KÄMPFERINNEN FÜR SELBSTLIEBE UND KÖRPERAKZEPTANZ: Caroline Hopp aus Heidelberg hat Frauen dazu aufgerufen, sich vor der Kamera zu zeigen, wie sie sind. Ohne Retouche und ohne Weichzeichner. | Foto: jennimachtfotos.de

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Kampagne für mehr Selbstliebe: Fotoausstellung in Germersheim

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Hängende Brüste, ein dicker Bauch oder eine krumme Nase – 90 Prozent aller Frauen haben ein Problem mit ihrem Körper und scheuen sich, ihn anzunehmen und zu zeigen. Die Heidelberger Psychologin Caroline Hopp startete deshalb eine Kampagne, die unter dem Motto „Dein Körper ist genug“ zu mehr Selbstliebe verhelfen will. 21 Frauen trauten sich, ihre Körper nackt und unverstellt vor der Kamera zu zeigen. Die Fotos sind jetzt in Germersheim zu sehen.

Ihr Körper war Jules größter Feind. Fast ihr ganzes Leben lang vermied es die junge Frau, sich nackt im Spiegel zu betrachten. Sie hasste ihren Anblick auf Fotos und blieb Schwimmbädern und der Sauna fern. „Dass ich mich mal irgendwo in der freien Natur fast nackt fotografieren lasse, hätte ich nie gedacht“, sagt sie.

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Auf dem großformatigen Foto zeigt sich jetzt eine junge Frau, die selbstbewusst und voller Lebensfreude die Arme in die Luft streckt. Stolz zeigt sie einen Körper, wie man ihn in der Werbung oder in Model-Castingshows im Fernsehen nicht zu sehen bekommt.

Kein Six-Pack? Auch gut. Irgendeinen Makel gibt es immer, auch wenn andere den vielleicht gar nicht sehen. Foto: jennimachtfotos.de

Insta-Kampagne: #deinkoerperistgenug

„90 Prozent aller Frauen haben ein Problem mit ihrem Körper“, berichtet Caroline Hopp. Die Psychologin aus Heidelberg hat deshalb ein Projekt gestartet, das sich vorerst nur an ihre Geschlechtsgenossinnen wendet. „Dein Körper ist genug“, heißt die Aktion. Das Herzstück ist eine Fotoausstellung, die gerade durch das Land tourt. Nach einer ersten Station in Mannheim werden die Bilder ab 29. Februar im Kulturwerk am Weissenburger Tor in Germersheim ausgestellt.

Fotoaustellung zeigt normale Frauen

„Wir zeigen Fotos von ganz normalen Frauen. Nackt oder in Unterwäsche“, erklärt Caroline Hopp. Ohne Retusche, ohne Weichzeichner und ohne Filter. Frauenkörper, wie sie nun einmal sind: Mit Narben, Falten, Fettpolstern oder Cellulitis. Mit großen Brüsten, kleinen Brüsten – manchmal hängend, oft auch unsymmetrisch, flache Bäuche, dicke Bäuche, kurze Beine oder lange.

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„Die Natur ist vielfältig und Schönheit liegt in allen Dingen“, hat Swetlana Nowoshenowa aus Mannheim festgestellt. Von ihr und der Fotografin Jenny Siegel aus Graben-Neudorf stammen die Bilder.

Internet-Aufruf hatte Erfolg

Begonnen hatte alles im Internet. Auf einen Internet-Aufruf der Psychologin Hopp hin, hatten sich 34 Frauen gemeldet. Sie alle wollten ihre Körperscham überwinden und sich fotografieren lassen. Caroline Gugu aus Stuttgart ist eine von ihnen. Eine attraktive 28-Jährige mit einem Körpermaß weit jenseits von dem der Supermodels. Jahrelang fühlte sie sich in ihrer Haut nicht zu Hause. ,,Dann war ich noch mit einem Mann zusammen, der meinen Körper nicht geliebt hat“, sagt sie. Nach der Trennung war der 28-Jährigen klar, dass sie neben dem Schmerz über die zerbrochene Beziehung auch noch ein ganz anderes Problem zu bewältigen hatte: Wie könnte sie sich selbst annehmen? „In diesem Körperliebe-Entwicklungsprozess stieß ich auf das Projekt“, erinnert sich Caroline Gugu.

Positive Ausstrahlung ist für viele Teilnehmerinnen des Projekts ein willkommener Nebeneffekt. Foto: jennimachtfotos.de

Die ersten Momente  vor der Kamera waren schwierig

Die ersten Momente vor der Kamera waren für die meisten Teilnehmerinnen schwierig. Caroline Hopp weiß das aus eigener Erfahrung. Jahrelang war sie wegen einer Essstörung in Behandlung gewesen. Ihr selbst gesetztes Behandlungsziel: „Ich wollte meinen Körper so annehmen können, dass ich Aktbilder von mir selbst im Wohnzimmer aufhängen würde.“ Als es endlich so weit war, bemerkte sie, wie heilsam der Prozess für sie war.

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Von diesem Effekt berichten alle 21 Frauen, deren Bilder jetzt in der Ausstellung zu sehen sind. Zu jedem Foto gehört ein Text, den die Models selbst geschrieben haben und der ihr Verhältnis zu ihrem Körper reflektiert. Auch wenn die Worte andere sind, die Botschaft bleibt: Liebe Deinen Körper, der Rest kommt von selbst.

Raus aus dem Mangel

„Wir müssen raus aus diesem Gefühl, ständig im Mangel zu leben“, sagt Caroline Hopp. „Wir gehen mit uns selbst viel zu hart ins Gericht und daraus folgt, dass wir auch andere sehr kritisch betrachten“, sagt Caroline Hopp. „Je geringer unser Selbstbild, desto strenger ist unser Blick auf andere“, ergänzt Caroline Gugu. Sie hat gelernt, ihrem Ex-Freund zu verzeihen. „Ich weiß heute, dass er mich so niedergemacht hat, weil er selbst nicht mit sich klar kam.“

Selbstliebe ist der Schlüssel

Selbstliebe ist nach Ansicht der Psychologin Hopp der Schlüssel zu einem zufriedeneren Leben und einer Gesellschaft, die nicht nur auf Äußerlichkeiten schaut. Doch der Leistungs- und Selbstoptimierungsdruck steigt, verstärkt durch die Sozialen Medien. „Es wäre schön, wenn wir irgendwann mal zu einem akzeptierenden Miteinander kämen und uns nicht ständig messen müssten“, sagt Hopp. „Stattdessen sind die Klatschblätter voll Häme über den ’Pannen-Po’ und ’Cellulitis-Faux-Pas’ der Stars.“

Buch und Podcast geplant

Ihr Projekt soll über die Ausstellung hinaus gehen. Auf Instagram ist sie unter #deinkoerperistgenug zu finden. Für Herbst ist ein Bildband geplant, außerdem arbeiten Hopp und Gugu an einem Podcast. „Dein Körper ist genug – ich wünsche mir, dass diese Botschaft in alle Köpfe kommt.“