Pflegende Angehörige
Die Hand einer alten Frau wird gehalten. | Foto: Daniel Reinhardt/Archiv

Gewalt keine Seltenheit

Experte: „Man erkauft sich Familienpflege durch Weggucken“

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Der Schutz von zu Hause gepflegten Menschen wird nach Ansicht von Experten zu oft vernachlässigt. „Das Thema Erwachsenenschutz gerade in der häuslichen oder familiären Pflege oder der Lebenssituation von Menschen mit Behinderung ist ein absolut unterbelichtetes“, sagte der Rechtswissenschaftler Thomas Klie, der an der Evangelischen Hochschule in Freiburg lehrt.

„Man erkauft sich die Familienpflege durch Weggucken, indem man sich mit der Lebenssituation der Menschen mit Pflegebedarf nicht in ausreichender Weise auseinandersetzt.“ Gewalt in der Pflege ist keine Seltenheit.

Klie wies gleichzeitig darauf hin, dass die pflegenden Angehörigen Großes leisteten, aber zu oft mit ihren Nöten alleingelassen würden. Dabei sei die Bereitschaft zur Familienpflege in kaum einem Land so groß, wie in Deutschland. „Sogar in Italien wird weniger gepflegt, von Frankreich ganz zu schweigen“, sagte Klie. Die Politik setze aus Kostengründen in nicht immer verantwortlicher Weise auf die Angehörigen.

(dpa)