Wisente können harten Wintern trotzen. Sie sollen auch ein rund 24 Hektar großes Gehege bei Freudenstadt beziehen und dort Dienste bei der Landschaftspflege leisten. | Foto: dpa

Gehege mit Wisenten

„Es wird kein Zoo am Nationalpark“

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Auge in Auge mit den europäischen Bisons

So mancher Hotelier träumte schon von einer Art Safari-Park mit Luchsen, Bären, Wölfen und anderen Tieren. Doch für den geplanten Wildtierpark an der Alexanderschanze bei Freudenstadt werden jetzt zwar nicht kleinere, aber doch andere Brötchen gebacken: Besucher sollen dort vor allem Wisente auf einem etwas erhöhten Bohlenweg Auge in Auge erleben können.

Von Landschaftspflege soll auch Auerhuhn profitieren

Die europäischen Bisons, die vor gut 100 Jahren fast ausgestorben waren, sollen nicht nur Naturfreunde anlocken, sondern auf einer Fläche von 24 Hektar auch ihren Beitrag zum Umbau des dort eigentlich gar nicht typischen Fichtenwaldes leisten, indem sie ihn lichten. Von den neuen offenen Flächen soll dann das gefährdete Auerhuhn profitieren.

Projekt geht in entscheidende Phase

Wenn Moritz Casimir Franz-Gerstein über das geplante Projekt in der Nachbarschaft des Nationalparks Schwarzwald spricht – wie  bei einer Veranstaltung der Reihe „Wissensdialog im Nordschwarzwald“ in Baiersbronn – versprüht der Tierarzt Begeisterung für eine Idee, die Ansprüchen von Tourismus, Regionalentwicklung und Naturschutz gleichermaßen Rechnung tragen soll. Aber: „Es wird kein Zoo am Nationalpark“, betont der Projektleiter, der im Auftrag von Gemeinden, Hoteliers und anderen Geldgebern das Konzept entwickelt.

Moritz Casimir Franz-Gerstein ist Projektlieter des Wildtierparks Alexanderschanze.
Moritz Casimir Franz-Gerstein ist Projektlieter des Wildtierparks Alexanderschanze. | Foto: Bernd Kamleitner

Derzeit ist das Vorhaben in der entscheidenden Phase: Die Feinabstimmung mit den zuständigen Ministerien in Stuttgart läuft. Natürlich geht es dabei auch um die Finanzierung. Rund 100 000 Euro haben die Geldgeber bislang in die Idee investiert.

Tiere könnten Gehege nahe dem Nationalpark ab 2019 oder 2020 beziehen

Um das große Gehege mit Wisenten zu besetzen, rechnet Franz-Gerstein mit Kosten von knapp einer Million Euro, unter anderem für die Einzäunung des Areals und für den um 60 bis 80 Zentimeter erhöhten Bohlenweg für die Besucher. Er soll fünf parallel durch das Areal verlaufende Wege ersetzen – zum Schutz der Tiere. Läuft alles nach Plan, könnte das Projekt im nächsten Jahr starten und die Besetzung mit „den wahnsinnig beeindruckenden Tieren“, so der Projektleiter, dann im Jahr 2019 oder 2020 folgen.

Anziehungspunkt im Nordschwarzwald: der Nationalpark Schwarzwald, der seit dem 1. Januar 2014 besteht.
Anziehungspunkt im Nordschwarzwald: der Nationalpark Schwarzwald, der seit dem 1. Januar 2014 besteht. | Foto: Bernd Kamleitner

Die mächtigen Pflanzenfresser könnten auf der Fläche im Nordschwarzwald problemlos das ganze Jahr gehalten werden – auch im harten Winter. „Das kann das Wisent“, meint Franz-Gerstein im Brustton der Überzeugung. Zudem hätten die Tiere das, was man im Zoojargon als „Schauwert“ bezeichne. Beim Auerhuhn sei der dagegen eher gering. Für dieses seltene Tier interessierten sich eher Spezialisten als die breite Masse.

Attraktive Tierarten eignen sich gut in der Umweltbildung

Gerade in der Umweltbildung seien attraktive Tierarten aber wichtige Türöffner. Deswegen sei es auch in der Peripherie des Nationalparks wichtig, Tiere erlebbar zu machen.

Franz-Gerstein kann sich zudem weitere Module des Wildtierparks zur Beweidung von Grindenflächen vorstellen, etwa mit Pferden, Ziegen und sogenannten Heckrindern. Die robusten Rinder werden oft mit Auerochsen verglichen, sind aber eine vor rund 100 Jahren durch Züchtung entstandene Hausrinderrasse.

Grinden sollen ausgeweitet werden

Die Grinden, fast baumfreie Feuchtheiden, gelten als sehr artenreiche Flächen, das bleiben sie aber nur, wenn sie beweidet werden. So könnten Pferde einer Verfilzung der Fläche entgegenwirken, weil sie im Gegensatz zu Kühen das Gras ganz unten abbeißen, betont Projektleiter Franz-Gerstein. Wie berichtet ist auch der Nationalpark Schwarzwald an einer Ausweitung der Grindenflächen interessiert.

Internet
www.wildtierpark-alexanderschanze.de