Prozess
Eine Puppe liegt am Straßenrand. | Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv

Tatvorwürfe nicht bewiesen

Mutter bricht nach Freispruch im Missbrauchsprozess zusammen

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Im Prozess gegen eine Mutter wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs ihres geistig leicht behinderten Sohnes ist die Frau bei der Verkündung ihres Freispruchs zusammengebrochen. Der Vorsitzende Richter des Amtsgerichts Aalen ordnete daraufhin am Donnerstag eine Unterbrechung der Sitzung an. Die Frau erholte sich nach kurzer Zeit. Ihr Blutzucker sei wohl plötzlich stark gefallen, sagte sie.

Richter Martin Reuff begründete den Freispruch «in diesem außergewöhnlichen Fall» unter anderem damit, dass die Tatvorwürfe gegen die heute 42 Jahre alte Frau nicht in hinreichendem Maße bewiesen worden seien. Zuvor hatten die Anklagevertretung und die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Staatsanwalt Uwe Karst räumte ein, die der Mutter vorgeworfenen sexuellen Handlungen seien nicht zweifelsfrei nachweisbar (Aktenzeichen 1Ls 16 Js 1105/16).

Rechtsanwalt Peter Hubel warf dem heute 18-jährigen Sohn in seinem Plädoyer vor, er habe in seiner belastenden Aussage gegen die Mutter bei einer Video-Vernehmung gelogen. Der seinerzeit 16-Jährige habe damit erreichen wollen, dass die ungeliebte Mutter keinen Kontakt mehr zu ihm haben darf. Der junge Mann hatte angegeben, bereits im Alter von drei Jahren sexuell missbraucht worden zu sein. Zudem sei er als Zwölfjähriger von der Mutter gefesselt und vergewaltigt worden. Aufgrund seiner Angaben hatten das Jugendamt und ein Lehrer Anzeige erstattet.

(dpa/lsw)