Der beschädigte Tunnelabschnitt in Rastatt ist Stabilisierung.
Auch umfangreiche Gleisarbeiten waren notwendig. | Foto: Collet

Röhre mit Beton gefüllt

Rheintalbahn: Tunnelabschnitt ist stabilisiert

Anzeige

Die Baustelle der Deutschen Bahn (DB) am beschädigten Tunnelabschnitt in Rastatt hat internationale Berühmtheit erlangt. Neben Kamerateams und Reportern schauen auch viele Bewohner der Barockstadt im Ortsteil Niederbühl vorbei, um über das rot-weiße Absperrband hinweg einen Blick auf die Vorgänge oberhalb der beschädigten Oströhre zu erhaschen.

Ein Besucher mutmaßte sogar, ob die Bahn vielleicht Eintritt nimmt, um die zusätzlichen Kosten etwas zu verringern, die durch blockierte Rheintalbahn entstehen. Auf der Baustelle konnte Jürgen Kölmel, Projektleiter der Bahn, einen Etappensieg verkünden: „Die Verfüllung des Tunnels ist abgeschlossen.“

Etwa 12.000 Kubikmeter Beton – inklusive des Pfropfens, durch den der intakte und der beschädigte Bereich der Röhre voneinander getrennt werden sollen – wurden in den Niederbühler Untergrund gepumpt. Der Tunnel soll jetzt stabilisiert sein.

Bewohner der evakuierten Häuser dürfen zurückkehren

Das hat für die Bewohner der vier Häuser, die die Bahn nach dem Absacken der Gleise am 12. August vorsichtshalber evakuiert hatte, positive Auswirkungen: Sie sollten nach DB-Angaben bereits am Freitag nach Hause zurückkehren dürfen.

Wenngleich die Freude vielleicht etwas getrübt ist: Aus dem Garten eines Hauses direkt an den Gleisen ist eine Art Baustellenausfahrt geworden. Dort stand am Freitag ein Lastwagen mit einer Gerätschaft, die eine sogenannte Rammkernsondierung durchführte. Nach Aussage von Projektleiter Kölmel wird damit die Stabilität des Bodens außerhalb der Röhre überprüft.

Die Arbeiten am beschädigten Tunnelabschnitt in Rastatt laufen auf Hochtouren.
Die Arbeiten am beschädigten Tunnelabschnitt in Rastatt laufen auf Hochtouren. | Foto: Collet

Rund 2.500 Tonnen Schotter und Erde sollen abgetragen werden

Zwei Spezial-Bagger sollen bis Samstag die Gleise in einem Bereich von rund 150 Metern demontiert haben – eine der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Trassen ist damit auch baulich vorübergehend gekappt.

Danach sollen laut Bahn rund 2.500 Tonnen Schotter und Erde abgetragen werden. „Der Großteil des Materialtransports und Abtransports erfolgt über die Westseite“, sagte Kölmel. Durch den Stadtteil Niederbühl soll somit möglichst kein Baustellenverkehr rollen.

Für den Aufbau der nach neuen DB-Angaben rund 100 Meter langen Betonplatte über der Oströhre sind rund drei Woche eingeplant – inklusive Aushärten. Nachdem im Anschluss die Gleisanlage wieder aufgebaut wird, soll vom 7. Oktober an der Personen- und Güterverkehr ohne Beeinträchtigungen über die Rheintalbahn zwischen Baden-Baden und Rastatt rattern können. Wie es danach konkret mit dem Bau der beiden Röhren weitergeht, konnte Projektleiter Kölmel nicht beantworten.

Schiedsverfahren nach Schaden im Tunnelabschnitt?

Unterdessen sagte ein Bahn-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur, der Konzern und die beteiligten Bauunternehmen hielten bei der Ursachenforschung nach der Tunnel-Havarie ein Schiedsverfahren für möglich.

Wenn die Untersuchung abgeschlossen sei, würden „die anknüpfenden Fragen wie zum Beispiel die etwaige Kompensation eines Schadens auch mit den Versicherungen zu diskutieren sein“. Die „Wirtschaftswoche“ hatte berichtet, dass sich die Bahn und die Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt rechtliche Optionen offen halten.

So berichtete BNN.de zuletzt über die blockierte Rheintalbahn: