Passagierflugzeug
Immer mehr Menschen befällt beim Einstieg in den Flieger ein unangenehmes Gefühl - zumindest in Schweden. Dort gibt es schon seit einer Weile den Begriff "flygskam", der mit "Flugscham" übersetzt werden kann. | Foto: Silas Stein

Flugverzicht fürs Klima

Phänomen „Flugscham“: Wenn Fliegen Scham auslöst

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Immer mehr Menschen befällt beim Einstieg in den Flieger ein unangenehmes Gefühl – zumindest in Schweden. Dort gibt es schon seit einer Weile den Begriff „flygskam“, der mit „Flugscham“ übersetzt werden kann. Das Schamgefühl beim Fliegen macht sich aber allmählich auch in Deutschland breit.

Die Scham beim Fliegen hat ökologische Gründe. Wer „Flugscham“ verspürt, hat per Definition Skrupel ein Flugzeug zu benutzen, weil ihm der Klimaschutz am Herzen liegt. Die 16-jährige schwedische Klimaschützerin und Initiatorin der „Fridays for Future“ Greta Thunberg macht es vor: Sie reiste per Zug zum Weltwirtschaftsforum nach Davos und auch zum Klimagipfel nach Kattowitz. Nun scheint es, als würden es ihr immer mehr Menschen gleichtun und auf Flugreisen verzichten wollen. Wie eine Umfrage des Instituts Yougov ergab, wären 47 Prozent der Deutschen dazu bereit, zugunsten des Klimas auf Flugreisen zu verzichten.

Passagierzahlen am Baden-Airport bleiben stabil

Am Baden-Airport ist von einer zunehmenden „Flugscham“ jedoch bislang nichts zu bemerken. Wie der Flughafen am Freitag mitteilte, sind die Passagierzahlen im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von 0,7 Prozent sogar leicht gestiegen. Auffallen könnte lediglich, dass das Passagieraufkommen in den vergangenen Monaten im Vergleich zu den Vorjahren nur sehr langsam zuzunehmen scheint. Im März 2019 flogen am Baden-Airport demnach nur 1.486 Personen mehr ab als im März 2018. Die Steigerung von März 2017 auf März 2018 war mit 11.805 Passagieren noch deutlich markanter ausgefallen. Auch im März 2017 flogen 6.352 Personen mehr als im März 2016. Ob die „Flugscham“ an dem langsameren Wachstum der Passagierzahlen schuld ist, geht aus den Zahlen nicht hervor.

„Schafft ihr es, die Konsequenzen zu ziehen?“

Im Internet ist das Phänomen „Flugscham“ deutlich präsenter. Unter dem Hashtag #flugscham mehren sich in den sozialen Netzwerken auch die deutschen Stimmen, die sich gegen Flugreisen aussprechen. „Wenn wir das 1,5-Grad-Ziel einhalten wollen, dürfte jeder Mensch im Durchschnitt aber nicht viel mehr als eine einzige Tonne CO2 im Jahr produzieren“, heißt es beispielsweise auf dem Instagram-Account „parents4futureberlin“. „Schafft Ihr es, die Konsequenzen aus dieser Tatsache zu ziehen und auf Flugreisen zu verzichten?“

 

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Eine unbequeme Wahrheit: Flugreisen produzieren unglaublich viel CO2 und sind sehr klimaschädlich. So fallen bei einem einzigen transatlantischen Flug gleich mehrere Tonnen CO2 an. Wenn wir das 1,5-Grad-Ziel einhalten wollen, dürfte jeder Mensch im Durchschnitt aber nicht viel mehr als eine einzige Tonne CO2 im Jahr produzieren. Schafft Ihr es, die Konsequenzen aus dieser Tatsache zu ziehen und auf Flugreisen zu verzichten? Alternativen zum Fliegen sind z.B. Zugreisen, oder für die Arbeit: Videokonferenzen. Photo by @fraenz1s #Klimaschutz #fridaysforfuture #parentsforfuture #flugscham #climateaction #schulstreik #signsforfuture #climatestrike #climatechange #responsibletravel

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Erde erwärmt sich schneller

Aus einem Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC), der im vergangenen Jahr im Vorfeld der Klimakonferenz veröffentlicht wurde, geht hervor, dass sich die Erde schneller und mit ernsteren Folgen erwärmt, als angenommen. Wird die Erderwärmung nicht auf 1,5 Grad begrenzt, drohen dramatische Folgen für das Leben auf der Erde, so die Wissenschaftler. „Die kommenden Jahre sind vermutlich die wichtigsten in der Menschheitgeschichte“, stellte auch die IPCC-Wissenschaftlerin Debra Roberts klar. Die Erderwärmung auf die notwendigen 1,5 Grad zu begrenzen, sei jedoch zum aktuellen Zeitpunkt noch „technisch möglich“.

Flugzeug bleibt schmutzigstes Verkehrsmittel

Laut Umweltbundesamt (UBA) ist das Flugzeug nach wie vor das klimaschädlichste Verkehrsmittel. Eine Person verursache bei einem Flug von Deutschland auf die Malediven eine Klimawirkung von über fünf Tonnen an Treibhausgasen, rechnet das Amt auf seiner Website vor. Mit einem Mittelklassewagen könne man für die gleiche Menge Kohlenstoffdioxid etwa 25.000 Kilometer weit fahren.

Schweden sind Vielflieger

Im weltweiten Vergleich gehörten die Schweden bislang zu den Vielfliegern. Die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg berechnete, dass zwischen 1990 und 2017 die Emissionen durch Flüge pro Kopf in Schweden fünfmal so hoch wie im weltweiten Durchschnitt waren. Aber auch die Folgen des Klimawandels bekommen die Schweden deutlicher zu spüren als der Rest der Welt. Das Meteorologische Institut des Landes erklärte unlängst, dass die Temperatur in Schweden doppelt so schnell ansteige wie im globalen Durchschnitt. Als Gegenmaßnahme hat Schweden im vergangenen Jahr eine Klimasteuer auf Flüge eingeführt. Seither hat sich der Inlandsflugverkehr um mehr als drei Prozent verringert. Wie groß der Beitrag der „Flugscham“ am Rückgang der schwedischen Flugreisen ist, geht daraus allerdings nicht hervor.