Schulanfänger
Mit Schultüte ziehen schon Fünfjährige in Baden-Württemberg los. Wer bis 30. September sechs Jahre alt wird, ist schulpflichtig – daran will das Land festhalten. | Foto: Thomas Warnack/Archiv

Bereits 6.000 Stimmen

Online-Petition von Eltern: „Stoppt die Früheinschulung in Baden-Württemberg!“

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Auch wenn sie erst am 30. September ihren sechsten Geburtstag feiern, gilt für Kinder in Baden-Württemberg: Nach Ende der Sommerferien müssen sie eingeschult werden – obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch zarte fünf Jahre jung sind. Gegen diese Vorschrift proben Eltern jetzt den Aufstand.

„Stoppt die Früheinschulung in Baden-Württemberg!“ – unter diesem Motto haben Mütter und Väter eine Petition gestartet. Eine der rund 15 aktiven Mitstreiterinnen ist Alla Drachenberg. „Mein Sohn müsste nächstes Jahr auch mit fünf Jahren eingeschult werden“, sagt die Karlsruherin. „Es kann ja durchaus sein, dass er bis dahin schulreif ist, aber es geht uns darum, dass die Eltern über den Einschulungstermin entscheiden dürfen – und nicht allein die Schulleiter, die das Kind nur kurz kennenlernen.“

6.000 Unterschriften bereits gesammelt

Klare Forderung der Elterninitiative, die schon rund 6.000 Unterschriften gesammelt hat: „Wir wollen, dass der Stichtag der Einschulung auf den 30. Juni zurück verlegt wird.“ Bei Kindern, die erst nach diesem Termin sechs werden, sollten dann die Eltern entscheiden: Einschulen – oder noch ein Jahr warten? Derzeit gilt der 30. September als Stichtag. Und daran will Kultusministerin Susanne Eisenmann nicht rütteln, wie sie auf BNN-Anfrage erklärte: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass Eltern und Pädagogen verantwortungsbewusst mit der Entscheidung umgehen, wann für die Kinder der beste Zeitpunkt für die Einschulung ist.“

Studien zeigen Nachteile auf

Die protestierenden Eltern sorgen sich auch ums Seelenheil zarter und verspielter Kinder: Zahlreiche Studien hätten erwiesen, „dass eine zu frühe Einschulung nicht nur direkt sichtbare Nachteile wie Überforderung und Klassenwiederholung mit sich bringen können, sondern dass auch seelische Komponenten wie das Selbstbewusstsein negativ beeinflusst werden können“.

Es gibt einfach Kinder, die diesem Druck so früh nicht gewachsen sind

„Man sollte ihnen die Zeit geben, noch zu reifen.“ Aus Sicht der Eltern werden die emotionalen und sozialen Fähigkeiten der Kinder zu wenig berücksichtigt.

Psychologisches Gutachten stört Eltern

Das Kultusministerium widerspricht: Schulleiter bezögen auch Kita, Eltern und gegebenenfalls Gesundheitsamt und Beratungslehrer ein, wenn Familien eine spätere Einschulung beantragen. „Fast jedes zehnte Kind wird zurückgestellt“, betont Eisenmanns Sprecherin. Eltern wie Alla Drachenberg stört, dass sie dafür mitunter ein psychologisches Gutachten vorlegen müssen: „Dadurch werden die Kinder pathologisiert.“

Online-Petition: 21 000 Unterschriften wollen die Eltern sammeln und dann beim Landtag eine Petition einreichen. Teilnahme unter: openpetition.de/einschulungbawü.