Ministerpräsident Kretschmann
Die Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht die baden-württembergischen Mundarten bedroht und will gegensteuern. | Foto: Christoph Schmidt/Archiv

Bedrohte Mundarten

Ministerpräsident Kretschmann macht sich für Dialekte stark

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Die Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht die baden-württembergischen Mundarten bedroht und will gegensteuern.

Mit einer Tagung will sie unter Leitung Kretschmanns eine Art Bestandsaufnahme vornehmen und herausfinden, wie weit das Schwäbische, das Alemannische und das Fränkische schon aus der gesprochenen Sprache verschwunden sind.

Ortsdialekte könnten aussterben

Immer weniger Kinder sprächen den Dialekt ihrer Eltern, die Ortsdialekte drohten auszusterben, heißt es in der Ankündigung der Tagung „Daheim schwätzen die Leut‘ – Gegenwart und Zukunft der baden-württembergischen Dialekte“, die am Freitag stattfinden soll. Thema ist auch, wie der Gebrauch der Dialekte im Land gestärkt werden kann.

Möglichkeit der sozialen Integration

Kretschmann sagte im dpa-Interview: „Meine Familie floh aus Ostpreußen. Zu Hause habe ich Hochdeutsch und außerhalb Schwäbisch gesprochen – als erstes Kind der Familie.»“Für ihn als Kind sei der Dialekt eine wunderbare Möglichkeit der sozialen Integration gewesen. „Diese Erfahrung von Zugehörigkeit und Heimat verbinde ich bis heute mit dem Schwäbischen.“

Keine Liebeserklärungen

Der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ sagte er, Schwäbisch sei eine wunderbare Sprache mit vielen Stärken – „wenn auch nicht unbedingt dafür geeignet, seiner Liebsten eine pathetische Liebeserklärung zu machen.“ Mundartsprecher müssten mehr Selbstbewusstsein zeigen: „Wir müssen aufhören, anderswo in der Welt immer nur vom ‚Ländle‘ zu reden.“

Dodokay tritt auf

Neben einer Rede des Ministerpräsidenten, selbst aktiver Schwäbisch-Sprecher, stehen Diskussionsrunden zu einzelnen Themen und Fachvorträge auf dem Programm. Bei einem Podiumsgespräch mit dem Regierungschef und Vertretern aus Wissenschaft, Schule, Kultur und Medien sollen die Chancen für das Überleben der Mundart ausgelotet werden. Der Comedian Dodokay will für gut schwäbische Unterhaltung sorgen.

(dpa/ lsw)