DA GAB ES NOCH SCHNEE: Wintersportfans waren 2018/19 zwei Monate auf Tour; sie machten rund fünf Prozent der Nationalparkgäste aus, wie die erste wissenschaftliche Zählung ergab. In dieser Saison spielte Wintersport mangels Schnee keine Rolle. Foto: Schick

Besuchermonitoring

Vor allem Wanderer sind im Nationalpark Schwarzwald unterwegs – jährlich 778.000 Besucher

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Wie zählt man Menschen, die ein großes Gebiet besuchen? Vor dieser Aufgabe stand das Team des Nationalparks Schwarzwald, das nach zahlreichen Anfragen endlich belastbare Zahlen vorlegen wollte. Dominik Rüede, Experte für Besuchermonitoring im Nationalpark, holte sich mit Professor Fabian Krüger Hilfe von der Uni Heidelberg.

Gestartet wurde ein zweijähriges Projekt, gezählt wurde vom 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019. Nach der wissenschaftlichen Auswertung geht man nun von einer jährlichen Besucherzahl von 778.000 im Mittel aus – je nach Ansatz bedeutet das eine Bandbreite von mindestens 741.000 bis maximal 847.000 Besuchern, die jährlich zum Schutzgebiet kommen.

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Daten der Zählschranken sowie Helferzählungen genutzt

Zwei unterschiedliche Datensätze wurden erhoben und später zusammengebracht: Einerseits Zählschrankendaten, die ganzjährig erhoben werden, und andererseits großflächige Zählungen, ausgeführt von Helfern:

  • am 14. Oktober 2018 mit 72 Zählpunkte
  • am 20. Januar 2019 mit 34 Zählpunkten

Bewusst wurde die traditionell hohe Herbst – und dann die Winternutzung gewählt, so der Sozialwissenschaftler Rüede. Im Nachhinein habe sich herausgestellt dass der Oktobertermin mit 8.948 Gästen der besucherstärkste Tag im Pilotjahr, und der Januartermin mit 6.627 Gästen der besucherstärkste Tag der „Langlaufsaison“ war. An diesen beiden Tagen waren es mehr als zwei Prozent der Gesamtbesucherzahl.

ES WIRD GEZÄHLT: Auch Dominik Rüede zeigte sich im Wald aktiv. Foto: Schick

Mit Daten können Dienstpläne verbessert werden

Wissenschaftlich werden alle Zahlen natürlich mit bestimmten Faktoren belegt, zudem wurden 48 Szenarien durchgerechnet, sodass am Ende gesicherte Daten vorliegen, erläutert Rüede. Mit Blick auf die Gesamtbesucherzahl waren im Untersuchungszeitraum als Wanderer unterwegs 85,2 Prozent der Gäste (663.000), als Radfahrer 9,8 Prozent (76.000) – und die restlichen Besucher waren im Winter Langläufer oder Schneeschuhgänger.

Können wir gut über die Ziele und Schutzzwecke des Nationalparks informieren.

Charly Ebel, Leiter Fachbereich Besucherinformation

Das Ergebnis der Untersuchung hat natürlich ganz praktische Folgen, zumal auch gezählt wurde, wohin die meisten Besucher gehen. „Damit können wir unsere Angebote sowie Infrastruktur verbessern und weitere Maßnahmen zur Besucherlenkung entwickeln. Zudem können Dienstpläne der Rangerinnen und Ranger überarbeitet werden. „Wo viele Gäste unterwegs sind, können wir auch gut über die Ziele und Schutzzwecke des Nationalparks informieren“, heißt es von Charly Ebel, der den Fachbereich Besucherinformation leitet, mit Blick auf besonders beliebte Routen.

Vergleiche bei unterschiedlichen Zählmethoden schwierig

Ob die Zahlen mit anderen Nationalparks vergleichbar sind, das bezweifelt Rüede. Schließlich müsste die jeweilige Methodik übereinstimmen; Rüede erinnert daran, dass eine Studie aus dem Jahr 2015 von mehr als einer Million Besuchern für den Nationalpark Schwarzwald ausging. „Es kommt eben darauf an, wie gezählt wird“. Zudem seien die äußeren Rahmenbedingungen der verschiedenen Nationalparks sehr unterschiedlich – deren Größe, Geschichte, Umfeld und Angebote. Da seien Vergleiche schwierig.

Nächste Zählung nach Eröffnung des Nationalparkzentrums

Und wie geht es weiter? Geleistet wurde nun die Basiserhebung. Geplant ist, dass man die nächste große Zählung erst nach der Eröffnung des neuen Nationalparkzentrums angehen wird. Der große Aufwand rechtfertige nicht, dass man jährlich zähle – da sollte schon eine Veränderung passiert sein, die auch Auswirkungen auf die Zahlen habe, betont Rüede.

Bis dahin bleibt das Zählgerätenetz mit drei fest verbauten und zehn mobilen Geräten aktiv, die erfassten Daten werden ausgewertet. Doch zuvor gibt es immer eine Prüfung, ob die Zahlen plausibel sind. „Es könnte sich ja ein Käfer im Gerät eingenistet haben, sodass die ganze Zeit gezählt wird“.

 


Daten für optimale Besucherströme nutzen

Das sozialwissenschaftliche Team im Nationalpark beschäftigt sich unter anderem mit den Fragen, wie viele Besucher warum und wie den Nationalpark besuchen und mit welchen Eindrücken sie das Schutzgebiet wieder verlassen. Diese Daten fließen direkt in die Praxis zurück, zum Beispiel bei Entscheidungen, wie die Besucherströme sinnvoll gelenkt werden können.

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