In der Automobilbranche scheint Industrie 4.0 schon lange angekommen zu sein - aber auch dort sind Prozessketten noch lange nicht den Wünschen nach voll automatisiert. | Foto: Adobe Stock/Industrieblick

Neue Wirtschaftsbeilage

Facetten einer Wirtschaftsregion

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Die Region steht vor dem Aufbruch – und das schon geraume Zeit: Seit mehreren Jahren schon soll die Industrie 4.0 Prozesse automatisieren, Abläufe verschlanken und in der Abwesenheit menschlicher Akteure größtmögliche Ökonomie in Industrieprozessen ermöglichen. In der Praxis jedoch lässt die Revolution auf sich warten. In den meisten Industriebereichen geht es kaum ohne die regulierende Hand des Menschen, der entweder aktiv überwacht oder eben doch noch zupackt, um Produktionsprozesse am Laufen zu halten.

Eine Frage von Millisekunden

Warum ist das so? Waren die Vorstellungen über eine neue Produktionswelt zu naiv? Oder hat man sich schlicht von der Euphorie davon tragen lassen? Die Gründe für das bisherige Ausbleiben des großen Wechsels sind mannigfaltig. Es sind nicht unerhebliche technische Hürden zu überwinden – angefangen bei der Funktechnologie, die jetzt erst mit dem 5G-Standard Möglichkeiten schafft, Produktionsprozesse mit der notwendigen geringen Latenzzeit von höchstens wenigen Millisekunden zu realisieren. Damit ein Rad in ein anderes greifen kann, ohne dass es zu Komplikationen kommt, müssen Maschinen wissen, in welchem Zustand sich andere Geräte innerhalb einer Prozesskette befinden – und das in Echtzeit.

Der kommende Funkstandard 5G löst dieses Versprechen ein. Nicht so sehr die Datenübertragungsrate. Es ist die Latenzzeit eines Signals bei 5G, die so viel besser ist. Das ist die Zeit, die zwischen dem Empfang eines Datenpakets und der Bestätigung des Empfangs des Pakets vergeht. Bis zu zehnmal schneller soll hier 5G reagieren, unter Bedingungen aus der Praxis. Doch noch ist 5G noch nicht am Markt. Und auch, wenn es so weit ist, gibt es noch weitere Hürden.

Weitere Artikel zum Thema "Wirtschaft in der Region" finden sich in der aktuellen Beilage.
Weitere Artikel zum Thema „Wirtschaft in der Region“ finden sich in der aktuellen Beilage. | Foto: Industrieblick / salman2 / Adobe Stock / Baden Airpark / HS Pforzheim

Industrie braucht noch Zeit

Erst jüngst erklärte Stefan Kusterer, Mitglied im Vorstand bei Körber Digital, einer Unternehmensgruppe auf Logistik spezialisiert, wo es sonst noch weitere Entwicklung braucht. So seien die Innovationszyklen in der Industrie länger – bis eine so tiefgreifende Änderung Fuß fasst, braucht es entsprechend Zeit. Die Masse an Unternehmen ist nicht in der Lage, notwendige Investitionen in der Technik in entsprechend kurzer Zeit zu realisieren. Auch den menschlichen Faktor dürfe man nicht außer Acht lassen, so Kusterer. Für eine entsprechende Digitalisierung brauche es auch qualifizierte Mitarbeiter.

Prräsident der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, Wolfgang Grenke, plädiert für eine gesteuerte Zuwanderung. Sie sei eine Möglichkeit, dem herrschenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. | Foto: IHK Karlsruhe

Und gerade in diesem Bereich tun sich Defizite auf. In der aktuellen Wirtschaftsbeilage der BNN setzte IHK-Präsident Wolfgang Grenke unter anderem auf eine geregelte Zuwanderung von Fachkräften. Der einheimische Arbeitsmarkt kann gerade den aufkommenden Bedarf an Spezialisten nicht decken. Nicht ausschließlich im Bereich der Digitalisierung, aber eben dort mit hoher Auffälligkeit. Und das trotz der eigentlich besten Voraussetzungen, die die Region bietet. „Nirgendwo auf der Welt ist die Expertendichte für Geschäftsideen aus dem digitalen Umfeld so hoch wie in der IT-Region in und um Karlsruhe“, erklärte der Vorsitzende des Karlsruher CyberForums Matthias Hornberger zu Beginn des Jahres im Magazin Techtag. Das sind doch zumindest schon einmal positive Aussichten für die Wirtschaft in der Region.