Hohe Resonanz: Die Zuhörer lauschen interessiert dem Vortrag von Polizeioberkommissar Ralf Kaufmann. Er klärt sie auf über den Enkeltrick, Trickdiebstahl an der Haustür und ominöse Gewinnversprechen | Foto: König

Vortrag in Bühl

„Perfides Spiel“: Mit diesen Tricks betrügen Verbrecher Senioren

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„Enkel-Trick“, der „Falsche Polizist“ und mehr: Manche Gauner treiben perfide Spiele, um vor allem ältere Menschen um ihr Geld zu bringen. Polizeioberkommissar Ralf Kaufmann referiert beim DRK über Kriminalität gegen ältere Menschen.

Von unserer Mitarbeiterin Katrin König

Über das „perfide Spiel“, das manche Gauner treiben, um an Geld zu gelangen, referierte Polizeioberkommissar Ralf Kaufmann im Gebäude des DRK-Ortsverbandes Bühl-Achern. Zur sehr gut besuchten Veranstaltung unter dem Titel „Kriminalität gegen ältere Menschen“ – eine Kooperation des DRK, des Kreisseniorenrates Rastatt und des CDU-Stadtverbands Bühl – begrüßte Doris Schmith-Velten, die mit allen drei Institutionen verbunden ist.

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Die Betrüger seien so erfinderisch, dass nicht etwa nur „demente und tüttelige Senioren“ auf ihre Tricks hereinfielen, unterstrich sie. Dies bestätigte Kaufmann, der der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Offenburg angehört. Es gebe aber eine bestimmte Art der Kriminalität, die sich speziell gegen ältere Menschen richte. Dazu zähle der Trickdiebstahl, wie er per Kurzfilm verdeutlichte.

Darin täuscht eine Frau in einem Mehrfamilienhaus gegenüber einer Bewohnerin vor, deren Nachbarin nicht angetroffen zu haben und eine Nachricht hinterlassen zu wollen; sie bittet um Zettel und Stift. Die Seniorin gewährt ihr Eintritt, die beiden begeben sich in die Küche – und der Partner der „Besucherin“ schleicht sich in die geöffnete Wohnung, um nach Geld und Schmuck zu suchen.

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Das Vortäuschen einer Notlage, so Kaufmann, sei typisch. Es komme auch vor, dass jemand Blumen für die Nachbarn hinterlassen, das Telefon wegen eines Unfalls nutzen oder den Rauchmelder prüfen wolle. Andere gäben sich als Amtspersonen aus. Als Grundregel gelte: „Niemals Fremde in die Wohnung lassen!“ Hilfsbereitschaft könne ausgenutzt werden. Er riet etwa zur Installation eines Schlosses mit Sperrbügel, um prüfen zu können, wer vor der Tür stehe. „Von einem ‚Polizisten‘ können Sie den Dienstausweis verlangen“, betonte er, und demonstrierte, wie ein solcher ausschaut.

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Auch den „Enkeltrick“ beschrieb Kaufmann: „Jemand gibt sich am Telefon als Ihr Enkel aus.“ Der Einstieg erfolge meist durch Suggestivfragen: „Rate mal, wer am Telefon ist!“ Dann werde eine finanzielle Notlage vorgegaukelt, die es dringend zu lösen gelte. „Die Kriminellen wollen keine Zeit zum Nachdenken lassen.“ In einem erneuten Anruf, meist nach Rückkehr des Senioren von der Bank, erkläre der „Enkel“ dann, dass er selbst nicht vorbeikommen könne, aber einen guten Freund schicke. „Geben Sie niemals Geld an Unbekannte!“, riet Kaufmann. Wer sich traue, könne sich auf den Anrufer auch scheinbar einlassen, aber direkt die 110 anrufen und erst dann zur Bank gehen, damit der Täter gefasst werden könne. „Hilfeleistungen der Polizei sind kostenlos.“

Derzeit sind viele Telefonbetrüger aktiv

Als weitere „Masche“ nannte der Polizeioberkommissar Gewinnversprechen per Telefon oder Post: „Sie sind immer an Bedingungen geknüpft. Sie müssen zum Beispiel persönliche Daten nennen oder eine kostenpflichtige Nummer zurückrufen.“ Momentan registriere die Polizei eine massive Häufung von Telefonbetrügereien, weshalb er „rote Karten“ verteilte, die die Senioren zur Erinnerung am Telefon aufbewahren sollten. „Einfach ufflege!“, so sein Rat. Kaufmann gab auch Tipps: „Niemals Geld tauschen!“ Und: „Wertsachen gerade an stark frequentierten Orten am Körper tragen.“ Wohnungseinbrüchen könne man vorbeugen, indem man bei Abwesenheit die Haustür zweifach abschließe und per Zeitschaltuhr Licht brennen lasse. Zudem wies er auf die Möglichkeit einer Beratung beim Polizeipräsidium hin.