Ohne Bienen wären wir Menschen arm dran. Wir müssten nicht nur auf Honig verzichten sondern auch auf Blumen, Obst und Gemüse. | Foto: dpa

Aktionstag von „proBiene“

Naturschützer sammeln Unterschriften für die Bienen

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Die Zukunftsaussichten für die Bienen sind düster: Mehr als die Hälfte der Wildbienenarten in Baden-Württemberg stehen auf der Roten Liste. Naturschützer wollen die Politik mit einem Volksbegehren zum Handeln zwingen. Ministerpräsident Kretschmann findet die Idee gut – unterschreibt aber trotzdem nicht.

Ein Bienenfreund ist der Ministerpräsident ja schon; vor sieben Jahren siedelte er an seinem Regierungssitz, der Stuttgarter Villa Reitzenstein, die fleißigen Insekten an. Seither erfreut sich Winfried Kretschmann am eigenen Honig. Gleichwohl kommt für den Regierungschef eine Unterschrift unter das Bienen- und Artenschutz-Volksbegehren nicht wirklich in Betracht. Schließlich stehe er ja für die Regierung, und die sei Adressatin des Vorhabens, erklärt der Premier. „Es wäre doch ein bisschen komisch, mich durch ein Volksbegehren selbst anzutreiben.“

Wir sind die Generation, die entscheiden muss, ob unsere Kinder und Enkel verschiedenste Arten von Bienen, Schmetterlingen, Amphibien, Reptilien, Fischen, Vögel, Kleinsäuger und Wildkräutern noch vorfinden.

Imkermeister David Gerstmeiner und proBiene-Geschäftsführer Tobias Miltenberger

Ab Sonntag wollen die Initiatoren des freien Forschungsinstituts „proBiene“ mit Unterstützung von Umweltverbänden wie Nabu und BUND sowie der Bewegung „Fridays for Future“ Unterschriften unter den Wahlberechtigten in Baden-Württemberg sammeln, damit das Volksbegehren zustande kommen kann. „Wir sind die Generation, die entscheiden muss, ob unsere Kinder und Enkel verschiedenste Arten von Bienen, Schmetterlingen, Amphibien, Reptilien, Fischen, Vögeln, Kleinsäugern und Wildkräutern noch vorfinden“, sagen Imkermeister David Gerstmeier und proBiene-Geschäftsführer Tobias Miltenberger.

Ohne Bienen bleiben die Regale leer
KLEIN ABER WICHTIG: Bienen sind nach Rindern und Schweinen die wichtigsten Nutztiere. Ohne sie gäbe es im Supermarkt nicht mal Tiefkühlpizza. | Foto: dpa

Kretschmann ist hin- und hergerissen

In der Frage, ob es in Baden-Württemberg ähnlich wie im Nachbarland Bayern tatsächlich ein Volksbegehren zum Schutz der Bienen braucht, ist Regierungschef Kretschmann hin- und hergerissen. Auf der einen Seite sei die grundsätzliche Haltung begrüßenswert, sich für Artenschutz und Biodiversität einzusetzen, sagt der Grüne. Auf der anderen Seite habe der Südwesten auf diesem Gebiet bereits sehr viel getan. Der Premier denkt dabei etwa an Bio-Musterregionen oder auch an ordnungspolitische Initiativen wie das Verbot von Düngern und Pflanzenschutzmitteln an Gewässerrandstreifen. Vor allem aber, so der Einwand Kretschmanns: Baden-Württemberg allein könne nicht wirklich viel ausrichten. Angesprochen sei vielmehr die gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union. Davon, dass sich auch jenseits öffentlichkeitswirksamer Aktionen einiges für den Artenschutz erreichen lässt, ist der Ministerpräsident überzeugt.


Unterstützung für Artenschutz wächst

Beeindruckt war er unlängst anlässlich eines Besuchs im Gaggenauer Daimler-Werk. Dort werde das Firmengelände nach ökologischen Gesichtspunkten zusammen mit ehrenamtlichen Naturschützern gestaltet. Ein solches Beispiel solle Schule machen, lautet Kretschmanns Rat. Das Volksbegehren um den Artenschutz zieht gleichwohl immer weitere Kreise. Mittlerweile haben mehr als 60 Verbände, Unternehmen und Vereine ihre Unterstützung erklärt; beim „Bienentag“ am Sonntag auf dem Züblin-Parkhaus in der Landeshauptstadt wird neben anderen auch die Karlsruher Finanzstaatssekretärin und promovierte Geoökologin Gisela Splett das Wort ergreifen.

Die Initiatoren des Volksbegehrens fordern 50 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2035; zugleich sollen 100 Prozent der Staatsflächen ökologisch bewirtschaftet werden. Bis 2025 müssen nach Ansicht der organisierten Artenschützer zudem die mit Pestiziden belasteten Flächen halbiert werden. Erweitert werden solle der Biotopverbund im Land, intensiviert sehen wollen die Artenschützer Forschung und Bildung zu ökologischer Landwirtschaft und Naturschutz. Jährlich müsse außerdem ein Bericht zur Artenvielfalt in Baden-Württemberg veröffentlicht werden.

Hälfte der Wildbienenarten auf der Roten Liste

Die Lage ist nach ihrer Einschätzung im Südwesten ähnlich prekär wie in Bayern: So steht von den 420 Wildbienenarten mehr als die Hälfte auf der Roten Liste. Aber auch Tiere wie Feldhamster und Rebhuhn seien gefährdet. Das nun beginnende Volksbegehren besteht aus einem mehrstufigen Verfahren: In einem ersten Schritt müssen die Initiatoren mindestens 10 .000 Unterstützungs-Unterschriften sowie einen konkreten Gesetzentwurf vorlegen. Danach startet das eigentliche Volksbegehren. Mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten von Baden-Württemberg – das sind derzeit etwa 680. 000 Personen – müssen dann per Unterschrift den vorgelegten Gesetzentwurf unterstützen. In diesem Fall muss die Landesregierung den Entwurf ohne Änderungen im Parlament behandeln. Wird er dort von den Abgeordneten abgelehnt, kommt es zum Volksentscheid.