Die Schüler Till und Julia arbeiten neben der Schule für wenige Stunden pro Woche im Restaurant „Purino“ in der Oststadt. In der Gastronomie sind Schüleraushilfen meist willkommen. | Foto: jodo

Besonders Gastronomie begehrt

Schülerjobs in Karlsruhe: Warum nicht überall Mindestlohn gezahlt wird

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Schülerjobs sind sehr begehrt, außerhalb der Ferien aber nicht unbedingt immer leicht zu finden. Und wer einen hat, muss möglicherweise Abstriche beim Gehalt machen: In der Gastronomie etwa bezahlen längst nicht alle Arbeitgeber Schüler nach Mindestlohn

Das Leben ist teuer. Julian merkt das jeden Tag. Zwar kommen für die meisten Ausgaben des 16-Jährigen seine Eltern auf, aber große Sprünge sind trotz Taschengeld für den Gymnasiasten nicht drin. „50 Euro mehr im Monat wären schon nicht schlecht“, sagt er.egt man den seit 1. Januar 2019 gültigen Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde zugrunde, müsste Julian für den Extra-50 er im Geldbeutel im Monat rund fünfeinhalb Stunden arbeiten.

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Jobs in der Gastronomie gefragt

Zeitlich klingt das durchaus machbar – selbst für Schüler, die – wie Julian– jetzt in der Jahrgangsstufe 1 (elfte Klasse) in den Endspurt zum Abitur eintreten. Doch Schülerjobs sind außerhalb der Ferien nicht eben dicht gesät und das Jugendschutzgesetz macht strenge Auflagen (siehe Hintergrund). Zudem zahlen nicht alle Arbeitgeber den Mindestlohn.

Trotzdem ist gerade die Gastronomie ein Arbeitsbereich, der bei vielen Schüler unter 18 Jahren gefragt ist. „Wir haben sehr viele Anfragen“, bestätigt Freya Wunsch, die im Restaurant „Purino“ die administrative Geschäftsleitung inne hat.

Oft als „Läufer“ im Einsatz

Die Anzahl der unter 18-Jährigen sei nicht ganz so hoch, aber das Alter sei grundsätzlich kein Hindernis. Für durchschnittlich zehn Euro die Stunde könnten Schüler ab 16 Jahren in dem Lokal den ersten Duft der großen, weiten Arbeitswelt schnuppern. Vor allem als sogenannte „Läufer“ unterstützen die Schüler das schon etwas ältere Servicepersonal.

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Für Waldemar Fretz, den Vorsitzenden der Kreisstelle des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sind Schüleraushilfen eine wichtige Unterstützung. „Gerade in der Gastronomie brauchen wir viele Aushilfskräfte und sind deshalb sehr aufgeschlossen“, sagt er. Zahlen darüber, wie viele Schüler unter 18 Jahren in den Cafés und Lokalen der Region arbeiten, hat man bei der Dehoga allerdings nicht.

Unterschiede in der Bezahlung

Bei der BNN-Umfrage ergibt sich auch kein einheitliches Bild. Während manche Cafés ganz auf den Einsatz von Schülern verzichten und auf die strengen und deshalb für Arbeitgeber sehr einschränkenden Auflagen des Jugendschutzgesetzes verweisen, kommen andere nicht ohne aus. „Wir haben am Wochenende oft Schüler, die beim Spülen helfen. Anders könnten wir das gar nicht wuppen“, sagt Barbara Tolone, Mitbesitzerin des Café Palaver im Gewerbehof.

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Sehr unterschiedlich fällt auch die Bezahlung der Schüler und Schülerinnen aus. Nicht alle der befragten Lokale in Karlsruhe zahlen die sonst vorgeschriebenen 9,19 Euro pro Stunde. „Aber“, so sagt Daniel Ohl, Pressesprecher der Dehoga Baden-Württemberg in Stuttgart, „das Mindestlohngesetz greift nur bei Arbeitnehmern über 18. Minderjährige Schülerinnen und Schüler, die als Aushilfen in der Gastronomie arbeiten, haben also formal keinen Rechtsanspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.“

Klare Regelungen im Jugendschutzgesetz

Gelten Schüler von Pflichtschulen als Kinder oder als Jugendliche? Das Jugendschutzgesetz hat das klar geregelt: Junge Menschen bis 15 Jahre sind demnach Kinder, die zwischen 15 und 18 heißen Jugendliche. Aber Achtung: Wer zwischen 15 und 18 Jahre alt ist, aber noch zur Schule geht, der ist für das Gesetz immer noch ein Kind.

 

Hintergrund: Kinder (ab 13 Jahren) dürfen mit Einwilligung der Eltern leichte Aushilfstätigkeiten übernehmen. Zu den Klassikern unter den Schülerjobs gehören: Zeitungen und Prospekte austragen, Babysitten oder Nachhilfestunden geben. Erlaubt sind bis zu zwei Arbeitsstunden pro Tag an maximal fünf Wochentagen. Zu Schulzeiten darf nur bis 18 Uhr gejobbt werden, in den Ferien auch mal länger (aber nicht mehr als zwei Stunden.) Jugendliche (zwischen 15 und 18 und nicht mehr Schüler einer Pflichtschule) dürfen 40 Stunden pro Woche arbeiten, allerdings nur zwischen 6 und 20 Uhr. Ausnahmen gelten in der Gastronomie (bis 22 Uhr) und in mehrschichtigen Betrieben (bis 23 Uhr). Samstags und sonntags dürfen Jugendliche nur in der Gastronomie oder im Krankenhaus arbeiten. Grundsätzlich gilt: Verboten sind Arbeiten, die zu anstrengend, gefährlich oder gesundheitsgefährdend sind. Schülerjobs sind unter den genannten Bedingungen versicherungsfrei. Die regelmäßigen Einkünfte dürfen bei einer 375-Euro- (bzw. 450-)Grenze liegen. In den Ferien dürfen Schüler kurzfristig auch mal mehr verdienen. Quelle: studitemps/Jobmensa.de