Wer führt den SWR künftig? Die Rundfunk- und Verwaltungsräte entscheiden sich zwischen Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell, und Landessenderchefin Stefanie Schneider | Foto: SWR/Jürgen Pollak

Wahl des neuen Intendanten

In Stuttgart entscheidet sich die SWR-Spitzenfrage

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Es geht um das höchste Amt im SWR, der zweitgrößten ARD-Rundfunkanstalt: An diesem Donnerstag wird der neue SWR-Chef gewählt. Wird es Stefanie Schneider oder Kai Gniffke? Ministerpräsident Winfried Kretschmann lässt mit einer Äußerung aufhorchen.

Bis zuletzt saßen die Kandidaten am Telefon, versuchten in einigen Treffen die entscheidenden Menschen auf ihre Seite zu bringen. Doch die Wahl des neuen SWR-Chefs an diesem Donnerstagvormittag ist so offen wie nur möglich. 74 Rundfunk- und 18 Verwaltungsräte entscheiden, ob Stefanie Schneider oder Kai Gniffke neuer Intendant wird. Die Landessenderchefin und der Chefredakteur von ARD-aktuell waren bereits am Mittwochabend gefordert. Drei Interessensgruppen luden ein: Gniffke sprach in einem Sitzungssaal des Stuttgarter Funkhauses zu Rundfunk- und Verwaltungsräten, Schneider wenige Meter weiter in einem anderen Raum. Schon vorab ahnte einer der Teilnehmer: „Die Diskussionsfreude ist gewachsen, das geht bis in die Puppen.“

Ärger beim SWR: „Die Stimmung ist mies“

Und doch ist nicht klar, ob der Nachfolger von Intendant Peter Boudgoust an diesem Donnerstag feststeht. Zum Sieg braucht ein Kandidat die Mehrheit der Gesamtstimmen. Zudem muss jeweils mindestens die Hälfte der Wählenden aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für den Kandidaten votieren. Zwei Wahlgänge sind möglich, ein dritter könnte frühestens in sechs Wochen stattfinden. Ob es auf Anhieb gelingt? „50:50“, sagt ein Rundfunkrat.

Dass nur zwei Kandidaten zur Wahl stehen, sorgt beim Sender noch heute für Ärger. Nach dem Vorschlag einer Findungskommission entschieden die Rundfunk- und Verwaltungsräte, dass nur Gniffke und Schneider zur Wahl stehen – die Bewerber Clemens Bratzler und Andreas Cichowicz schieden damit vorzeitig aus, Jan Büttner zog seine Kandidatur verärgert zurück. „Die Stimmung ist mies“, sagt ein Rundfunkrat. In dieser Gemengelage zeichnet sich kein Favorit ab. „Nicht mal eine Tendenz“, sagt ein Verwaltungsrat.
Schneider, 57, baut auf Erfahrung im eigenen Haus. Die Sindelfingerin hat als Programmmanagerin und Wellenchefin bei SWR4 gearbeitet, ihre Arbeit als Landessenderchefin wird von einigen als erfolgreich bezeichnet. Dafür gibt es Bedenken aus Rheinland-Pfalz, Schneider sei zu stark auf Baden-Württemberg fokussiert. Sie sprach zuletzt daher vor allem mit diesen Rundfunk- und Verwaltungsräten, während Gniffke eher in Baden-Württemberg aufholen wollte.

Stefanie Schneider
Kandidaten für die Wahl zum SWR-Intendanten: Stefanie Schneider. | Foto: Annette Riedl, dpa

Für Gniffke, 58, sprechen vor allem seine Bekanntheit als Chefredakteur von ARD-aktuell sowie seine gute Vernetzung innerhalb der ARD. Der Frankfurter hat zudem eine SWR-Vergangenheit: als Reporter und landespolitischer Korrespondent in Rheinland-Pfalz. Viele rechnen ihm an, dass er sich emotionalen Debatten erfolgreich gestellt hat – etwa, als er mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey gegenüber AfD-Anhängern die freie Berichterstattung verteidigte.

Kandidat für die Wahl zum SWR-Intendanten: Kai Gniffke. | Foto: NDR

Vor der Intendantenwahl wird auch über Einflüsse aus den Ministerien gesprochen. „In Mainz ist was passiert“, ist sich ein Rundfunkrat sicher. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bevorzuge eine Frau im höchsten SWR-Amt – ihr Büro dementiert Äußerungen dazu.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) betonte, beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei Staatsferne angesagt. Es sei aber „allgemeiner Konsens, dass wir Führungsämter stärker mit Frauen besetzen wollen.“ Komme man fachlich zu identischen Einschätzungen, solle man grundsätzlich der Frau im Kandidatenkreis den Vorzug geben. „Ich erteile aber keine Anweisungen, was da gewählt werden soll.“

Gespräch zwischen Gniffke und Schneider

Schneider könnte die erste weibliche SWR-Spitze werden. Das gilt für manche Wählende als Anreiz, andere betonen, dass dies kein Argument sein sollte. Oft wird gefordert, der neue Intendant müsse die baden-württembergischen und rheinland-pfälzischen Seiten des SWR endlich einen. Eine Einigung gibt es vorab: Gniffke und Schneider sollen bereits über die Zeit nach der Wahl (ab 10 Uhr live auf www.swraktuell.de) gesprochen haben. Der oder die Unterlegene soll keinen Nachteil haben. Schneider bliebe Landessenderchefin, Gniffke behielte seinen SWR-Vertrag.