In den sogenannten Escape Rooms lösen Teams knifflige und bisweilen schaurige Rätsel. Foto: EscapeRoom Pforzheim

Sicherheit in den Escape Rooms

Gruseln ohne Nebenwirkungen

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Es ist der wahr gewordene Alptraum: Ein unterhaltsames und kniffliges Spiel mit einem Nervenkitzel, aus dem plötzlich tödlicher Ernst wird. Im polnischen Koszalin wurden am Donnerstag fünf Mädchen zu Grabe getragen, die vor einer Woche in einem Escape Room bei einem Brand gestorben sind.

Die 15-Jährigen mussten bei einer Geburtstagsfeier unter Zeitdruck eine Reihe von Rätseln lösen, um aus einem abgesperrten Zimmer zu entkommen – aus dem es gar kein Entkommen gab. Da die Klinke der Tür auf dem einzigen Fluchtweg abmontiert und als ein Teil der Herausforderung im Raum versteckt worden war, hatten die Teenager bei dem verheerenden Brandunglück keine Chance.

Polen trauert – wie sicher sind Escape Rooms in der Region?

Während Polen um die toten Mädchen trauert, kommt auch bei manchen Besuchern der beliebten Escape Rooms (ER) in der Region die bange Frage auf: Wie steht es um die Sicherheit der deutschen Abenteuer-Spielstätten? Die BNN haben sich bei einigen Betreibern umgehört.

Als ich von der Brandkatastrophe hörte, habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen

Die gute Nachricht vorweg: Alle Befragten erfüllen nach eigener Darstellung die in Deutschland vorgeschriebenen hohen Standards, die im Vergleich mit dem betroffenen polnischen Unternehmen einen wesentlich besseren Schutz der Besucher in Notfällen und eine sehr gute Brandsicherheit bieten. Auch die Feuerwehr sieht derzeit wohl keinen Grund zur Sorge. Der ungebrochen hohen Popularität der schaurigen Rätsel- und Fluchtkammern im BNN-Verbreitungsgebiet scheint die Tragödie in Koszalin bislang keinen Abbruch getan zu haben.

„Als ich von der Brandkatastrophe hörte, habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, erzählt Ronald Wittig, Betreiber der „EscapeRooms Pforzheim“. „Dort wurden viele schlimme Fehler gemacht, und es tut mir sehr leid um die Mädchen.“ Nach Bekanntwerden des Unglück hat Wittig nach eigenen Worten sein Sicherheitskonzept überprüft. „Es gibt einen himmelweiten Unterschied zu dem Escape Room in Polen“, versichert er. „So habe ich alleine in den Brandschutz in beiden Räumen, die vier Fluchtwege haben, mehr als 10.000 Euro investiert“.

Jederzeit Funkkontakt zu Mitarbeiter

Der 52-jährige Meister des Nervenkitzels zählt weitere Sicherheitsmerkmale seiner Attraktion auf: Deren Türen seien nicht abgeschlossen, alle brennbaren Elemente als schwer entflammbar zertifiziert, ein Mitarbeiter überwache jedes Team, zu dem jederzeit Funkkontakt bestehe. Sicherheitshalber hat Wittig jetzt noch die „Notausgang“-Schilder vergrößert. Es wirkt: Die Buchungen in der Spielstätte, in der sich im vergangenen Jahr rund 6.000 Menschen das Gruseln lehren ließen, seien in den vergangenen Tagen nicht zurückgegangen, sagt er zufrieden.

„Bei euch fühlen wir uns wohl“: Das bekommt Sebastian Bayer nach eigenen Worten jetzt häufig von Kunden zu hören, die viel über die polnische Tragödie sprechen würden. Der Geschäftsführer der „Adventurebox“ in Karlsruhe zeigt sich bestürzt über die jungen Brandopfer, aber er versichert auch: „Bei uns kann so etwas nicht passieren“. Wie in Pforzheim werden die Türen des Escape Rooms im Herzen der Fächerstadt nicht verschlossen und die Räume werden permanent videoüberwacht.

Betreiber: „Meine Mitarbeiter sind gut geschult“

Die Anlage, die jährlich etwa 30.000 Besucher zähle, sei vom Brandschutz gründlich geprüft worden. „Meine Mitarbeiter sind gut geschult, jeder weiß, wo die Feuerlöscher sind“, so Bayer. Nach dem Brand in Koszalin habe er jedoch in seinem Team angeregt, gemeinsam die Feuerwehr zu besuchen. „Wie bedient man einen Feuerlöscher? Das könnte man dort ausprobieren, ich habe es selbst noch nicht gemacht“, sagt der Betreiber.

Beruhigende Worte auch aus Baden-Baden: Der Chef der dortigen „Exitgames“ sieht keinerlei „Gefahrenpotenzial“ in seiner Einrichtung, die 2014 zu den ersten Anbietern im badischen Raum gehörte. „Wir schließen nicht ab, man muss hier keine Schlüssel finden oder Steckdosen auseinanderbauen. Sondern es geht darum, eine Mission zu erfüllen“, sagt Marco Kiefer. Einen Notfall habe es in seinem ER noch nie gegeben. Weswegen das „mysteriöse Zimmer“, so die Eigenwerbung, laut Kiefer zuletzt viel von Touristen, Familien mit Kindern und von Firmen für Feiern gebucht wurde.