Pfarrbeauftragte Bärbel Bloching
Bärbel Bloching, Pfarrbeauftragte der St. Johann Baptist Gemeinde in Obersulm, kommt aus der St. Johann Baptist Kirche. | Foto: Edith Geuppert

Im Kreis Heilbronn

Bloching: Weibliche Führungskraft der katholischen Kirche

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Obersulm/Freiburg (dpa/lsw) – Bärbel Bloching predigt häufig. Damit fällt sie wenig auf: Im evangelisch geprägten Heilbronner Umland sind Frauen als Kirchen-Protagonistinnen nichts Ungewöhnliches. Aber Bloching ist keine Protestantin, sondern Pfarrbeauftragte der katholischen Kirchengemeinde St. Johann Baptist Affaltrach in Obersulm (Kreis Heilbronn). Sie leitet als eine von drei Laien in der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart eine Kirchengemeinde – und sie ist die einzige Frau von ihnen. Sie hat somit in ganz Baden-Württemberg eine Sonderstellung. In der Erzdiözese Freiburg, der anderen der zwei katholischen Diözesen im Südwesten, gibt es keine Frau, die eine Kirchengemeinde oder Pfarrei leitet.

«Meine Gemeinde ist sehr stolz auf dieses Modell», sagt die 56 Jahre alte Mutter von drei Kindern, und fügt hinzu: «In mehrheitlich katholischen Gebieten wäre das vielleicht noch anders.» Als es in Obersulm an einem Pfarrer fehlte, stand eine Fusion der ohnehin schon großen Kirchengemeinde mit Nachbarn zur Debatte. Doch die Katholiken in Obersulm wollten lieber eine Frau in einer Leitungsfunktion statt einer riesigen Seelsorgeeinheit anzugehören. «Die haben dieses Modell sehr unterstützt», sagt Bloching. Vor ihrer Ernennung 2018 arbeitete die Theologin dort bereits mehr als 20 Jahre als Pastoralreferentin.

Also befürwortete auch Bischof Gebhard Fürst den Wunsch – unter der Voraussetzung, dass ein Priester aus der Nachbarschaft als formaler Vorgesetzter der Gemeinde-Chefin fungiert. Anwesend in Obersulm ist jener Blochings Angaben nach so gut wie nicht. Sie entscheidet über Personalfragen im gemeindeeigenen Kindergärten und über den Etat, feiert Gottesdienste – nur Eucharistie und Sakramente bleiben einem Pfarrvikar vorbehalten.

Bloching versteht sich nicht als aktive Kämpferin für das Frauenpriesteramt. Zumindest aber die Zulassung zum Diakonat hält sie für einen unabdingbaren Schritt: «Sonst sind wir als Kirche irgendwann nicht mehr glaubwürdig.»

In der Erzdiözese Freiburg werden Kirchengemeinden und Pfarreien ausschließlich von Pfarrern und damit von Männern geleitet. In den sogenannten Seelsorgeteams der Pfarreien, die gemeinsam mit dem Pfarrer die Seelsorge organisieren und gestalten, sind aber sehr viele qualifizierte Frauen vertreten, sagt der Freiburger Erzbischof Stephan Burger.

«Grundsätzlich legt die Erzdiözese Wert darauf, Frauen in Führungspositionen zu fördern», sagt Burger. Dies stoße aber dort an Grenzen, wo eine Weihe für ein Amt und die damit verbundene Führungsposition vorausgesetzt wird. «Die entsprechenden Bestimmungen gelten für die gesamte katholische Kirche, weshalb die Erzdiözese hier keine eigenen Regelungen schaffen kann», sagt Burger.

Spitzenpositionen in der Verwaltung besetze die Erzdiözese Freiburg seit einigen Jahren aber verstärkt mit Frauen. Sie habe damit gute Erfahrungen gemacht und werde den Weg daher fortsetzen, sagte Burger.