Michael Blume
Michael Blume, der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, stützt sich auf sein Kinn. | Foto: Marijan Murat/Archiv

Herbstsynode in Baden

Landesbeauftragter warnt in Bad-Herrenalb: Antisemitismus bedroht alle

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Staat, Kirche und Bürger müssen aus Sicht des Antisemitismus-Beauftragten des Landes, Michael Blume, gemeinsam gegen Hass, Rassismus und Menschenverachtung aufstehen.

„Viele haben, so meine ich, noch immer nicht verstanden, dass der Antisemitismus nicht nur Jüdinnen und Juden bedroht, sondern unsere gesamte Gesellschaft“, sagte Blume am Montag in einem Vortrag bei der Herbstsynode der Evangelischen Landeskirche in Baden in Bad Herrenalb, Kreis Calw.

Schicksal der Gesellschaft

Antisemitismus stelle das gesamte Zusammenleben in Frage. Antisemiten würden auch freie Medien, Migranten, demokratische Parteien, Homosexuelle, ethnische und religiöse Minderheiten angreifen. Der Kampf dagegen schütze so nicht nur die rund 9000 Mitglieder jüdischer Gemeinden, sondern alle 11 Millionen Menschen im Land. Es gehe um nicht weniger als um das Schicksal der Gesellschaft und der Kirchen. Alter Hass komme nun aus neuen und digitalen Medien, meinte Blume.

Keinen Rassismus dulden

Drei Anschläge in Ulm auf die Synagoge, eine Moschee und das Israelfenster des Münsters zeigten, dass der Antisemitismus alle Glaubensgemeinschaften verachte und zerstören wolle, meinte Blume. Die Menschen müssten insgesamt stärker zusammenstehen und dürften keinen Rassismus und keine Menschenverachtung dulden, mahnte er. Der evangelische Religions- und Politikwissenschaftler Blume ist mit einer Muslimin verheiratet.

Zeichen setzen

Die bis Donnerstag dauernde Herbstsynode in Bad Herrenalb (Kreis Calw) will Mitte der Woche eine Erklärung gegen Antisemitismus verabschieden. «Wir wollen damit ein Zeichen setzen», sagte Synodalpräsident Axel Wermke. Mit Sorge betrachte er Proteste gegen Ausländer wie in Chemnitz Ende August, wiederholte Angriffe auf Restaurants und auch das Erstarken der AfD. Außerdem beraten die 76 Synodalen über Themen wie die kirchliche Friedensarbeit sowie die strategische Steuerung der Landeskirche.

(dpa/ lsw)