricht über den fatalen Sommer 2019 und die bald beginnende Saison.

Als Dirk Reichle schon wieder fast zehn Stunden auf den Beinen war, schickten ihn seine Mitarbeiter heim. Tagelang waren sie schon mit Gummistiefeln in der feuchten Landschaft unterwegs, um Schnaken zu bekämpfen.

Reichle sollte nach Hause, duschen und mit 60 Gästen seinen 50. Geburtstag feiern. „Ich war hundemüde“, sagt er. „Aber es ist vollkommen unerheblich, ob Ferien sind oder ob es der 50. Geburtstag ist – die Mücke gibt den Takt vor.“

„Das hört man nicht so gerne“

Reichle ist der neue Schnaken-Jäger am Oberrhein. Der 54-Jährige führt seit Januar einen Verband an, der vom Kaiserstuhl bis Hessen und dem rheinland-pfälzischen Bingen Schnaken bekämpft. Ohne den Verband mit dem etwas sperrigen Namen (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage, kurz „Kabs“) hätte es in den vergangenen 40 Jahren am Rhein deutlich mehr Schnaken-Plagen gegeben.

Reichle wurde schon als „leidenschaftlicher Schnaken-Bekämpfer“ beschrieben. „Das hört man natürlich nicht so gerne“, sagt er. „Ich bin überzeugt, dass ich was Gutes tue für die Menschen am Oberrhein.“ Seit 1981 galt Norbert Becker als Gesicht des Verbands.

Eiweißkristall tötet Schnaken

Der frühere wissenschaftliche Direktor soll „Kabs“ weiter beraten. „Das, was Kabs heute darstellt, ist zum großen Teil auf ihn zurückzuführen“, sagt Reichle. „Die Fußstapfen, in die ich trete, sind gewaltig.“

Dirk Reichle bereitet die Schnaken-Bekämpfung für die kommende Saison derzeit intensiv vor. | Foto: pr

Mittlerweile sind es 60 Angestellte und 100 Helfer, die im Ernstfall ausrücken. Der Ablauf ist oft gleich: Hochwasser oder Starkregen, feuchte Ufer, Larven – Kabs reagiert. Zu Fuß und per Hubschrauber verteilen die Arbeiter das Eiweißkristall „Bti“.

Der Sommer 2019 lief fatal

Der BUND Naturschutz schreibt dazu: „Sicher ist, dass Bti auf alle 2.500 Arten der Stechmücken tödlich wirkt.“ Reichle betont: „Wir wollen mit umweltschonenden Mitteln verhindern, dass es in den Gemeinden zu starken Belästigungen durch Stechmücken kommt.“

Reichle wird seine Mitarbeiter bald einberufen, um über die kommende Saison zu sprechen, die ab dem späten Frühjahr beginnen kann. Erstmals hat „Kabs“ einen dritten Hubschrauber zur Verfügung. „Besser rüsten kann man sich nicht“, sagt Reichle. Im Sommer 2019 war so viel schief gegangen wie noch nie in der Geschichte des Verbands. Zeitweise fielen beide Hubschrauber aus, die Schnaken vermehrten sich.

Reichle: Digitalisierung vorantreiben

Massenhafte Stechmücken-Ansammlungen wurden aus vielen Gemeinden der Region gemeldet. In Fallen fanden sich bis zu 1.800 Stechmücken pro Nacht, 300 Schnaken auf den Terrassen der Bewohner rund um den Rhein waren keine Seltenheit. An die wütenden Anrufe kann sich Reichle noch gut erinnern. Dieses Jahr soll es besser laufen.

Mehr zum Thema: Kabs ruft Bevölkerung zur Mithilfe auf

Das erste Mal ist Reichle für das gesamte Kabs-Gebiet zuständig, früher war er in Hessen tätig. Er setzt auf Team-Arbeit und eine Führungsmannschaft, die ebenso wie er seit Studentenzeiten dabei ist. Norbert Becker war es einst, der mit einer Vorlesung an einer Uni Reichle für „Kabs“ begeisterte. Nun möchte der 54-Jährige seinen eigenen Stempel aufdrücken, die Digitalisierung des Verbands vorantreiben.

An den Vollzeitjob als Schnaken-Bekämpfer hat er sich längst gewöhnt. Überstunden und nicht wahrgenommene Urlaube zusammengenommen, sagt Reichle, könnte er sicher ein Jahr Urlaub machen. Aber: „Wer sich der Stechmücken-Bekämpfung verschrieben hat, macht es richtig oder gar nicht.“