Mehrere Rechen- und Zahlenfehler soll die Stellungnahme enthalten, mit der 107 Lungenärzte im Januar die geltenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffoxid infrage gestellt haben. | Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Falsche Berechnungen

Feinstaub-Grenzwerte: Lungenarzt gibt Rechenfehler zu

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Mehrere Rechen- und Zahlenfehler soll die Stellungnahme enthalten, mit der 107 Lungenärzte im Januar die geltenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffoxid infrage gestellt haben. Der Initiator der Stellungnahme, der pensionierte Lungenarzt Dieter Köhler, gestand die Fehler ein, nachdem die „taz“ entsprechende Recherchen öffentlich gemacht hatte.

Köhler hatte unter anderem behauptet, wer an einer viel befahrenen Straße wohne und 80 Jahre alt werde, atme im Laufe seines Lebens nur so viel Stickoxid ein wie jemand, der ein paar Monate lang eine Zigarettenpackung pro Tag rauche. Die „taz“ hält dagegen, dass die Belastung eigentlich so hoch sei wie bei jemandem, der sechs bis 32 Jahre lang eine Packung Zigaretten am Tag raucht. Laut „taz“ lag der Fehler darin, dass Köhler offenbar den NO2-Wert (Stickstoffdioxid) einer einzelnen Zigarette auf die ganze Schachtel hochrechnete. Köhler hat dies mittlerweile selbst bestätigt.

Köhler bleibt dennoch bei seiner These

Trotz mehrfacher Rechenfehler will Köhler von seiner These nicht abrücken. Die „Größenordnung“ sei richtig, wird er medienübergreifend zitiert. „Ich mache ja praktisch alles allein und habe nicht einmal mehr eine Sekretärin als Rentner“, rechtfertigte er sich demnach.

Internationale Lungenärzte befürworten Stickoxid-Grenzwerte

Schon Ende Januar hatten sich auch internationale Lungenärzte in die Debatte um Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub eingemischt. Das Forum der Internationalen Lungengesellschaften (FIRS) hatte den nationalen deutschen Standards, den europäischen Standards und jenen der Weltgesundheitsorganisation nachdrücklich zugestimmt – und damit der Stellungnahme der Gruppe von Ärzten um Dieter Köhler widersprochen.