Die mutmaßlichen Autoschieber müssen sich vor dem Karlsruher Landgericht verantworten. | Foto: Joerg Donecker

Prozess am Landgericht

Aus der U-Haft: Autoschieber ließ Karlsruher Staatsanwälte bedrohen

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Ein in U-Haft sitzender, mutmaßlicher Autoschieber hat offenbar aus der Zelle heraus einen Schlägertrupp angeheuert, um einen Staatsawanwalt und eine Staatsanwältin in Karlsruhe einzuschüchtern. Auch der Tochter einer Mitangeklagten ließ er körperliche Gewalt androhen.

Von Ekart Kinkel

Bekannt wurden die Details im Rahmen der Hauptverhandlung gegen drei mutmaßliche Mitglieder einer Autoschieberbande, die derzeit vor dem Karlsruher Landgericht stattfindet.

Zeuge habe Einschüchterungsversuche bestätigt

Im Vorfeld des mittlerweile vierten Verhandlungstages hatte das Landgericht die Sicherheitsvorkehrungen am Einlass verschärfen lassen und die Zahl des Sicherheitspersonals erhöht. Grund dafür sind ein halbes Dutzend ziemlich martialisch auftretender Prozessbesucher, die offenbar zum Bekanntenkreis der Angeklagten gehören.

Ihre Anwesenheit gewinnt besondere Brisanz angesichts eines Sachverhaltes, den der Vorsitzende Richter am vierten Prozesstag schilderte. Demnach habe der 34-jährige Hauptangeklagte nämlich bereits aus der U-Haft heraus mehrere Personen angeworben, um die Tochter der 47 Jahre alten Mitangeklagten sowie einen Staatsanwalt und eine Staatsanwältin unter Androhung von körperlicher Gewalt einzuschüchtern. „Die Staatsanwaltschaft hat einen Mann vernommen, der diesen Verdacht bestätigt hat“, erklärte der Richter.

Autoteile im Wert von 2 Millionen Euro verkauft

Der 34-jährige Libanese und dessen 37 Jahre alter Bruder müssen sich gemeinsam mit der 47-jährigen Slowakin wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie gewerbsmäßiger Bandenhehlerei mit gestohlenen Autos und Geldwäsche vor Gericht verantworten.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe hatten die drei Angeklagten zwischen September 2016 und November 2018 gemeinsam mit weiteren Bandenmitgliedern geklaute Autoteile im Wert von über zwei Millionen Euro verkauft.

Bühler Stadtteil wohl ein Schauplatz des Geschehens

Organisiert worden sein sollen die Straftaten im Autohaus des 37-jährigen Angeklagten im Bühler Stadtteil Vimbuch. Aus Polen wurde dann die Verschiffung der Autoteile in den Libanon und die Vereinigten Arabischen Emirate in die Wege geleitet.

Am 21. August wird die Verhandlung mit einem sogenannten Schiebetermin zur Überbrückung der Sommerpause fortgesetzt. Bis Ende des Jahres sind noch über 20 Verhandlungstage angesetzt.