Der Eingangsbereich des maroden Gebäudes. Foto: Rainer Obert

Auch im Visier der Polizei

Gammel-Immobilie als Risikofaktor in Ettlingen

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 Für Diskussionsstoff bei Polizei und Stadtverwaltung sorgt das verwaiste, ehemalige Firmenareal von GEA Wiegand in der Einsteinstraße. Was die Thelen-Immonbiliengruppe aus Essen dort plant, ist weitgehend unklar.

Fest steht, dass die Verhältnisse vor Ort zunehmend zur Gefahr geworden sind, steht der mehrstöckige Gebäudekomplex doch seit dem Umzug von GEA Wiegand – nach Auslaufen des Mietvertrags – im Jahr 2011 leer und verkommt zunehmend. Ins Visier der Polizei rückte das Areal zum einen durch einen Großeinsatz im Oktober, als wohl durch Brandstiftung ein Feuer ausbrach. Und zuletzt mussten Einsatzkräfte in großer Zahl Ende Februar anrücken, weil Jugendliche aufs Dach des Hochhauses gestiegen waren und so mit ihrem Leben spielten.

Ein Bild totaler Zerstörung

Auf dem frei zugänglichen Gelände liegen überall herausgerissene Gebäudeteile, ein Großteil der Scheiben wurde zerstört, der Blick ins Innere offenbart ebenfalls ein Bild totaler Zerstörung. Der lockere Bauzaun ist umgedrückt. Tiefe Aufzugschächte stehen offen, was nicht niet- und nagelfest ist, wurde abgerissen.
„Wenn da etwas passiert … Eine Einsicht beim Eigentümer wäre gut“, betont Bürgermeister Moritz Heidecker. Überhaupt jemanden bei Thelen zu bekommen sei aber schwierig. Auch wenn die Stadt nicht hafte, kontrolliere man regelmäßig. Ist der direkt am Gebäude gestellte Zaun mal wieder umgedrückt und somit freier Zugang möglich, dann versucht die Stadt, jemanden beim Eigentümer zu erreichen, damit dieser eine Firma anweist, den Missstand zu beheben. Verbotsschilder sucht man vergebens.

Der Ort findet sein Publikum

Auch von Seiten des Polizeipräsidiums Karlsruhe mahnte man an, dass angesichts der Zustände vor Ort etwas passieren muss, weiß Jürgen Maisch, Ermittlungsdienstleiter beim Revier Ettlingen. „Das Gelände ist nicht gesichert.“ Inzwischen tummelt sich offensichtlich ein breites Klientel an Besuchern auf dem Gelände. Buntmetalldiebe haben ausgeschlachtet, es campieren Lkw-Fahrer in ihren Zwangspausen oder wenn sie auf neue Fuhren warten, Obdachlose nächtigen vor Ort, und nicht zuletzt nutzen Jugendliche im Schutz der Dunkelheit das immer mehr verwahrlosende Gebäude als gefährlichen Treffpunkt.
Auf BNN-Anfrage bei der Thelen Holding in Essen gibt Niklas Hammann knapp Auskunft. Was vor Ort geplant ist? Zum Verkauf stehe das Areal jedenfalls nicht, man suche Mieter. „Wenn sie einen Mieter haben, können sie ihn uns nennen.“

Gebäude „im Eimer“

Nach Hinweis auf die massiven Schäden vor Ort wird erklärt: Im Fall der Vermietung werde man das Gebäude auf Vordermann bringen. Weitere Auskünfte – etwa zum Thema Sicherung – gebe es nur auf schriftliche Anfrage. Die blieb unbeantwortet. Vor Ort weist eine Werbetafel an der Hertzstraße auf die Möglichkeit eines Hallenbaus auf 10 000 Quadratmetern hin, für Produktion oder Logistik.
Eine Anfrage zu den Zuständen auf dem Gelände stellte zuletzt noch Ende 2018 die CDU-Fraktion im Gemeinderat. „Die drücken sich“, befindet Fraktionschef Albrecht Ditzinger zum Eigentümer. Es entstünden ja auch Kosten für Stadt beziehungsweise Steuerzahler durch die Einsätze. Offiziell solle das Gelände wohl als neues Industriegebiet vermarktet werden, tatsächlich lasse man es verfallen. Das Gebäude sei „im Eimer“. Angesichts der Situation müsse die Stadt notfalls strengere Auflagen erlassen, um so den Eigentümer in puncto Sicherheit zum Handeln zwingen.