Wegen der wirtschaftlichen Konsequenzen der Rheintalbahn-Sperrung gibt es jetzt einen Brandbrief.
Wegen der wirtschaftlichen Konsequenzen der Rheintalbahn-Sperrung gibt es jetzt einen Brandbrief. | Foto: Deck

Neues SEV-Konzept vorgestellt

Brandbrief wegen Rheintalbahn-Sperrung

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Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Sperrung der Rheintalstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden nehmen immer gravierendere Züge an: Vertreter der Bahnlogistik aus mehreren Ländern haben jetzt einen offenen Brandbrief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Violeta Bulc, EU-Kommissarin für Verkehr, geschrieben.

Kopien sollen unter anderem an Dobrindts Amtskollegen in Belgien, Schweiz und Italien gegangen sein. In dem Brief heißt es, dass die Güterbahnen auf den Umfahrungsstrecken in Deutschland, Frankreich und Österreich nur 25 Prozent des normalen Volumens bewältigen könnten. „Das System der europäischen Bahnlogistik steht vor dem Kollaps“, schreiben die Verfasser, zu denen etwa der Verkehrsclub Deutschland und die „Associazione Nazionale Imprese Trasporti Automobilistici“ aus Italien gehören.

Brandbrief warnt vor Werksstillständen

Unter anderem in der Wirtschaft und der Industrie entstünden Schäden in Milliardenhöhe. Betriebe seien „von Lieferausfällen und Produktionsstopps betroffen – sehr viele Werksstillstände stehen kurz bevor“. Als Gründe für die Misere nennt der Brief, dass es keine internationale Zusammenarbeit gebe – weder bei Baumaßnahmen noch beim Bewältigen von Krisen.

Zudem erschwerten nationale Besonderheiten im Bahnverkehr das Ausweichen auf Strecken in anderen Ländern. Die Verfasser fordern, auf EU- beziehungsweise Ministerebene eine Arbeitsgruppe sowie eine Sonderkommission zur zeitnahen Aufarbeitung der Sperrung der Rheintalbahn einzurichten. „Rastatt darf nie wieder passieren!“, heißt es gegen Ende des Briefs.

Das Bundesverkehrsministerium nahm keine Stellung zu dem Schreiben. „Wir tun unsererseits alles, um eine Entlastung herbeizuführen und mit den betroffenen Unternehmen Lösungen für Umleitungen einzurichten“, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB).

Bahn stellt Konzept für SEV in der Schulzeit vor

Außerdem veröffentlichte die DB ihr überarbeitetes Konzept für den Schienenersatzverkehr (SEV), da am nächsten Montag im Südwesten die Schule wieder beginnt. Nach Angaben einer Mitteilung sind vom 11. September an zu Spitzenzeiten bis zu 23 SEV-Busse im Einsatz. Zudem verkehren die Züge der Schwarzwaldbahn zwischen zwölf und 18 Uhr wieder im 30-Minuten-Takt.

Aufgrund des SEV fahren die Innenstadtlinien in Rastatt aber von anderen Bussteigen ab. Die Bahn bittet darum, die neue Beschilderung zu beachten. Schüler, die nach Baden-Baden fahren oder von dort kommen, müssen einen längeren Anfahrtsweg einplanen.

Schüler sollen verstärkt auf den Verkehr achten

Kinder, Jugendliche und Eltern sollten aufgrund der vielen Busse und Menschen vor dem Rastatter Bahnhof zudem „ein erhöhtes Augenmerk auf das Verkehrsgeschehen“ haben, schreibt die Bahn. Kunden mit Tickets für den Nahverkehr können zwischen der Barockstadt und Karlsruhe ohne Aufpreis auch Fernverkehrszüge nutzen.

Erarbeitet wurde das Konzept vom Bahn-Konzern gemeinsam mit der DB-Regio-Tochter Südwestbus und der Albtal Verkehrs Gesellschaft (AVG). Den Fahrgästen stünde auch nach den Sommerferien ein zuverlässiges Angebot zur Verfügung, wird Sven Hantel, Konzernbeauftragter für den Südwesten, in der DB-Mitteilung zitiert. Kunden müssten aber weiterhin „früher starten, um rechtzeitig ihre Arbeitsstätten oder Schulen zu erreichen“.