Nadia Murad
Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad spricht bei einer Pressekonferenz, neben ihr steht ihr Verlobter Abid Shamdeen. | Foto: Andrew Harnik/aktuell

Jesidin lebt im Südwesten

Friedensnobelpreis durchkreuzt Nadia Murads Hochzeitspläne

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Der Friedensnobelpreis für Nadia Murad hat die privaten Pläne der irakischen Menschenrechtsaktivistin etwas durchkreuzt. „Wir waren gerade dabei, unsere Hochzeit zu planen, aber dann kam der Nobelpreis“, sagte Murad im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in Washington – im Beisein ihres Verlobten und Übersetzers, Abid Shamdeen.

Die Hochzeit werde nun verschoben. Die 25-jährige Jesidin hat mehrere Jahre in Baden-Württemberg verbracht und will auch in Zukunft zumindest zum Teil dort leben. Die Bundesrepublik sei für sie so etwas wie Heimat geworden, sagte Murad. Sie hoffe darauf, im Dezember nach Deutschland zu kommen.

Leben in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg hatte vor mehreren Jahren ein Aufnahmeprogramm für besonders Schutzbedürftige aus dem Nordirak gestartet und darüber insgesamt mehr als 1.000 von IS-Terroristen bedrohte jesidische Frauen und Kinder in den Südwesten geholt. Unter ihnen war auch Murad.

Das norwegische Nobelkomitee hatte am Freitag bekanntgebeben, dass Murad mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird – gemeinsam mit dem kongolesischen Arzt Denis Mukwege, der Vergewaltigungsopfer behandelt. Murad sagte, die Auszeichnung sei für sie eine große Überraschung – und eine große Ehre.

Sie war in ihrer Heimat von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mehrere Monate als Sex-Sklavin gehalten und brutal missbraucht worden, bis ihr die Flucht gelang. Als Sonderbotschafterin der UN macht sie heute auf die Qualen der IS-Opfer aufmerksam.