Erzbischof Stephan Burger in Freiburg
Erzbischof Stephan Burger spricht nach einer Pressekonferenz zu den Journalisten. | Foto: Patrick Seeger/Archiv

Freiburg

Katholiken fordern Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch

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Die Katholiken in der Erzdiözese Freiburg haben die Bistumsleitung zu einer glaubhaften Aufarbeitung des jahrelangen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen aufgefordert. Bei vielen Engagierten sei das Vertrauen in die Kirche geschwunden, viele hätten sie wegen dieser Verbrechen verlassen, teilte der Diözesanrat am Samstag mit. Das Laiengremium kümmert sich um die Interessen der Katholiken in der Öffentlichkeit.

«Viele trauen der Kirche nicht mehr zu, sich diesen Verbrechen zu stellen und eine Aufarbeitung der Missbrauchsfälle ehrlich anzugehen, um vor allem den Opfern endlich Gerechtigkeit zukommen zu lassen.» Das sagte die Vorsitzende des Diözesanrates, Martina Kastner, der Mitteilung zufolge.

Auch im Erzbistum Freiburg gab es Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester und andere Geistliche. Nach Angaben eines Sprechers geht es um 442 Opfer und 190 Beschuldigte seit 1946. Unter Leitung von Erzbischof Stephan Burger soll eine Kommission die Fälle aufarbeiten. Dabei geht es auch darum, wie Missbrauch künftig verhindert und die Kirche wieder zu einem sicheren Ort werden kann.

Für das Laiengremium forderte Kastner, dass sich nun wirklich etwas ändere in der Kirche. «Ansonsten wird es für diese Kirche keine Zukunft mehr geben und alle Bemühungen, sie zukunftsfähig gestalten zu wollen, werden zunichte gemacht», sagte sie. Das Erzbistum Freiburg gehört mit rund 1,9 Millionen Katholiken zu den großen der 27 Diözesen in Deutschland. Der Diözesanrat war am Freitag und Samstag in Freiburg zu seiner siebten Vollversammlung zusammengekommen.

Erzbischof Burger hatte davor mitgeteilt, es sei höchste Zeit für einen Perspektivwechsel und für eine Haltungsänderung: «Es darf in der Kirche keine Machtausübung geben, die nicht dem Nächsten, die nicht den Schwächsten dient.» Burger hatte sich kürzlich für das Verhalten seiner Vorgänger und der Verantwortlichen in der Bistumsleitung im Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche entschuldigt und Missbrauchsopfern ein persönliches Gespräch angeboten. (dpa/lsw)