Mit Hochdruck arbeiten 20 Mann derzeit an der Betonplatte über der havarierten Tunnelbaustelle an der Rheintalbahn bei Rastatt-Niederbühl. Spätestens am 8. September soll die erste Platte mit einem Volumen von rund 1 100 Kubikmetern Beton fertig gegossen sein.
Mit Hochdruck arbeiten 20 Mann derzeit an der Betonplatte über der havarierten Tunnelbaustelle an der Rheintalbahn bei Rastatt-Niederbühl. Spätestens am 8. September soll die erste Platte mit einem Volumen von rund 1 100 Kubikmetern Beton fertig gegossen sein. | Foto: Collet

Zeitweise Sperrung bei Riegel

Nächster Ausfall auf der Rheintalbahn

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Reisende haben derzeit auf der Rheintalbahn nicht viel Grund zur Freude. Am Morgen des 7. September beschädigte ein Bagger bei Riegel am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen eine Oberleitung, weswegen vorübergehend keine Züge zwischen Freiburg und Offenburg fahren konnten. Unterdessen stellte die Deutsche Bahn (DB) auf der Baustelle bei Rastatt-Niederbühl ihre Fortschritte bezüglich der beiden Betonplatten vor.

Der Schaden am Bahnhof Riegel-Malterdingen ereignete sich nach Angaben der Bundespolizei morgens gegen sieben Uhr. Durch den verursachten Kurzschluss wurde ein ICE von Basel nach Baden-Baden beschädigt und blieb auf freier Strecke zwischen Riegel und Kenzingen stehen. Rund zwei Stunden später konnte er evakuiert werden, die gut 250 Passagiere wurden in einen anderen Zug gebracht, der aus Richtung Norden an die Stelle herangefahren war.

Bundespolizei: Evakuierung des ICE verlief reibungslos

„Das lief sehr reibungslos“, sagte eine Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein. Während der Sperrung der Strecke sei ein Schienenersatzverkehr (SEV) zwischen Kenzingen und Emmendingen eingerichtet gewesen. Gegen 9.30 Uhr konnte der Oberleitungsschaden behoben werden, von zehn Uhr an war die Strecke auf einem Gleis befahrbar, erklärte die Polizeisprecherin weiter.

Nachdem der beschädigte ICE abgeschleppt worden war, konnten die Züge wieder ohne Einschränkungen zwischen Freiburg und Offenburg verkehren. Dies war nach Angaben der Bundespolizei gegen 12.40 Uhr der Fall. Insgesamt kam es zu einer Verspätung von rund 23 Stunden. Allerdings mussten die Passagiere, die von Baden-Baden aus weiter in Richtung Norden fahren wollten, erneut in SEV-Busse umsteigen.

Rheintalbahn-Sperrung: Bahn hält an Termin fest

Grund dafür ist die bekannte Sperrung der Rheintalbahn zwischen der Kurstadt und Rastatt. Wie berichtet, soll die Unterbrechung noch einen Monat andauern. „An diesem Datum halten wir vollkommen fest“, erklärte Frank Roser, der für die Bahn als Projektabschnittsleiter beim Großprojekt Karlsruhe – Basel zuständig ist. „Unser Ziel bleibt, dass am 7. Oktober um 0.01 Uhr die Züge wieder rollen.“

Wie Roser bei dem Medientermin an der havarierten Tunnelbaustelle bei Niederbühl zeigte, schreiten die Arbeiten an der ersten Betonplatte zügig voran. Am 7. September um 6.30 Uhr sei damit begonnen worden, sie zu gießen. Der DB-Mann war optimistisch, dass die rund 100 Meter lange, zehn bis elf Meter breite und einen Meter starke Platte sogar noch am selben Tag fertiggestellt werden könnte, spätestens jedoch bis zum 8. September. Dann muss der Beton drei bis vier Wochen aushärten. „Sobald eine Grundfestigkeit erreicht ist, beginnen wir aber mit den Schotterarbeiten und der Verlegung der Gleise, so dass wir den Termin Anfang Oktober halten werden.“

Materialkosten von rund 870.00 Euro

Parallel haben bereits die Erdarbeiten für die zweite Betonplatte über der Weströhre begonnen, nächste Woche sollen die Stahlgitter eingebaut werden, Anfang übernächste Woche dann auch hier die Betonarbeiten beginnen. Die reinen Materialkosten für die beiden Platten belaufen sich groben Schätzungen zufolge auf 870.000 Euro. 20 Bauarbeiter sind allein mit deren Herstellung beschäftigt, wobei die Bahn weiter betont, der zweite Betonboden über der geplanten Weströhre sei rein „vorsorglich“. Über die Ursachen des Unglücks schweigt die Bahn sich weiter aus. „Wir befinden uns nach wie vor in der Ursachenfindung“, erklärte DB-Mann Roser gegenüber den Medien.

Betonlaster rollen durch Niederbühl

Es ist kein langer Medientermin, den die Bahn  in Niederbühl absolvierte: Doch allein in den knapp 45 Minuten, in denen der beschauliche Stadtteil wieder ins Zentrum des medialen Interesses rückte, fuhren mehrere Betonlaster durch die Ringstraße: 1 100 Kubikmeter Beton fließen über die langen Schwenkarme zweier Kräne in das Stahlgitter über der Unfallstelle – das sind rund 130 Fuhren von Betonmisch-Lastwagen, und zwar durch Niederbühl hindurch.

„Wir haben den Lastwagenfahrern Routen vorgegeben“, betonte DB-Projektabschnittsleiter Frank Roser. „Leider haben sich nicht alle daran gehalten, wie wir erfahren mussten.“ Die Bahn habe aber nochmals mit den Fahrern gesprochen, dass sie sich an die festgelegten Strecken halten sollen. „Wir wissen, dass das für die Anwohner eine große Belastung ist und sind daher wirklich erfreut, wie gut die Menschen mit der Situation umgehen“, fügte eine DB-Sprecherin an.

Wenige Meter von der ersten Betonplatte über der havarierten Oströhre ist ein Bagger schon dabei, Erde für die Platte auszuheben  über der geplanten Weströhre gegossen werden soll. Der hier anfallende Erdaushub wird über die Sportplatzseite abgefahren. Das wird sich allerdings ändern, wenn Anfang übernächster Woche mit den konkreten Betonarbeiten begonnen wird.

Sperrung der L 77 erst nach dem 7. Oktober

Laut Frank Roser befindet sich der intakte Tunnelbohrer „Sibylla Augusta“ derzeit rund 800 Meter vor dem geplanten Austritt an die Erdoberfläche. Bis zur Unterquerung der Rheintalbahn muss er noch 600 Meter zurücklegen. Auf dem Weg zur Landesstraße 77 ist noch ein Wartungsstopp eingeplant, bei dem ein Werkzeugwechsel gemacht werden soll. Die L 77 soll für die Unterquerung erst gesperrt werden, wenn der Zugverkehr auf der Rheintalbahn wieder rollen kann – also frühestens ab dem 7. Oktober.

Mehr Hilfen am Rastatter Bahnhof

Unterdessen erklärten weitere Vertreter der Bahn bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung in Rastatt, dass seit Donnerstag Einstiegshilfen und von Montag an zusätzliches Personal an den Bahnsteigen am Bahnhof der Barockstadt zur Verfügung stehen werden. Menschen mit Behinderung wird geraten, erst gar nicht bis Rastatt zu fahren, sondern sich in Baden-Baden oder Karlsruhe einen Taxigutschein bei der Bahn zu besorgen.