Krähen suchen sich am 14.12.2016 in München (Bayern) kurz nach Sonnenuntergang Schlafplätze auf einem Baum.
Keine Lieblinge der Bauern: Ein Schwarm Krähen fliegt von hier nach da. | Foto: Sven Hoppe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Nicht jedermanns Freund

Konflikt um Krähen nimmt in vergangenen Jahren zu

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Zwischen Krähenfans und -gegnern versuchte die damalige Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg schon in den 1980er Jahren zu vermitteln.

Von unserem Mitarbeiter Ulf Vogler und Sebastian Raviol

„Viele Wissenschaftler haben sich bemüht, die Nützlichkeit der Saatkrähe zu beweisen, und ebensoviele haben nachweisen wollen, dass Saatkrähen doch Schäden anrichten“, hieß es damals in einem Leitfaden der Behörde, der ein Zusammenleben von Mensch und Krähe fördern sollte. Der Konflikt hielt sich – und nahm in den vergangenen Jahren sogar noch zu. Viele Menschen betrachten die Tiere eher argwöhnisch.

Warum Krähen nicht jedermanns Freund sind

Manche Landwirte fürchten, dass die zu dieser Vogelfamilie gehörenden Saatkrähen die Keimlinge von den Äckern picken. In Ortschaften klagen Menschen über die Verschmutzung oder die Geräusche der Tiere – oftmals ist von „Krähenplage“ die Rede. „Wir wissen, dass die Landwirtschaft massive Probleme mit der Saatkrähe hat“, sagt Isabel Kling.

Rabenkrähen sind harmlos

Die Sprecherin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz betont, man müsse zwischen Saat- und Rabenkrähen unterscheiden. „Mit Rabenkrähen gibt es in der Landwirtschaft nur ganz vereinzelt Probleme.“ Laut der aktuellen Roten Liste der Brutvögel Baden-Württembergs gab es im Zeitraum von 2005 bis 2011 bei den Rabenkrähen 90.000 bis 100.000 Brutpaare.

Saatkrähen nehmen zu

Im gleichen Zeitraum sind für die Saatkrähe 8.000 bis 8.500 Brutpaare angegeben. Demnach hat der Bestand von 1985 bis 2009 um mehr als 50 Prozent zugenommen. „Aktuelle Zahlen weisen darauf hin, dass die Saatkrähe in den vergangenen fünf Jahren weiterhin zugenommen hat, bei der Rabenkrähe deutet sich ein leicht negativer Trend an“, teilt eine Sprecherin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg auf BNN-Anfrage mit.

Name Saatkrähe führt zu Missverständnissen

Mitunter führt der Konflikt mit der Landwirtschaft zu gruseligen Szenen. So hatte 2016 ein Bauer bei Langerringen im Landkreis Augsburg tote Krähen an einem Galgen aufgehängt, um Artgenossen von seinem Acker zu vertreiben. Ein Sprecher vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern sprach damals bei der Art der Zurschaustellung der toten Tiere von „Frevel“. Uta Maria Jürgens, Sprecherin der Bundesarbeitsgruppe Rabenvogelschutz im Nabu (Naturschutzbund Deutschland), kann solche Aktionen ebenfalls nicht verstehen. „Der Name der Saatkrähe ist das erste Vorurteil“, sagt sie.

Saatkrähen fressen Schädlinge

Die Rabenvögel würden zwar auch Saat fressen, vorzugsweise aber schädliche Insekten auf den Feldern suchen. Davon könne der Landwirt sogar noch profitieren. Krähenkenner weisen darauf hin, dass sich die Vögel sowieso kaum vergrämen lassen. Die Rabenvögel werden als sehr intelligent beschrieben. Selbst der Deutsche Bauernverband sieht die Krähen nicht mehr als ein wesentliches Problem der Landwirtschaft an. Der Naturschutzbund Deutschland geht bei der Saatkrähe von bundesweit etwa 80.000 bis 89.000 Paaren aus.

Kommunen werden Vögel nicht los

Expertin Uta Maria Jürgens rechnet damit, dass nun der „Sättigungseffekt“ eintritt, ein ähnlich starker weiterer Anstieg sei nicht zu erwarten. Doch mittlerweile zieht es die Tiere zunehmend in die Städte, wohl weil sie auf dem Land kaum noch gute Lebensräume vorfinden. Dann gibt es Beschwerden, wenn die Vögel sich in den Parks oder auf Spielplätzen niederlassen. Etliche Städte haben bereits versucht, die Rabenvögel wieder zu vertreiben. Die Liste der Maßnahmen ist lang: Bäume werden gefällt, die Feuerwehr spritzt vor der Brutzeit die Nester aus den Kronen, akustische Vogelscheuchen und Böller machen Lärm oder Falken werden ins Revier geschickt. Doch viele Kommunen geben wieder auf, denn: Kaum eine Maßnahme sei nachhaltig erfolgreich, betont das bayerische Umwelt-Landesamt.

Mehr, statt weniger Vögel

„Im Gegenteil, in vielen Gemeinden kam es zu einer Vermehrung der Kolonien“, heißt es in einem Konzeptpapier zum Umgang mit Saatkrähen. Durch die Störungen spalteten sich die Vogelgruppen auf. „Dadurch werden Probleme, die an einem Koloniestandort gebündelt waren, nun auf mehrere Standorte verteilt, oft verbunden mit einer Zunahme der Gesamtzahl der Brutpaare“, heißt es weiter in dem Konzeptpapier.