Abiturprüfungen
Die Abitur-Prüfungen müssen bis zum 5. Juni korrigiert sein. | Foto: Felix Kästle/Archivbild

Südwesten

Für die Abi-Drittkorrektur fällt Vatertagsausflug flach

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Für viele Lehrer fällt der Vatertagsausflug aus: Sie müssen noch stapelweise Prüfungsarbeiten korrigieren. „Bei mir geht gar nichts! Ich muss Nachtschichten einlegen!“, rufen sie gestresst, wenn Freunde zum Wandern oder Grillen einladen. Die Abiprüfungen machen ihnen einen Strich durch die Rechnung.

An diesem Mittwoch landen die Abitur-Klausuren bei den Drittkorrektoren – und in einer Woche muss alles fertig sein: Am 5. Juni ist Abgabefrist. „Das ist fast nicht zu schaffen“, kritisiert Ralf Scholl, Landesvorsitzender des Philologenverbandes (PhV). „Eigentlich sind Wochenenden und Feiertage ja dienstfrei.“

Unterricht läuft quasi nebenbei

Unzumutbar wird es aus Sicht des Gymnasiallehrerverbandes im Jahr 2020. „Dann haben sogar die Erstkorrektoren im Fach Deutsch nur acht Arbeitstage Zeit – das ist ein Witz“, meint Scholl. „Im Schnitt brauchen die Deutschlehrer knapp 50 Stunden für die Korrektur, die Spitzen liegen sogar bei 120 Stunden.“ Immerhin produzierten Deutsch-Abiturienten locker mal 20 bis 30 Aufsatzseiten. Und unterrichten müssen die Lehrer „nebenbei“ auch: Ein bis maximal drei Tage werden sie fürs Korrigieren freigestellt.

Lehrer wollen bei Abgabefristen mitbestimmen

Um den Lehrern mehr Zeit zu verschaffen – und so auch oberflächlichen Zensuren vorzubeugen – beschreiten Lehrervertreter im Land nun den Rechtsweg. Der Hauptpersonalrat Gymnasien klagt darauf, dass er die Abgabefristen mitbestimmen darf. Der Fall liegt beim Verwaltungsgericht Stuttgart. Das Kultusministerium verweist auf eigene Zwänge, da die Bundesländer auch zentrale Abi-Aufgaben stellen. „Einerseits wird viel Wert auf Vergleichbarkeit gelegt, andererseits ist die Terminabstimmung schwierig“, sagt ein Sprecher von Ministerin Susanne Eisenmann (CDU). „Berlin hat schon am 20. Juni Sommerferien.“

Auch Realschullehrer machen Extraschichten

Gleich drei Korrekturstufen gibt es nur an Gymnasien im Südwesten und wenigen anderen Ländern. Diese letzten Prüfer müssen zunächst nur Stichproben machen: „Sie korrigieren eine gute, eine durchschnittliche und eine schlechtere Arbeit“, erläutert PhV-Chef Scholl. „Aber die Drittkorrektoren bekommen meist zwei bis drei Klassensätze. Und wenn die Noten von Erst- und Zweitkorrektor um drei oder mehr Punkte auseinanderliegen, müssen sie die Arbeit durchkorrigieren.“ Weichen die Urteile der Kollegen zwei Notenpunkte voneinander ab, gibt der Drittkorrektor den Mittelwert als Endnote. „Bei nur einem Punkt Abweichung zählt die bessere Note“, so Scholl.
Ihre letzten Prüfungsstapel arbeiten derzeit auch Haupt- und Realschullehrer ab. Auf letztere wartet 2020 die „große Kraftanstrengung“, betont Karin Brozsat, Landeschefin des Realschullehrerverbandes: „Dann müssen wir erstmals parallel die Mittlere Reife und die Hauptschulprüfung durchführen.“