Die schlimmste Schnakenplage seit langem kommt – und zwar sehr bald. | Foto: dpa

Keine Armee hält Schnaken auf

Schnakenplage: „Ab nächster Woche wird es heftig“

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Da hilft kein Bundeswehr-Hubschrauber – und auch eine ganze Armee könnte die nahende Schnakenplage am Rhein nicht mehr aufhalten, betont Norbert Becker: „Das hilft alles nichts!“, so kommentiert der wissenschaftliche Leiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) die Forderungen nach einem Katastrophen-Einsatz der Bundeswehr, weil die Hubschrauber der Stechmückenbekämpfer ausgefallen sind (die BNN berichteten).

„Wir haben Puppen, die schlüpfen schon“, erklärt Becker. „Wir bekämpfen ja nicht mit Gift. Unser BTI wirkt nur im Larvenstadium, vor der Verpuppung.“ Das bedeutet klipp und klar: Die schlimmste Schnakenplage seit langem kommt – und zwar sehr bald. „Ab Anfang nächster Woche wird es heftig werden“, prognostiziert Becker. „Vier bis sechs Wochen wird die Welle dauern.“ So lange leben die blutsaugenden Weibchen. Wenn sie im Juni und Juli massenhaft ausschwärmen, dürften sie mit ihrem Sirren und Stechen den Menschen in der Rheinebene so einige Nerven rauben – und manche Grillparty verderben.

Hubschrauber für die nächste Welle wieder einsatzbereit

Allerdings soll der Spuk nach einer Stechmücken-Generation vorüber sein: „Für die nächste Welle stehen unsere Hubschrauber wieder zur Verfügung“, beteuert Becker. Dann könnten die Plagegeister in den Rheinauen wieder aus der Luft bekämpft werden.
Ein Helikopter der Kabs war bei einer „unsanften Landung“ beschädigt worden, der andere brannte wegen eines Kabeldefekts aus. Sofort einen Ersatz-Hubschrauber anzumieten, war jedoch unmöglich, da spezielle Umbauten nötig sind, um das Schnakenbekämpfungsmittel abzuwerfen. Aus Teilen beider Kabs-Hubschrauber werde derzeit ein einsatzfähiges Fluggerät zusammengebaut, erklärte Becker im BNN-Gespräch – in Kürze sei es startklar.

So schlimm wie in den 70ern wird es nicht

Ob die heraufdämmernde Stechmückenplage so massiv wird wie in den 1970er Jahren – damals, als Bürger im Rheinvorland von roten, juckenden Pusteln übersät waren und ihre schönen Gärten und Terrassen abends kaum nutzen konnten – trotz Familienpackungen an „Autan“-Spray? „So schlimm wie damals wird es nicht mehr“, meint Becker. „Wir waren zu Fuß weiter im Einsatz und haben überall, wo es möglich war, bekämpft.“ Auch Freiwillige hätten dabei geholfen. Außerdem hätten die Hubschrauber ja noch in einem Teil der unzugänglichen Auen die Schnakenbrut bekämpfen können, ehe sie ausfielen.

Tigermücke  weiterhin bekämpft

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung (Karlsruhe-Land) hatte die Ausrufung des Katastrophenfalls gefordert – und eine Unterstützung durch Bundeswehr-Hubschrauber. Nun schob er nach: Zumindest sollten staatliche Stellen künftig in solchen Fällen „sofort“ helfen und etwa umgerüstete Helikopter zur Verfügung stellen. Seine Sorge: Es drohe eine „akute Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung“, unter anderem durch die Asiatische Tigermücke, die gefährliche Krankheiten wie Gelbfieber oder das Zika-Virus übertragen kann. Letztere Angst sei jedoch überflüssig, erklärt Becker: „Die Tigermücke lebt gar nicht in den Rheinauen. Sie ist nur in Siedlungsbereichen ansässig, zum Beispiel in Regentonnen – und dort haben unsere Leute weiterhin bekämpft.“ In Karlsruhe, Heidelberg, Freiburg und Lörrach werde systematisch BTI-Granulat – das biologische Mittel, mit dem die Kabs gezielt die Weiterentwicklung der Schnaken-Larven verhindert – ausgebracht, um die aus Südeuropa eingeschwärmten Tigermücken dort einzudämmen. Was die exotischen Krankheitserreger angeht: „Die Tigermücken tragen sie nicht in sich“, erklärt Becker. Auch Italien sei ja kein Gebiet, in dem das Tropenfieber grassiere. Die Verbreitung drohe auf anderem Wege: „Wenn ein infizierter Mensch von der Tigermücke gestochen wird, kann sie die Krankheit weiterverbreiten.“