In unserer Serie mit Mundartbetrachtungen geht es heute um Dinge, die im Frühjahr angesagt sind wie "butze", "uffräume/Uffrume" und den "Eierkuche", der auch eine übertragene Bedeutung hat. | Foto: Hora

Mundart-Serie

Butzlumbe un Eierkuche

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In der Zeit zwischen Frühlingsanfang und Ostern muss man nicht mehr warten, dass es nauszus geht, wie man mundartlich in Baden jene Phase zwischen Winter und Erwachen der Natur bezeichnet. Das Leben in dunklerer Jahreszeit hatte man satt, ab März drängt es die Menschen wieder hinaus, also nauszus. Und selbst wer dafür wenig Zeit hat, lässt frische Luft herein durch die Fenster. Die vielleicht dringend geputzt werden müssten. Und nicht nur wegen ein paar Dobsern, also Flecken durch Berührung mit Händen.
Sonne und viel mehr Grün überall wecken Lebens- wie Putzgeister.

Weg mit dem Gschbraddel

Im Friehjohr sind sauwermache un uffräume angesagt. Oder suwermache un uffrume in Mittelbaden mit alemannischem Dialekt. Noch weiter südlich im Schwarzwald wird „sauber“ dann zu sufer. Johann Peter Hebel schrieb die bekannten Verse über Freiburg im Breisgau: Z Friburg in der Stadt, suufer ischs und glatt. Das Wörtchen glatt steht dabei für „angenehm.“
Auf dem Land oder in Stadthäusern mit Grünanteil wird jetzt der Gaarde gricht. Empfehlenswert ist der Blick in den Schopf (den Schuppen) und den Keller. Da sind beispielsweise Spinnehuddle oder –huddel zu beseitigen, die Spinnweben. Gut möglich, dass sich zuviel Unnötiges angesammelt hat in den Lagerstätten. Dinge, die einfach zu viel Raum beanspruchen oder durcheinander herumliegen, also das überflüssige Gschbrattel, im Alemannischen auch Geschpratt, in der Bedeutung Durcheinander.

Griff zu Butzlappe und Butzlumbe

In Wohnräumen schiebt man noch emsiger als sonst den Staubsauger in die Ecken, lässt den Saugroboter herumfahren und schwingt Microfasertücher. Das Badische Wörterbuch, erster Band 1925/40, unterscheidet noch zwischen Butzlappe (zum Abstauben oder Abwischen) und Butzlumbe (für nass gemachte Flächen, wie etwa den Fußboden). Zum Butzlumbe brauchte man noch einen (alemannischen) Strupfer, also den Strubber mit Bürste und Stil.

Sprichwörtlicher Brunnebutzer

In der Reinigungsbranche muss früher eine Tätigkeit besondere Ausdauer und Härte erfordert haben. Schließlich lobt man heute noch jemanden, der enorm fleißig arbeitet mit der Redewendung Der hat gschafft wie en Brunnebutzer. Das Gegenteil lässt sich so ausdrücken: Der isch net aus Schaffhause. Ein Wortspiel, das nicht darauf zurückgeht, dass die Bewohner des Schweizer Kantons am Hochrhein faul wären. Scherzhaftes mit Lob vermischt steckt hinter der Wendung Der strahlt wie en frisch gebutzte Dreckeimer. (Wobei der „Eimer“ in Rastatt zum Oimer wird, in anderen Orten zum Emer und in der Kurpfalz teilweise zum Omr.) Butze, also putzen, hat auch die Bedeutungen stutzen, abschneiden, entschuppen. Selbst der Weihnachtsbaum kann in Baden gebutzt werden, dann wird er nämlich geschmückt.

Wenn es „nauszus“ gegangen ist, also das Frühjahr erreicht, wird der Garten auf Vordermann gebracht. Und im Haus flieg altes „Gschbrattel“ raus. Zeichnung: Dorothee Mahnkopf | Foto: Dorothee Mahnkopf

Achtung beim Aprillebutze

Wer nun so viel übers mundartliche Saubermachen gelernt hat, der könnte beim Wort Aprillebutze auf die Idee kommen, das sei ein Dialektwort für den Frühjahrsputz. Sozusagen die Übersetzung. Da hat die Sprache aber wieder einen Vielfaltstreich gespielt:
Ein Butze ist in diesem Fall ein plötzlicher Regenschauer, wie er im April häufiger auftaucht. Und der ist wiederum nicht zu verwechseln mit dem Apfel- oder Ebfl-Butze, dem Überrest des verspeisten Apfels. In Weingartens lokalem Wörterbuch findet sich Die hot de Butze gmerkt mit der Bedeutung „Sie weiß, worauf es ankommt“. An manchen Dialektausdrücken in Baden kann man sich wirklich die hochdeutschen Zähne ausbeißen.

Zwai waiche Aier in ainere Raih

Das gilt sogar für kleinste harmlose Wörtchen. Ei und Eier, die an Oschtere eine ganz besondere Rolle spielen, haben in Baden und manchmal von Ort zu Ort verschiedene mundartliche Färbungen. Man hört ein langes Äi mancherorts in der nördlichen Ortenau oder kurzes Ai im mittleren Schwarzwald.  Die oier  sind in Staffort anzutreffen. Und eine sprachliche Visitenkarte von typischen Karlsruhern ist bekanntlich der Satz: Zwai waiche Aier in ainere Raih.
De Oschderhaas ist nicht nur ein legendäres Tier. De Oschderhaas kriege auch Kinder. So nennt man jedenfalls die Übergabe von Geschenken an sie zum Frühjahrsfest. Aus dem Kraichgau ist diese Wendung überliefert: E Ai mecht e Gschrei. Wie soll das kleine Ei Lärm machen? Es sind natürlich die Hühner, die das tun. Und wo Hühner gehalten werden, gibt’s unter Nachbarn eher Ärger und Geschrei.

Die hen en Eierkuche

Wenn genau die gegenteilige Atmosphäre herrscht, drückt sich das ebenfalls mit einem Ei-Produkt aus: Verstehen sich Leute, die nicht verwandt sind, besonders gut, stecken sie oft die Köpfe zusammen und sind ein Herz und eine Seele – dann sagen andere Die hen en Eierkuche.
Aus Lebenserfahrung weiß man, dass zu große Nähe mit der Zeit Probleme bringen kann. Wenn sich die einst so gut verstehenden Nachbarn wieder distanziert begegnen, kommentieren Beobachter genüsslich: Der Eierkuche isch gfresse. Fürs Ostermenü fällt er dann also schon mal aus.

Den ersten Teil unserer Mundartserie finden Sie hier

Über den Instagram-Account der BNN findet man die genaue Aussprache von typischen Dialektworten aus Karlsruhe und Baden: https://www.instagram.com/badische_neueste_nachrichten/

 

Zu den Heimattagen Baden-Württemberg in Karlsruhe hat das Filmboard Karlsruhe eine Videoclipreihe zu badischen Mundartausdrücken produziert.