Ausgebrannt ist das renommierte Drei-Sterne-Restaurant „Schwarzwaldstube“ im Baiersbronner Hotel Traube Tonbach. Es gab keine Verletzten, nach ersten Schätzungen liegt der Schaden im Millionenbereich.
Ausgebrannt ist das renommierte Drei-Sterne-Restaurant „Schwarzwaldstube“ im Baiersbronner Hotel Traube Tonbach. Es gab keine Verletzten, nach ersten Schätzungen liegt der Schaden im Millionenbereich. | Foto: 7aktuell

Nach Brand in Baiersbronn

Heiner Finkbeiner über den Wiederaufbau der „Schwarzwaldstube“: „Es wird ein ganz neues Haus sein“

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Der Blick auf die Brandruine tut weh, doch Heiner Finkbeiner plant nach dem Feuer in der Nacht auf Sonntag bereits den Wiederaufbau der berühmten „Schwarzwaldstube“. Unser Redaktionsmitglied Alexei Makartsev sprach mit dem Hotelchef aus Baiersbronn darüber, wie es weitergehen soll.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie vor der ausgebrannten Schwarzwaldstube stehen?

Heiner Finkbeiner: Dass ich da geboren wurde und dort zunächst aufgewachsen bin. Später hatte ich dem 230 Jahre alten Stammhaus mein Büro. Die Bauernstube mit ihrer alten Geschichte ist für immer verloren. Das tut weh. Ich hätte mir das nicht in meinen schlimmsten Träumen vorstellen können. Mein Blick geht jedoch nicht zur Asche zurück, sondern nach vorne. In der sieben Generationen langen Geschichte der Traube Tonbach gab es auch Rückschläge. Mit meinen beiden Söhnen und meiner Frau sehe ich zuversichtlich in die Zukunft.

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Wie haben Sie von dem verheerenden Brand erfahren?

Ich lag im Bett und wurde von meiner Nachbarin angerufen. Als ich die Flammen noch von weit weg gesehen habe, haben meine Füße geschlottert. Der erste Gedanke war: Hoffentlich ist niemand verletzt.

Haben Sie bereits Vermutungen, was der Auslöser für das Feuer gewesen sein könnte?

Die Wahrscheinlichkeit, dass es eine technische Ursache gab, ist wohl die größte, aber ich möchte jetzt darüber nicht spekulieren.

Heiner Finkbeiner, Hotelier und Inhaber des Hotels Traube-Tonbach in Baiersbronn-Tonbach, steht 2006 vor dem Hotel.
Heiner Finkbeiner, Hotelier und Inhaber des Hotels Traube Tonbach in Baiersbronn. | Foto: Uli Deck/dpa

Gibt es Andenken, an denen Ihr Herz ganz besonders hängt, die noch gerettet werden konnten?

Die 150 Feuerwehrleute haben einen Riesenjob gemacht. Es war gefährlich, da das Haus immer wieder in Flammen aufging. Dort war aber leider gar nichts mehr zu retten. Alles ist verbrannt, bis auf die Grundmauern und die Weinkeller. Bislang können wir nicht einmal hineingehen, weil es eine Einsturzgefahr gibt. Wir sind aber schon damit beschäftigt, die Abbrucharbeiten zu organisieren und schnell die Termine mit den Architekten zu machen. Dann wird es zügig vorangehen.

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Baiersbronn bleibt also weiter die Heimat der Sternenköche …

Ja, die Schwarzwaldstube wird in etwa einem Jahr zurückkehren, auf gleich hohem Niveau. Und dann werden wir auch wieder beweisen, dass wir es mit allen anderen Spitzenadressen aufnehmen können. Wir haben dazu die Power, den Wunsch und auch das Können.

Wird das Restaurant am gleichen Ort wieder aufgebaut?

Ja, sehr vermutlich. Es wird ein ganz neues Haus sein. Ich habe bereits ein Bild vor den Augen, möchte aber heute noch nicht darüber sprechen.

Wie schwierig ist es, die Sterne wieder zu erhalten, die viele Menschen aus aller Welt angezogen haben?

Das ist schwer, aber wir bereiten uns darauf vor. Wir sind große Herausforderungen gewohnt.

Wie geht es gerade Ihrem Team?

Manche Mitarbeiter haben geweint, aber ich habe sie getröstet. Ich sagte, dass wir versichert sind und dass sie keine Angst um ihre Zukunft haben müssen. Wir werden ein Jahr brauchen und einen Ausgleich finden. In dieser Zeit können die Mitarbeiter zum Beispiel Urlaub machen, manche werden in unseren Zweigbetrieb gehen. Wir werden uns darum kümmern, dass alle bleiben. Das Team wird am Ende ein neues Zuhause und eine neue Küche auf gleichem Niveau kriegen, die mindestens so gut sein werden, wie sie waren. Lediglich die Tradition wird fehlen.

Wie verfahren Sie mit den bestehenden Buchungen von Hotelgästen?

Jeder Gast wird darauf hingewiesen, dass der Hotelbetrieb nicht eingeschränkt ist – die Küche, der Service und alle Bereiche funktionieren ganz normal. Nur die drei A-la-carte-Restaurants stehen vorübergehend nicht zur Verfügung. Da suchen wir jetzt nach Lösungen. Die Belegung wird sicher zurückgehen, aber unsere Stammgäste wissen, dass sie trotz allem weiter gut betreut werden.

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Die BNN haben nach dem Brand sehr viele betroffene Reaktionen erreicht. Haben sich bei Ihnen mitfühlende Stammkunden und Freunde des Hauses gemeldet?

Ja, es ist unglaublich: von überall gab es Reaktionen, auch von Kollegen aus Deutschland und Frankreich, und die Medien schrieben sogar von einem Notre Dame der Kulinaristik. Diese freundlichen Stimmen haben uns in den schwierigen Stunden sehr gut getan.