Hausmaus
Die Staatsanwaltschaft hatte nach Beschuldigungen des Vereins Ärzte gegen Tierversuche und des Regierungspräsidiums Karlsruhe geprüft, ob zwei Frauen und ein Mann bei einem Experiment mit Mäusen Straftaten begangen hatten.

Vorwürfe aus Karlsruhe

Gab es in Heidelberg illegale Tierversuche? Ermittlungen eingestellt

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Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) eingestellt. Nach rund fünf Monaten der Prüfung habe sich der Verdacht nicht erhärtet, sagte ein Sprecher der Behörde der Deutschen Presse-Agentur.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach Beschuldigungen des Vereins Ärzte gegen Tierversuche und des Regierungspräsidiums Karlsruhe geprüft, ob zwei Frauen und ein Mann bei einem Experiment mit Mäusen Straftaten begangen hatten.

Qualvoll gestorben?

Der Verein hatte die Leiterin des Versuchs am DKFZ bezichtigt, keine Genehmigung gehabt zu haben. Sie habe Mäuse an Tumoren qualvoll eingehen lassen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte als Genehmigungsbehörde für Tierversuche besagte Ärztin sowie einen Mann und eine Frau, die am Experiment beteiligt waren, angezeigt.

Gerade den Vorwurf der Tierquälerei bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass den Tieren stärkere Schmerzen, Leiden oder Schäden entstanden seien.

Bei dem Versuch sollte die Wirksamkeit einer bestimmten Virentherapie für das besonders bösartige Ewing-Sarkom, an dem vor allem Kinder leiden, an Mäusen untersucht werden. Das DKFZ begrüßte die Entscheidung. Vorstandschef Michael Baumann sagte: «Wir freuen uns, dass die Staatsanwaltschaft unsere Auffassung teilt und die beanstandeten Experimente nicht als strafrechtlich relevant bewertet.»

Das DKFZ hatte Versäumnisse der Wissenschaftler, von denen zwischenzeitlich nur noch einer wenige Stunden pro Woche beim DKFZ arbeitet, eingeräumt; zugleich aber wies das Zentrum auf die aus seiner Sicht engen Regeln für die Beantragung von Tierversuchen hin. Es sei dringend notwendig, die erforderliche große Detailtiefe zu vermindern und die Forschungsabläufe offener formulieren zu können. Sonst könne man bei langwierigen Experimenten nicht auf auftretende Unwägbarkeiten reagieren.

Karlsruher Präsidium prüft Ordnungswidrigkeit

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erwies sich die von den Forschern genutzte Zelllinie nicht als die ursprünglich genehmigte. Allerdings wurde der Zweck des genehmigten Versuchsvorhabens aus Sicht der Behörde beibehalten, so dass es einer gesonderten Genehmigung nicht bedurft habe. Die Staatsanwaltschaft ermittelte auch, dass einige Mäuse zu spät getötet worden seien. Jedoch sei die genehmigte gesamte Versuchsdauer von 100 Tagen nicht überschritten worden.

Nun prüft das Regierungspräsidium Karlsruhe, ob in dem Fall eine Ordnungswidrigkeit vorliegt.

Das DKFZ hatte kürzlich ein Symposium zum Thema tierexperimentelle Forschung veranstaltet. Dabei hatte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) betont: «Es gibt kaum ein anderes wissenschaftliches Thema, das in der Öffentlichkeit so intensiv, kontrovers und emotional aufgeladen diskutiert wird wie Tierversuche.» Das Symposium sei wichtig, damit auch die kritische Öffentlichkeit erlebe, wie ernsthaft die Wissenschaft ihr Handeln abwäge.

dpa