Beim Ausbau des Mobilfunknetzes hinkt Baden-Württemberg hinterher.
Beim Ausbau des Mobilfunknetzes hinkt Baden-Württemberg hinterher. | Foto: dpa

Häufige Bürgerproteste

Hier hakt es beim Ausbau des Mobilfunk-Netzes

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Baden-Württemberg hinkt beim Ausbau des Mobilfunknetzes anderen Bundesländern hinterher. Das geht aus Daten des Branchenverbandes Bitkom und der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm hervor. Außer in Bayern gibt es demnach nirgendwo sonst in Deutschland so viele Standorte, an denen der Bau von Funkmasten verhindert oder erschwert wird.

Schnelles mobiles Internet und hervorragender Handyempfang? Das ist selbst in deutschen Großstädten nicht überall selbstverständlich. Auf dem Land sieht es noch schlechter aus. Die drei großen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) haben nun Daten vorgelegt, um die konkreten Schwierigkeiten beim Ausbau des Mobilfunknetzes deutlich zu machen. Auf einer Deutschlandkarte, die der Branchenverband Bitkom im Internet veröffentlicht hat, sind alle Standorte eingetragen, an denen der Bau neuer Mobilfunkmasten verzögert, erschwert oder verhindert wird. Die mit Abstand meisten Einträge gibt es in Bayern und Baden-Württemberg.

„Wir spüren ein deutliches Nord-Süd-Gefälle“, sagte Benedikt Albers, Sprecher der Deutschen Funkturm GmbH. Die Telekom-Tochter baut die Masten für ihre Muttergesellschaft, stellt darauf aber auch anderen Netzbetreibern Antennenplatz zur Verfügung. „Wir haben oft Probleme, überhaupt einen Grundstückseigentümer zu finden. Und dann ziehen sich die Genehmigungsverfahren oft in die Länge“, sagt Albers. Ein Grund dafür sei, dass es in Baden-Württemberg viele Mobilfunkkritiker gebe, die sich gegen neue Masten einsetzen. „Häufig spielen Bürgerproteste eine Rolle, weshalb wir früh im Rahmen von Bürgerabenden in den Dialog gehen.“

Mehr zum Thema: Vorbehalte gegen neue Mobilfunkmasten: Bund plant Kampagne

Pfinztal: Anlieger wehren sich

Einer der Problem-Standorte, an denen der Netzausbau laut der Bitkom-Karte nicht vorankommt, ist die Gemeinde Pfinztal. Dort will die Deutsche Funkturm auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs einen Handymast bauen. Mit dem Eigentümer wurde man sich einig. Auch die Behörden hatten nichts dagegen. Doch dann spielten Anlieger nicht mit, über deren Grundstücke der notwendige Fahrweg zum Funkturm geführt hätte. Nun liegt das Genehmigungsverfahren erst mal auf Eis. Aus der Gemeindeverwaltung heißt es: „Wir haben der Deutschen Funkturm einen Alternativstandort vorgeschlagen. Darauf wurde nicht eingegangen.“

Auch in Bietigheim bei Rastatt gibt es Schwierigkeiten. Dort würde die Telekom-Tochterfirma gerne einen Funkmast im Gewerbegebiet bauen. „Den Mietvertrag für die Fläche haben wir bereits abgeschlossen. Doch die Baugenehmigung wurde abgelehnt“, sagte Unternehmenssprecher Albers. „Dagegen haben wir Widerspruch eingelegt.“ – Das Verfahren läuft noch, Ausgang ungewiss.

Karlsruhe: Vermieter macht Rückzieher

In Karlsruhe sucht die Deutsche Funkturm noch nach einem neuen Standort. „Wir hatten schon einen Vermieter, doch der hat sein Angebot kurz vor Vertragsabschluss wieder zurückgezogen“, erklärte Albers, weshalb die Stadt in der Problem-Karte genannt wird. Dazu steht dort: „Verfahrensdauer: vier Jahre, neun Monate“. So lange zieht sich das Ganze schon hin.

Auch um Pforzheim herum ist die Standortsuche offenbar schwierig. In Ölbronn-Dürrn, Neulingen-Göbrichen und Niefern-Öschelbronn fehlen laut Bitkom „vermietbereite Eigentümer“. Per Mausklick führt der Branchenverband direkt zu einem Kontaktformular. Dort heißt es hoffnungsvoll: „Sie verfügen über eine freie Fläche und möchten diese für den Bau eines Mobilfunkmasts oder die Installation einer Mobilfunkanlage anbieten? Dann teilen Sie uns das hier bitte mit und wir werden die Netzbetreiber entsprechend informieren.“ Ob es funktioniert, wird sich zeigen.

Bitkom fordert Infokampagne

Um Vorbehalte in der Bevölkerung zu entkräften, schlägt der Branchenverband eine „breite Kommunikationskampagne unter Regie der Bundesregierung“ vor. Denn „Kritiker und Akteure warnen vor vermeintlichen Gesundheitsrisiken und befeuern so Bedenken gegen Mobilfunk, obwohl nach aktuellem Stand von Wissenschaft und Forschung bisher kein Grund zur Sorge besteht“, so Bitkom. Die Kampagne solle „die Menschen in allen Regionen“ erreichen. Gemeint ist wohl vor allem Baden-Württemberg und Bayern.