Goldfarbene Justitia-Figur
Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenbergen. | Foto: Britta Pedersen/Archiv

Göppingen

Misshandlung im Pflegeheim: Jetzt sechs betroffene Senioren

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Göppingen (dpa/lsw) – Im Fall sexueller Misshandlungen schwer dementer Senioren in einem Pflegeheim bei Göppingen hat sich die Zahl der Opfer erhöht. Inzwischen müsse man von sechs Betroffenen ausgehen, berichtete der Vorsitzende des Vorstands der Wilhelmshilfe, Matthias Bär, am Mittwoch in Göppingen. Bislang war von drei Betroffenen die Rede. «Wir sind schwer schockiert. Ich erlebe die schwersten Tage meiner 30-jährigen Berufstätigkeit bei der Wilhelmshilfe», sagte Bär.

Vergangene Woche war eine 47 Jahre alte Pflegerin an ihrem Arbeitsplatz festgenommen worden. Dann erfuhren laut Bär die Wilhelmshilfe und ihre 660 Mitarbeiter für über 1000 Senioren im Raum Göppingen von den schweren Vorwürfen: Die Tatverdächtige soll Männer und Frauen im Alter von 75 bis 91 Jahren während der Körperpflege sexuell misshandelt und davon für einen Bekannten Videos und Fotos gemacht haben.

«Nach jetzigem Stand der Ermittlungen geht die Polizei von einer Einzeltäterin aus», sagte Bär. Stand heute gehe man von sechs Opfern aus. «Eine abschließende Zahl können wir aber jetzt noch nicht nennen.»

Die Ermittlungen laufen weiter. Der Mann, für den die 47-Jährige vermutlich die Videos und Fotos der Misshandlungen machte, sei Mitte 2018 festgenommen worden. Nähere Angaben zu ihm machte Bär am Mittwoch nicht. Auf jeden Fall aber führten die Ermittlungen gegen diesen Mann die Polizei auf die Spur der 47-Jährigen.

Die Frau sei ausgebildete Altenpflegerin und habe seit 2001 in der Einrichtung der Wilhelmspflege im Ortsteil Bartenbach gearbeitet, berichtete Bär. Zuletzt gehörte sie als feste Teilzeitkraft zu einem Team von 21 Mitarbeitern, das sich um 16 schwer an Demenz erkrankte Senioren kümmert. Insgesamt betreut der Verein im betroffenen Heim mit rund 100 Mitarbeitern 90 Senioren.

Die mutmaßlichen Übergriffe spielten sich dort zwischen August und Oktober 2017 ab. Sowohl Bewohner der Heime als auch Angehörige und Mitarbeiter werden psychologisch betreut. «Das Ganze ist ein Schlag ins Gesicht aller Mitarbeiter, die mit Herzblut und Fachwissen dabei sind», sagte Dagmar Hennings vom Vorstand der Wilhelmshilfe mit tränenerstickter Stimme.