Die Reparatur der Rheintalstrecke war ein Kraftakt der Bahn. Den Rastatter Tunnel hatte sie ursprünglich anders geplant.
Die Reparatur der Rheintalstrecke war ein Kraftakt der Bahn. Den Rastatter Tunnel hatte sie ursprünglich anders geplant. | Foto: Collet

Ende der Sperrung steht bevor

Rheintalbahn: Tunnelbau war anders geplant

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Der Bau des Rastatter Tunnels unterhalb der Rheintalstrecke ist von der Deutschen Bahn (DB) ursprünglich anders geplant gewesen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die den BNN in einer Vorabfassung vorliegt.

Darin heißt es: „Der Ausschreibungsentwurf sah die Unterfahrung der Rheintalbahn in Spritzbetonbauweise vor. Die letztlich vorgenommene Unterfahrung mittels Tunnelvortriebsmaschine beruht auf einem Änderungsvorschlag der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt.“

Die Arge erklärte allerdings, es sei „durchaus gängige Praxis, im Zuge eines so komplexen Bauprojekts mit langem Planungsvorlauf die ursprünglich vorgesehenen Bauverfahren gemeinsam mit der Auftraggeberseite zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen“. Dies sei in Rastatt geschehen.

Eisring erneut im Fokus

Auch der Eisring unterhalb von Rastatt spielte in der Anfrage eine Rolle. Nach Angaben der Bundesregierung ist der Vortrieb inklusive Vereisung ein erprobtes Bauverfahren. „Nach Angaben der DB AG ist spezifisch beim Tunnel Rastatt lediglich der relativ lange durchgehend vereiste Korridor, den die Tunnelvortriebsmaschine durchfahren hat“, heißt es jedoch weiter.

Unterdessen erklärte ein Bahnsprecher auf BNN-Anfrage, dass in der Nacht zu Montag bereits kurz nach 0 Uhr mehrere Güterzüge über den wiedereröffneten Streckenabschnitt rollen werden. Sie fahren am späten Abend auf die Baustelle zu und werden gegebenenfalls in Baden-Baden und Rastatt bis zur Streckenöffnung gestoppt.

Wegen der Havarie in der Oströhre des Rastatter Tunnels verzögert sich der Ausbau der Rheintalbahn um bis zu zwei Jahre.
Wegen der Havarie am 12. August verzögert sich die Fertigstellung des Rastatter Tunnels um bis zu zwei Jahre. | Foto: Deck

Bahn sucht immer noch nach der Ursache der Tunnel-Havarie

Derzeit sucht die Bahn noch nach der Ursache der Tunnel-Havarie bei Rastatt. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Verschwörungstheorien sprießen und sich sogar die Bundesregierung mit einem gewissen „Trainboy 111143146“ beschäftigen muss. Denn dieser Nutzer hatte bereits vor über zwei Monaten unter ein Youtube-Video des Bahnprojekts Karlsruhe–Basel geschrieben, dass das Gleis im Süden Rastatts beim Überfahren des Tunnels immer mehr wackeln würde.

Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen: „Nach Angaben der DB AG befand sich die Tunnelvortriebsmaschine zum Zeitpunkt dieses Hinweises noch nicht im Bereich der Rheintalbahnquerung.“ Ein Zusammenhang sei daher ausgeschlossen.

Notwendigkeit von Notfallkonzepten

Die ganze Bundesrepublik – und mitunter auch das Ausland – hat in den vergangenen sieben Wochen gespannt auf den Untergrund in Rastatt-Niederbühl geblickt. Bis spätestens März 2018 sollen im Zuge des Schlichtungsverfahrens zwischen DB und Arge Tunnel Rastatt die Ursache und die damit verbundene Verantwortlichkeit für die Geschehnisse am 12. August geklärt sein.

Unabhängig davon dürften die Konsequenzen für den Bahn-Konzern enorm sein. „Die DB AG hat die Dringlichkeit erkannt, im Krisenfall für die europäischen und deutschen Magistralen abgestimmte internationale Notfallkonzepte für den Umleitungsverkehr verfügbar zu haben“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Nach der Streckensperrung bei Rastatt seien „Lösungen im Einzelfall gefunden“ worden.

Verkehrsminister Hermann bleibt Freude „im Halse stecken“

In der Landesregierung mischt sich Erleichterung mit massiver Kritik. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erklärte, er sei froh, dass die Züge von Montag an endlich wieder fahren würden. Weil die DB jedoch eine Verzögerung beim Ausbau der Rheintalbahn bei Rastatt um rund zwei Jahre in Folge der Tunnel-Havarie verkünden musste, bleibe „einem die Freude über die Wiederinbetriebnahme der Strecke im Halse stecken“.

Die Arbeiten zwischen Karlsruhe und Basel sollten deswegen in den anderen Bereichen beschleunigt werden. „Das Gesamtprojekt sollte auf jeden Fall bis 2035 abgeschlossen sein“, sagte Hermann.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bleibt die Freude „im Halse stecken“. | Foto: Murat (dpa)

Bundesverkehrsministerium „wie vom Erdboden verschluckt“

Auch die wirtschaftlichen Folgen dürften die Bahn noch lange beschäftigen. In einem Schreiben an den Vorstand von DB Netz bezeichnet das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) die Sperrung der Rheintalbahn als „verheerend“. Das NEE kritisierte zudem das Schlichtungsverfahren, welches „den gesamten Prozess einer transparenten Kontrolle der mittelbar Betroffenen sowie der Behörden“ entziehe.

Peter Westenberger, Geschäftsführer des Netzwerks, geht davon aus, dass alleine bei den Unternehmen im Schienengüterverkehr Schäden von bis zu 100 Millionen Euro entstanden sind. Er kritisierte zudem, dass das Bundesverkehrsministerium auf ihre Bitten nicht ein einziges Mal reagiert hätte, „es war und ist wie vom Erdboden verschluckt“.

Deutschlandweit war Rastatt plötzlich in aller Munde

Für die Verantwortlichen in der Region steht die Freigabe der Strecke für den Personenverkehr im Vordergrund – obwohl die Straßenbahnen der AVG erst am 4. Oktober wieder regelmäßig fahren. „Wir sind froh, dass diese Zeit ein Ende hat“, sagte Roland Seiter, Sprecher der Stadt Baden-Baden.

Hans Jürgen Pütsch (CDU), Oberbürgermeister der Barockstadt, erklärte, die Krise sei letztendlich auch eine Chance gewesen. „Deutschlandweit war Rastatt plötzlich in aller Munde.“