Kernkraftwerk Philippsburg
Im Kampf gegen den Klimawandel hat Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) Überlegungen über eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke aufgegriffen, damit der Kohleausstieg schneller möglich ist. | Foto: Uli Deck/Archivbild

Vorschlag von CDU-Minister

Laufzeitverlängerung für Akw Philippsburg? – Verwunderte Reaktionen aus der Region

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Im Kampf gegen den Klimawandel hat Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) Überlegungen über eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke aufgegriffen, damit der Kohleausstieg schneller möglich ist. Dies hatte eine konservative Gruppierung von CDU und CSU, die Werteunion, zuvor bereits gefordert, war aber auf einhellige Ablehnung der Branche gestoßen.

Hauk regte an, zumindest darüber zu diskutieren, „ob wir zehn Jahre früher aus der Kohle aussteigen und die Braunkohleschleudern abschalten“.

Im Gegenzug könne die jüngste Generation der Kernkraftwerke – Neckarwestheim und Philippsburg – zehn Jahre länger am Netz gelassen werden. Das Atomkraftwerk Philippsburg produziert nur noch wenige Wochen Strom.

Verwunderte Reaktionen aus Philippsburg

„Alle Weichen sind auf Rückbau gestellt“, erklärt Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus (parteilos). Längst wächst auf dem Gelände des Atomkraftwerks der neue Konverter, der künftig dafür sorgt, dass Strom – auch Braunkohlestrom – aus dem Norden in den Süden transportiert werden kann.

„Ich halte Hauks Vorschlag für gesellschaftspolitisch nicht vertretbar“, so Martus. „Die Diskussion kommt einfach zu spät.“ Zugleich räumt er ein: Das Argument, mittels Atomenergie CO2-Einsparung zu betreiben, sei ihm schon lange bekannt. Allerdings gebe es im Bundestag einen fraktionsübergreifenden Konsens über den Ausstieg aus der Atomkraft

Auch Ulli Hockenberger, Landtagsabgeordneter der CDU für Bruchsal, zeigt sich vom Vorschlag seines Parteikollegen überrascht: „Alles ist auf Rückbau ausgelegt.“ Die freiwerdenden Flächen – etwa der beiden Kühltürme – würden für den neuen Konverter benötigt.

Alle Klimaziele der Bundes- und Landesregierung würden verfehlt

Hauk hatte zuvor den fehlenden Mut in der politischen Auseinandersetzung kritisiert: „Wir denken gar nicht darüber nach“, sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur.

„Für uns ist die Kernkraft abgeschlossen, das ist mental und politisch durch, und bei der Braunkohle hat man jetzt einen Kompromiss.“ Dies sei ein Fehler, denn alle Klimaziele der Bundesregierung und der grün-schwarzen Landesregierung würden verfehlt.

dpa/cz