Einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Kirche hat der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh.
Einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Kirche hat der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. | Foto: jodo

Profil nicht genug geschärft

Landesbischof möchte Kirchen-Eintritte verdoppeln

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Eine Autopanne hat Jochen Cornelius-Bundschuh länger nachdenken lassen. Nichts ging mehr voran mit seinem Wagen. Der „Gelbe Engel“ vom ADAC kam, half unentgeltlich – und das ganz ohne Mitgliedschaft. Der badische Landesbischof fühlte sich an seine Kirche erinnert. Immer weniger Menschen wollen sich an die Kirche binden, sind aber froh über deren Leistungen, etwa bei Trauerfällen.

Frustriert wirkte Cornelius-Bundschuh beim Jahresgespräch beim Evangelischen Oberkirchenrat aber nicht. Dabei blickte er auf eine Untersuchung mit düsteren Ergebnissen zurück. Die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland sinkt laut einer Studie der Universität Freiburg bis zum Jahr 2060 um die Hälfte, auch in Baden.

So ganz überraschend seien die Zahlen für ihn nicht gewesen, sagte Cornelius-Bundschuh. Statt 1,1 Millionen evangelischer Kirchenmitglieder in Baden nur noch 600. 000 – keine Überraschung? Schon in den Achtzigerjahren habe es eine ähnliche Projektion gegeben, sagte der Landesbischof.

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Kirche setzt auf persönliche Kommunikation

Auch bei der Schlussfolgerung aus den Negativ-Zahlen nimmt Cornelius-Bundschuh eine unübliche Haltung ein. Während viele Kirchenvertreter krampfhaft auf die Austritte (in Baden 2018: rund 12. 000) blicken, weist er auf die eintretenden Menschen hin. Im vergangenen Jahr haben sich etwa 1. 000 Protestanten der badischen Landeskirche angeschlossen. „Das können wir verdoppeln“, sagte Cornelius-Bundschuh. „Dafür sind in der modernen Gesellschaft neue Klänge angesagt.“ Die badische Landeskirche setzt vor allem auf eine persönlichere Kommunikation. Zu den Kirchenwahlen Anfang Dezember gab es für wählende Protestanten Anschreiben, die Motive waren je nach Altersgruppe unterschiedliche.

Erstmals konnten zur Kirchenwahl 16-jährige Kandidaten gewählt werden. 35 junge Menschen wurden ins Amt gewählt. „Wenn man ihnen Raum geben möchte, muss man manche Abläufe erneuern“, mahnte Cornelius-Bundschuh.

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Gemeindehäuser werden verkleinert

Auch in der Infrastruktur wird sich die Landeskirche verändern: „Wir gehen auf 30 Prozent weniger Gebäude zu.“ Gemeindehäuser würden verkleinert oder direkt an Kirchen gebaut. „Das führt oft erst zu Konflikten, aber meistens sind die Menschen vor Ort hinterher zufriedener.“

In den evangelischen Kindertagesstätten soll sich auch etwas verbessern: „Wir haben das evangelische Profil dort nicht genügend gestärkt.“ Dafür soll ab Januar in Pforzheim der interreligiöse Weg beginnen. „Irenicus“, die erste multireligiöse Kita Deutschlands, soll dann öffnen. „Wir sind sehr stark interessiert, den gesellschaftlichen Konflikt um Religion vor Ort anzugehen“, sagt Cornelius-Bundschuh.

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