Die Krone der Miss Germany möchte sich Jessica Bisceglia am 15. Februar nach dem Finale in der Europa-Park Arena in Rust aufsetzen.
Die Krone der Miss Germany möchte sich Jessica Bisceglia am 15. Februar nach dem Finale in der Europa-Park Arena in Rust aufsetzen. | Foto: Schultes

Pause im Handball

Ingenieurin Jessica Bisceglia aus Baden-Württemberg möchte „Miss Germany“ werden

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Sie ist Handballerin, Ingenieurin und Model: Jessica Bisceglia hat die Wahl zur „Miss Baden-Württemberg“ gewonnen und steht am 15. Februar im Finale um die Wahl zur „Miss Germany“. Für ihren großen Traum musste sie privat viele Abstriche machen – obwohl das Modeln vielleicht bald zum Nebenberuf wird.

Jessica Bisceglia wollte von dem ganzen Trubel nichts mitbekommen. An einem Tag im Dezember sollte sich entscheiden, wer Miss Baden-Württemberg wird. Die 27-jährige Schwarzwälderin war im Rennen, wollte aber in einem Outlet-Laden in Villingen in Ruhe arbeiten. „Das Handy war aus und meinem Chef habe ich gesagt, ich will nichts wissen“, sagt Bisceglia. Dann stand plötzlich Nadine Berneis im Laden. Blond, kleine Zahnlücke, Miss Germany.

Im Finale stehen 16 Landessiegerinnen

Andere träumen von einer Begegnung mit Taylor Swift oder Jürgen Klopp, Bisceglia bewundert Nadine Berneis. „Ich bin ein absoluter Fan von ihr.“ Wichtiger aber war Berneis’ Botschaft: Jessica, du bist Miss Baden-Württemberg. Als eine von 16 Landessiegerinnen kann Bisceglia am 15. Februar in Rust zur Miss Germany gewählt werden.

Bisceglia hat sich schon oft überlegt, wie es als Siegerin wäre: „Ich kenne die Wahlen in- und auswendig.“ Es wäre der Höhepunkt ihrer Model-Karriere. Vor zehn Jahren hat sie mit Fotos im Schwarzwälder Schnee angefangen und dann bald ihr erstes Geld mit dem Modeln verdient. Mittlerweile reist sie in der Welt herum, hat schon auf der Brooklyn Bridge in New York posiert, für Fotos Schmuck im Wert von 200.000 Euro oder ein 15.000-Euro-Kleid getragen.

Ich möchte wieder zurück in den Ingenieur-Beruf

Jessica Bisceglia

Doch die große Welt von Glanz und Glamour soll im Februar enden – entweder 2020 oder nach einem Jahr als Miss Germany im Jahr 2021. „Ich möchte wieder zurück in den Ingenieur-Beruf“, sagt Bisceglia. Die 27-Jährige hat molekulare und technische Medizin studiert und möchte in der Medizintechnik arbeiten. „Ich will Menschen auf irgendeine Art und Weise helfen“, sagt sie.

Modeln bald nur noch ihr Nebenjob?

Bevor Modeln zum Nebenjob wird, möchte sich Bisceglia die Krone aufsetzen. Ende Januar geht es für die Kandidatinnen für eine Woche nach Ägypten, sie werden in Knigge oder Social Media geschult. Das mögliche Jahr als Miss Germany wird schon einmal für jede Kandidatin persönlich ausgearbeitet.

Bisceglia könnte ihr Hobby Handball zum Thema zu machen, möchte sich aber auch für Frauen einsetzen. „Frauen als Ingenieure gibt es nicht oft – ich sage aber: Hört nicht auf andere. Macht das, was euch glücklich macht.“

Gut, dass das Format mit der Zeit geht.

Jessica Bisceglia

Die Veranstalter setzen auf Authentizität, ein starkes Frauenbild, Persönlichkeit, den Auftritt in sozialen Medien. Die Zeiten, in denen die Frauen halb nackt posierten und der Wettbewerb als „Fleischbeschau“ kritisiert wurde, sollen vorbei sein. „Gut, dass das Format mit der Zeit geht“, sagt Bisceglia.

Auch ihr Partner ist bekannt und viel unterwegs

Die neue Ausrichtung kommt ihr entgegen. Die 27-Jährige arbeitet auch als Social-Media-Managerin. Auf Instagram lässt sie über 11.000 Fans an ihrem Privatleben teilhaben. Bisceglia ist mit dem deutschen Top-Ringer Peter Öhler liiert. Zu Kämpfen hat sie den 27-Jährigen schon bis nach Kasachstan begleitet. „Jetzt bin aber mal nicht ich sein Fan, sondern es ist anders herum.“ Beide sind viel unterwegs. „Wir sehen uns nicht so oft wie andere Paare“, sagt Bisceglia.

Im Finale in Rust wird Öhler ebenso dabei sein wie 40 weitere Freunde und Verwandte der 27-Jährigen. Von Miss Germany hat sie sich berichten lassen: „Es gibt kein schöneres Gefühl, als auf der Bühne zu stehen und deine Familie zu sehen.“

Neben Peter Öhler und dem Modeln liebt Bisceglia auch ihre Heimat: Trossingen im Schwarzwald. Trossingen ist stolz auf seine Musikhochschule und auf sein Museum mit echten Dinosaurier-Knochen. Eine Miss Germany würde das 15.000-Einwohner-Städtchen noch bekannter machen. Bei der Online-Abstimmung konnte sich Bisceglia auf die Trossinger verlassen – sie landete ganz vorne. „Es ist ein schönes Gefühl, zu sehen, wer einen unterstützt“, sagt sie.

Handball-Pause aus Angst vor Verletzungen

Auch auf ihren Handballverein, die HSG-Baar, konnte Bisceglia bei der Online-Abstimmung bauen. Die Außenspielerin sitzt derzeit aber lieber auf der Bank, als sich auf dem Feld in Zweikämpfe zu stürzen. Verschrammte Knie können Fotografen mit Photoshop verschönern – die Gefahr einer Verletzung wäre aber zu groß.

Wir dürfen komplett wir selbst sein, es gibt kein Drehbuch.

Jessica Bisceglia

Bisceglia mag im Handball vor allem die Abwehrarbeit. Im Wettstreit mit ihren Konkurrentinnen kann sie nur in die Offensive gehen. „Man überlegt natürlich, wen man vorne sieht.“ Am Ende spielt die Einschätzung der Jury eine große Rolle. „Es sind auf jeden Fall tolle Mädels, ich freue mich auf alle. Wir dürfen komplett wir selbst sein, es gibt kein Drehbuch.“ Einen Zickenkrieg wie bei Germanys Next Topmodel gebe es da nicht. Bei dem Format würde sie gar nicht erst mitmachen, betont Bisceglia.

Eigentlich wollte sie sich aber auch als Miss Germany nicht bewerben. „Ich hatte Angst, vor Leuten zu stehen und zu sprechen.“ Ein glücklicher Zufall: In einem Seminar im Frühjahr 2019 sprach ein Motivations-Lehrer darüber, wie die Teilnehmer Ängste überwinden können. Danach bewarb sich Bisceglia. „Dabei hatte ich mich davor noch geärgert, dass ich wegen des Seminars die Miss-Germany-Wahl verpasse.“