Winfried Kretschmann
Nun ist es raus: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann strebt eine dritte Amtszeit an. | Foto: Sebastian Gollnow/Archivbild

Landtagswahl 2021

Kretschmann macht weiter: Badische Abgeordnete loben seine Arbeit

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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will bei der Landtagswahl 2021 erneut antreten. Der Landesverband der Grünen verbreitete am Donnerstag per Twitter einen entsprechenden Brief Kretschmanns „an die Bürgerinnen und Bürger“. Die hiesigen Abgeordnete in der Region begrüßen die Entscheidung.

„Ich werde wieder meinen Hut in den Ring werfen“, sagte Kretschmann am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. Aus seiner Partei habe er nur den Wunsch gehört, weiter zu machen. Trotz aller guten Ratschläge müsse man am Ende die Entscheidung selbst treffen, sagte er. Das Alter sei nicht das entscheidende Kriterium. Wichtig sei vielmehr die Frage, ob man noch neugierig genug sei. Dies sei der Fall. Er fühle sich fit. Zuvor wurde über seine Zukunftspläne viel spekuliert.

Menschen Orientierung geben

Aus der Partei habe er ausschließlich den Wunsch wahrgenommen, erneut anzutreten, in seiner Familie sei das Votum differenzierter gewesen. Zur Begründung seiner Entscheidung sagte der Regierungschef, es sei angesichts der großen Transformationsprozesse wie Klimawandel und Digitalisierung wichtig, den Menschen Orientierung zu geben. Mit „Erfahrung, Mut und Entschlossenheit“ wolle er weiterarbeiten. Herausforderin Susanne Eisenmann von der CDU bezeichnete er als respekable Konkurrentin und Gegnerin.

In dem Brief „an die Bürgerinnen und Bürger“ schreibt der 71-Jährige: „Ich habe mich dafür entschieden, mich bei der kommenden Landtagswahl erneut um das Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg zu bewerben.“

Mehr zum Thema: Kretschmann bleibt beliebtester Ministerpräsident

Kretschmann ist seit 2011 der erste und bislang einzige grüne Ministerpräsident eines Bundeslandes und genießt hohe Beliebtheitswerte in der Bevölkerung. Seit 2016 regiert er mit einer grün-schwarzen Koalition – davor gab es ein grün-rotes Bündnis.

Die Grünen Landesvorsitzenden Sandras Detzer und Oliver Hildenbrand äußerten sich erleichtert über Kretschmanns Entscheidung. Dies sei ein guter Tag für das Land. Kretschmann sei der beliebteste Ministerpräsident von Deutschland.

2016 waren die Grünen mit ihm an der Spitze als stärkste Kraft aus der Landtagswahl hervorgegangen. Sie holten 30,3 Prozent. Die CDU landete mit 27 Prozent auf dem zweiten Platz.

Optimismus aus Karlsruhe

Von den Landtagsabgeordneten aus der Region kommt vor allem Freude über die Verkündung des 71-Jährigen. Ute Leidig aus Karlsruhe war sich nicht hundertprozentig sicher, wie Kretschmanns Entscheidung ausfallen würde. Überrascht über seinen erneuten Antritts-Willen sei sie aber auch nicht. „Ich freue mich sehr“, so Leidig: „In diesen Zeiten brauchen wir Politiker wie ihn.“

Landtagsabgeordnete Ute Leidig (GRÜNE).
Landtagsabgeordnete Ute Leidig (Grüne). | Foto: Hora

Er ist einfach noch so interessiert.

Ute Leidig, Landtagsabgeordnete aus Karlsruhe, zu Kretschmanns Beweggründen

Die Landtagsabgeordnete für die Fächerstadt ist optimistisch, was die Chancen für eine Wiederwahl betreffen. Ein Selbstläufer werde es aber nicht. Leidig betont, wie wichtig es für die Grünen sei, durch das Stellen des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg jegliche Vorurteile, die Partei könne nicht regieren, ab absurdum geführt zu haben.

Ihr Kollege Alexander Salomon, der ebenfalls für Karlsruhe im Landtag sitzt, unterstreicht, wie bedeutend es sei, dass die Grünen in einem industriell starken Land wie Baden-Württemberg zeigten, dass Klimaschutz und Wirtschaft vereinbar seien. Generell sei das Thema Klima eines gewesen, bei dem Kretschmann in den vergangenen Monaten merklich noch einmal aufgeblüht sei. Auch das ließ Salomon vermuten, dass der Landesvater es 2021 noch einmal wissen will.

Ökologie und Ökonomie zusammenbringen

Von einer Entscheidung für das Land spricht die Landtagsabgeordnete Andrea Schwarz aus Bretten. Kretschmann sei sich einfach seiner Verantwortung bewusst. „In Zeiten des Klimawandels brauchen wir eine ökologische Transformation der Wirtschaft. Winfried Kretschmann ist der Garant dafür, dass Ökologie und Ökonomie zusammengedacht werden und erhält dafür bundesweit Anerkennung“, so die Abgeordnete aus Oberderdingen.

Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Schwarz (Mitte). | Foto: Stein

Der richtige Mann zur richtigen Zeit.

Andrea Schwarz, Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Bretten

„Wir haben in den letzten acht Jahren viel für Baden-Württemberg erreicht und viele wichtige Projekte angestoßen, gerade bei der Energie- und Mobilitätswende. Dennoch liegt ein weiter Weg vor uns. Gerade auch in Zeiten des aufkeimenden Rechtspopulismus ist Winfried Kretschmann der richtige Mann zur richtigen Zeit, um unsere liberale Demokratie zu stärken,“ so Schwarz. Denn ihm liege neben dem Thema Klima vor allem der Zusammenhalt der Gesellschaft sehr am Herzen.

Er hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Stefanie Seemann, Abgeordnete für den Wahlkreis Enz

Die Fraktion habe Kretschmann in seine Entscheidung nicht mit einbezogen, wie die Grünen-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Enz, Stefanie Seemann, erzählt. Alle hätten stark darauf gehofft, dass er ein weiteres Mal antritt. Ihrer Meinung nach wird die Klimakrise in ihrer Bedeutung oft nicht so wahrgenommen. Baden-Württemberg sei dabei in einer wichtigen Vorreiter-Rolle.

Keine Frage des Alters

Ein Problem ob des fortgeschrittenen Alters Kretschmanns sehen die Abgeordneten nicht. „Gehen Sie mal mit ihm wandern“, scherzt Schwarz: „Ich dachte: Das gibt’s doch nicht!“ Alexander Salomon aus Karlsruhe fordert, dass das Alter nicht mehr als Manko angesehen werden dürfe: „Ich sehe darin kein Problem.“

Im Vergleich zu Adenauer ist er geradezu jugendlich.

Die Landtagsabgeordnete Barbara Saebel aus Ettlingen verweist auf Konrad Adenauer, der erst im Alter von 73 Jahren Bundeskanzler wurde.

Das glaubt auch Thomas Hentschel, Grünen-Landtagsabgeordneter für Rastatt: Man müsse sich der Verantwortung bewusst sein und es wollen. Eine dritte Amtszeit Kretschmanns täte dem Land seiner Meinung nach gut: „Wenn man einen Politikwechsel einleiten will, reichen ein paar Monate oder Jahre nicht aus.“ Vor der Entscheidung des Landesvaters habe er große Hochachtung.

„Ich wüsste nicht, wer geeigneter wäre“, meint Barbara Saebel, Abgeordnete aus Ettlingen. Sie verweist auf die großen Herausforderungen, vor denen man stehe und auf Kretschmanns gesellschaftliche Akzeptanz und meint: „Er konnte fast nicht anders, als weiterzumachen.“

CDU-Spitzenkandidatin nicht überrascht

Die CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann zeigt sich nicht überrascht: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt mit einem anderen Gegenkandidaten als Winfried Kretschmann gerechnet. Wir freuen uns auf einen fairen und in der Sache harten Wettbewerb. Baden-Württemberg steht in zentralen Politikbereichen wie der Klima-, der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik vor großen Herausforderungen und die Bürger erwarten, dass wir die Weichen für die Zukunft richtig stellen und handeln.“

Grüne wollen Posten des Ministerpräsidenten verteidigen

2021 wollen die Grünen den Ministerpräsidentenposten verteidigen – vor allem gegen die CDU, die in Baden-Württemberg selber wieder den Regierungschef stellen möchte. Für die Christdemokraten zieht Kultusministerin Susanne Eisenmann als Spitzenkandidatin in den Landtagswahlkampf.

Kretschmann tat sich mit der Entscheidung einer erneuten Spitzenkandidatur nicht leicht. Immer wieder verwies er in den vergangenen Monaten darauf, dass er zum Zeitpunkt der nächsten Landtagswahl 72 Jahre alt sein werde. Andererseits haben es die Grünen versäumt, einen Nachfolger für Kretschmann aufzubauen. Hätte Kretschmann seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklärt, hätten die Grünen unter Zeitdruck einen Nachfolger suchen und aufbauen müssen.

Auf unserer Facebookseite wurde auch rege diskutiert. Für Dieter Klotz beispielsweise war es bereits im Vorfeld klar. Er schrieb via Facebook: „Gab’s da Zweifel? Dem ‚Ländle‘ sein Konrad Adenauer“. Und für Corina Urban  „grünt es weiter“.


Mit Material von dpa