Kirche
Nur jeder fünfte junge Erwachsene in Deutschland bezeichnet sich selbst als religiös. | Foto: Federico Gambarini/Symbol

Umfrage zu Religion

„Gott ist weitgehend verschwunden“

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Was denken junge Menschen über die Kirche? Und wie wichtig ist Religion für junge Deutsche überhaupt noch? Diesen Fragen ist eine Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche Deutschland auf die Spur gegangen. Ein Ergebnis: Nur jeder fünfte junge Erwachsene in Deutschland bezeichnet sich selbst als religiös.

Der Glaube junger Menschen ist das Hauptthema der Tagung der Evangelischen Kirche in Deutschland vom 11. bis 14. November in Würzburg. Anlässlich der Tagung hat die Evangelische Kirche in einer deutschlandweiten Befragung jungen Menschen in Deutschland die berühmte Gretchenfrage gestellt: Wie hast du es mit der Religion? Das Ergebnis: Nur knapp jeder fünfte Deutsche (19 Prozent) zwischen 19 und 27 Jahren bezeichnet sich selbst als religiös. Der weitaus größere Teil, 61 Prozent, bezeichnet sich als nicht religiös.

Repräsentative Umfrage in ganz Deutschland

Für die repräsentative Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche Deutschlands wurden 1000 junge Erwachsene zwischen 19 und 27 Jahren in ganz Deutschland befragt.

Gerhard Wegner, Direktor des Instituts und Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Marburg, macht unter anderem den „Abbruch der Weitergabe des Glaubens unter den Jüngeren“ für die sinkende Religiosität unter jungen Erwachsenen verantwortlich. Dies führe auch zu einer steigenden Zahl von Kirchenaustritten. Wegner macht in einem schriftlichen Statement zur Studie seine Sicht klar: „Der Kern der Reproduktionskrise der Kirche ist die schwächelnde Religiosität der Jüngeren“.

Unterschiede zwischen religiösen und nicht-religiösen Befragten

Neben der Religiosität an sich ging es bei der Befragung auch um Fragen zur persönlichen Meinung und zum Lebensgefühl. Dabei zeigten sich zwischen religiösen und nicht-religiösen Befragten nicht viele, aber immerhin einige Unterschiede: Spaß haben und das Leben genießen ist für 45 Prozent der nicht-religiösen jungen Deutschen wichtig im Leben, bei den religiösen Befragten bejahte dies nur rund jeder Vierte (23 Prozent). Etwas zu haben, an das man glaubt, ist für diese wiederum deutlich wichtiger (25 Prozent zu 5 Prozent). Auch das soziale Engagement ist den religiösen jungen Leuten wichtiger: 16 Prozent bezeichnen es als wichtig im Leben, unter den nicht-religiösen sind es nur 6 Prozent.


Bei der Frage nach den größten Ängsten im Leben sind viele Antworten ähnlich: Die Angst vor schweren Krankheiten und die Angst, einen Familienangehörigen zu verlieren sind bei religiösen wie bei nicht-religiösen auf den ersten beiden Plätzen. Einen signifikanten Unterschied gibt es aber auch: Rund 40 Prozent der nicht-religiösen jungen Erwachsenen haben Angst davor, im Alter nicht genügend Geld zu haben. Ihre gläubigen Altersgenossen teilen diese Furcht nur zu 27 Prozent.

„Die vielleicht erste wirklich postchristliche Generation“

„Der Glaube wächst nicht mehr selbstverständlich nach“, meint Institutsdirektor Wegner. Laut dem Theologieprofessor ist die Haltung der Jüngeren ein Indikator für einen Wandel der Einstellung gegenüber Institutionen und Gemeinschaftswerten: „Kurz gesagt: Noch keine Generation war so sehr auf sich selbst, auf das eigene Ich bezogen, wie die jetzt lebende.“ Institutionen wie die Kirche würden nur noch dann als sinnvoll bewertet, wenn sie nützlich seien. Wegner betrachtet die jungen Erwachsenen als die „vielleicht erste wirklich postchristliche Generation. Gott ist weitgehend verschwunden.“

Die Befragung wurde telefonisch in ganz Deutschland vorgenommen. Ein Drittel der Befragten war evangelisch, 28 Prozent katholisch getauft. 26 Prozent der Befragten waren konfessionslos. 6 Prozent gehörten dem muslimischen Glauben an – die mit 20 Prozent unter den „Religiösen“ überproportional vertreten waren.

Die ausführlichen Ergebnisse der Studie gibt es hier zum Nachlesen.