Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kardinal Kasper
Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kardinal Kasper. | Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv

Früherer Bischof aus dem Land

Kardinal fordert bei Missbrauch unabhängige Kirchengerichte

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Rom/Stuttgart (dpa/lsw) – Der deutsche Kardinal Walter Kasper fordert bei der Aufarbeitung von Kindesmissbrauch unabhängige Gerichte innerhalb der katholischen Kirche. «Man muss in jeder Diözese Ansprechpartner haben, an die man sich wenden kann, Verwaltungsgerichte, wo man sich beschweren kann, wenn nichts geschieht», sagte er der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten» (Samstag). «Natürlich muss sich auch jemand, der als Täter angeklagt wird, beschweren können. Dazu braucht es unabhängige Verwaltungsgerichte, die nicht nur von Klerikern besetzt sein sollten.»

Kommende Woche beginnt im Vatikan ein Gipfeltreffen zum Thema Missbrauch. Kasper sieht Deutschland bei der Aufarbeitung im Vergleich zu anderen Ländern weit fortgeschritten. Er erhoffe sich von der Konferenz im Vatikan, «dass das Schwerwiegende dieser ganzen Sache bewusst gemacht wird», sagte der frühere Bischof von Rottenburg-Stuttgart. «Das ist in Deutschland praktisch schon der Fall, wie auch in den Vereinigten Staaten oder in Irland. Aber die Welt ist größer, und es gibt Regionen, in denen nur wenig Bewusstsein für das Thema Missbrauch vorhanden ist.»

Gleichzeitig dämpfte er die Erwartungen an den Gipfel, der am Donnerstag beginnt. «Ein Treffen dieser Art ist ein Novum. Dieses Treffen ist ein wichtiger Schritt, auf dem man zwar nicht alle Erwartungen abladen sollte, der aber ein Ausgangspunkt ist, von dem aus man sehen muss, wie man weitergeht.»