Öffnet auch Kuchenboxen: Hündin Frida klaut in Abwesenheit von Frauchen Essen
Öffnet auch Kuchenboxen: Hündin Frida klaut in Abwesenheit von Frauchen Essen. | Foto: privat

Hund klaut Essen

Hundeprofi Martin Rütter gibt BNN-Lesern Tipps bei Problemen mit dem Vierbeiner

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Hündin  Frida, ist sechs Jahre alt und ziemlich clever: Sie klaut zuhause Essen, aber  ausschließlich in unserer Abwesenheit, wie die Halterin mitteilt.  Frida  stammt demnach  aus dem Tierschutz und hat  elf  Monate im Hunderudel gelebt. Sie zieht geschlossene Kuchenboxen vom Tisch und bearbeitet sie, bis sie aufgehen. An Ostern hat sie vom Schreibtisch des  Sohnes aus einer Geschenktüte Osterhasen  ausgepackt und kleine Eier verspeist. Mit Folgen:  Die Süßigkeiten haben  leichte Vergiftungserscheinungen ausgelöst hat. „Leider haben wir es erst danach bemerkt“, berichtet die Halterin. Die stellt Essbares inzwischen in für Frida „unerreichbare Höhe“.

Überall Chilli-Käse verteilen?

Wie kann das Problem gelöst werden? Chilli-Käse überall verteilen,  bis Frida  genug davon.hat? „Sie ist leider nicht sehr geräuschempfindlich, nicht mal Feuerwerk bringt sie aus ihrer Ruhe“, ergänzt die Halterin.

Eine Tafel dunkle Schokolade kann für Hund tödlich sein

Martin Rütter: Wenn Hunde Nahrung vom Menschen klauen, kann dies in der Tat schnell lebensgefährlich für sie werden. Gerade Schokolade enthält das für Hunde giftige Theobromin, bereits eine Tafel dunkle Schokolade kann für einen etwa 5 bis 10 Kilogramm  schweren Hund tödlich sein. Generell gilt dabei: Je dunkler die Schokolade ist, desto mehr Theobromin enthält sie. Weiße Schokolade enthält daher so gut wie gar kein Theobromin.

Hunde sind beim Klausen von Essen sehr kreativ

Doch wie verhindert man nun, dass ein Hund Essen klaut? Die Antwort lautet leider: Gar nicht! Jedenfalls nicht durch ein Training. Vielmehr muss der Mensch ordentlich werden und nach dem Essen alles wegräumen, was für den Hund essbar erscheinen könnte. Hunde können dabei sehr kreativ werden. So hatte ich einmal einen sehr verfressenen Labrador Retriever (was auch sonst) im Training, der jedes noch so gute „Versteck“ seiner Menschen gefunden und „geknackt“ hat. Sei es das Bar-Fach, in dem die Schokolade verstaut war oder aber der Backofen, in dem das Backblech mit Hähnchenfett noch auf den Spülvorgang wartete.

Was ist eigentlich arttypisch?

Woran liegt dies aber nun? Unter Hunden ist es „normal“, dass Essen, auf welches niemand mehr Anspruch erhebt, für die Allgemeinheit freigegeben ist. Wer seinen Kauknochen liegen lässt und sich von diesem außer Sichtweite entfernt, gibt den Anspruch daran auf! Ein Hund kann also durchaus lernen, kein Essen von unserem Teller oder Tisch zu klauen, solange wir am Tisch sitzen oder uns noch in Sichtweite des Tisches befinden. Manche Hunde akzeptieren dann auch, dass Nahrung des Menschen bzw. Nahrung auf dem Tisch des Menschen niemals für sie gedacht ist. Doch das ist, wie gesagt, eigentlich nicht arttypisch.

Hilft ein herunterfallender Schlüssel?

Einige Menschen versuchen Hunden das Stehlen von Nahrung in Abwesenheit des Menschen durch eine anonyme Korrektur abzugewöhnen. Dazu deponieren sie Schüsseln neben einem verführerisch drapierten Leckerbissen auf dem Tisch. Versucht der Hund nun, den Leckerbissen vom Tisch zu klauen, fallen die Schüsseln um und auf den Boden. Der Schreck durch das Geräusch der herunterfallenden Schüsseln soll den Hund jetzt davon abhalten, erneut zu versuchen, an den Leckerbissen zu gelangen.

Zwei mögliche Szenarien

Nun gibt es zwei mögliche Szenarien. Ein leicht zu verunsichernder Hund wird sich vermutlich erschrecken und tatsächlich nicht mehr an das Essen gehen. Da die Schüsseln jedoch willkürlich herunterfallen, wird er dies nicht als Bestrafung wahrnehmen und mit der Handlung „Essen klauen“ verknüpfen. Vielmehr wird er sich im eigenen Haus, in dem er sich doch eigentlich sicher und entspannt fühlen soll, fürchten, denn es kann ja aus seiner Sicht jederzeit wieder zu so einem schrecklichen Vorfall kommen. Dies kann dann sogar dazu führen, dass der Hund zukünftig Probleme beim Alleinbleiben entwickelt.

Sicherer Hund wartet ab – und versucht es erneut

Ein sicherer Hund wird dagegen einfach nur zur Seite springen. Er wartet ab, bis alle Schüsseln am Boden liegen – solche Sachen passieren halt ab und an… Sobald wieder Ruhe eingekehrt ist, wird er sich wieder der Nahrungsbeschaffung widmen, dieses Mal dann mit Erfolg, denn weitere Schüsseln, die herunterfallen können, sind ja nicht vorhanden.

Präparieren mit scharfen Beigaben hilft in der Regel nicht

Auch das Präparieren von Nahrung mit scharfen Beigaben wie Chili hilft in der Regel nicht. Der Hund wird zwar vielleicht merken, dass diese eine Frikadelle heute etwas scharf geschmeckt hat, er wird dadurch jedoch nicht lernen, dass er generell keine Nahrung klauen sollte. Denn nur weil eine einzige Frikadelle nicht so wirklich lecker geschmeckt hat, heißt das ja nicht, dass andere Frikadellen genauso schmecken.

Was dem Menschen nicht schmeckt, kann für den Hund lecker sein

Hinzukommt, dass der Hund einen ganz anderen Geschmackssinn hat als wir Menschen, sodass er unter Umständen einen für den Menschen ekligen Geschmack sogar lecker findet! Die meisten Hunde schlingen zudem Nahrung herunter, sodass sie häufig gar nicht wirklich wahrnehmen, dass eine Nahrung präpariert ist, da diese, bevor die Geschmackszellen den Geschmack überhaupt wahrnehmen konnten, bereits im Magen gelandet ist.

Fazit: Der Mensch muss ordentlich werden

Als Fazit bleibt nur eines: Der Mensch muss ordentlich werden und Nahrung immer so wegräumen, dass der Hund sie nicht erreichen kann!