Kai Gniffke wird beim SWR Nachfolger von Peter Boudgoust. | Foto: dpa

ARD-Mann neuer Chef

Gniffke will mit SWR die nächste Stufe zünden

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Stefanie Schneider steht neben dem Podium, hat gerade langen Applaus, Blumen und Glückwünsche entgegengenommen. Dann erklärt die Landessenderchefin gegenüber den BNN ihre Niederlage: „Ich habe leider das beste Argument selbst geliefert“, sagt sie und lacht.

Das wohl wahlentscheidende Argument für Kai Gniffke als neuen SWR-Intendanten fiel am Donnerstagmittag hinter den Kulissen. Der erste Wahlgang im Studiosaal des Funkhauses in Stuttgart brachte weder den Chefredakteur von ARD-aktuell noch Schneider näher ans Ziel. Eine Stunde lang diskutierten dann die 88 Rundfunk- und Verwaltungsräte hinter verschlossenen Türen. Dort sprach einer das Argument aus: Wenn Gniffke gewählt wird, hat der SWR sowohl ihn als auch Schneider. Ihn als Chef, die 57-Jährige weiter als Landessenderdirektion. Danach bekam Gniffke die nötige Mehrheit.

Damit ist die beliebteste offene Stelle der Medienbranche wieder besetzt. Wann Gniffke das Amt bei der zweitgrößten ARD-Rundfunkanstalt antritt, ist noch offen. Der derzeitige SWR-Intendant Peter Boudgoust kündigte im Gespräch mit den BNN an, Gniffke nun in Ruhe die Geschäfte zu übergeben: „Ich werde immer wieder Gespräche mit ihm führen. Er kann den SWR ähnlich gut führen wie die ARD.“

Gniffke, 58, präsentierte in seiner Rede konkrete Visionen. „Pacemaker“, also Vorreiter, wolle er mit dem SWR innerhalb der ARD bei der Digitalisierung sein. „Wir brauchen so etwas wie ein Labor, in dem wir neue Formate entwickeln.“ Als Standort dafür sieht er Baden-Baden. „Vielleicht entwickeln wir endlich mal eine der Serien, die mit Netflix konkurrieren können. Wir lassen uns nicht vorwerfen, wir hätten es nicht wenigstens versucht.“ Auf dem Weg zum „Innovationstreiber Nummer 1“ mahnte Gniffke auch, dass die Ressourcen endlich seien. „Wir müssen Fernsehen effizienter produzieren.“ Und: „Mein Anspruch ist es, Führungspositionen zur Hälfte mit Frauen und Männern zu besetzen.“ Das halte er bei ARD-aktuell ein.

Gniffke überzeugte am Vorabend der Wahl mehr

Entscheidende Punkte hatte Gniffke bereits am Vorabend gemacht. Da präsentierte er sich mit Schneider drei Interessensgruppen, auch Freundeskreise genannt: Den politisch eher schwarz und rot-grün Wählenden sowie einer Frauenfraktion. Von mehreren Seiten heißt es, Gniffke sei deutlich offensiver gewesen als Schneider.

Der erste Wahlgang hatte die verhärteten Fronten der Vorwochen offenbart: Baden-Württemberg pro Schneider, Rheinland-Pfalz pro Gniffke. Schneider sei zu sehr auf Stuttgart fokussiert, hieß es – über Gniffke wurde gesagt, ihm fehle die Bindung zum SWR. In der internen Besprechung nach dem ersten Wahlgang kam vom roten Freundeskreis die Ansage: „Jetzt müssen wir Baden-Württemberger uns bewegen.“ Sie bewegten sich – auch, weil man einen dritten Wahlgang im September verhindern wollte. „Es war uns irrsinnig wichtig, dass heute eine Entscheidung fällt“, gab Gniffke später zu. Er kündigte an: „Wir zünden jetzt die nächste Stufe.“

„Schade, dass es so eine Rolle gespielt hat“

Schneider möchte Landessenderchefin bleiben und sagte, mit der Niederlage könne sie leben. Dass sich beide Bundesländer jeweils hinter einen Kandidaten stellten, sieht sie kritisch: „Schade, dass es so eine Rolle gespielt hat – das zeigt, dass wir was tun müssen.“

Landtagsabgeordneter Tobias Wald (CDU) aus Bühl sagte über Gniffke, der bereits Reporter in Rheinland-Pfalz war: „Er ist ein Insider des SWR, hat aber den Blick von Außen.“ Landtagskollege Alexander Salomon (Grüne) aus Karlsruhe hätte sich Schneider gewünscht, sagt aber: „Gniffke war durchaus wählbar. Er ist ein Versprechen für die Zukunft.“ Die rheinland-pfälzische FDP-Fraktionsvorsitzende Cornelia Willius-Senzer lobte Gniffke: „Seine Visionen gefallen mir. Das ist genau das, was der SWR braucht.“