Neue Erkenntnisse über die Täter erhoffte sich die Polizei am Donnerstag bei der Suche nach Hinweisen am Fundort des Leichnams im Hagenschießwald. 25 Beamte durchkämmten das Waldstück.
Der Mordfall Paulus ist um eine Volte reicher. | Foto: Gress (Archiv)

Abfragen im Dienstcomputer

Mordfall Paulus: Liegt Fehlverhalten einer Polizistin vor?

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Der Mordfall Simon Paulus ist um eine kuriose Wendung reicher: Wie am Dienstag vor dem Karlsruher Landgericht bekannt wurde, war nicht nur ein Mitangeklagter mit einer Polizistin liiert, sondern auch der Hauptverdächtige. Für die Beamtin könnte die Beziehung ein Nachspiel haben.

Grundsätzlich gilt für das Privatleben von Polizisten: Der Dienstherr darf nicht eingreifen, sofern keine Dienstpflichten verletzt werden. Ob dies im Fall einer Polizeimeisteranwärterin der Fall war, ist aktuell unklar: Die junge Beamtin war von Mai bis Juli mit einem 30-jährigen Mann liiert, der verdächtig ist, den Büchsenmacher Simon Paulus aus Birkenfeld im Enzkreis im vergangenen Jahr ermordet zu haben.

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Frühe Zweifel am neuen Partner

Kennengelernt hatten sich die junge Beamtin und der mutmaßliche Mörder im Internet, wie am Montag vor Gericht bekannt wurde. Eine Beobachterin erklärte, die Polizistin habe früh Zweifel an ihrem neuen Partner gehabt. Und daher im Polizeicomputer zu seiner Person recherchiert. Insgesamt drei einschlägige Zugriffe hat das System für den Zeitraum von Juli bis Oktober demnach erfasst.

In einer ersten Abfrage habe die Polizistin demnach die Meldeadresse des Mannes überprüft – mit der Erkenntnis, dass er nicht am Ort seiner Wohnung gemeldet war. Der Inhalt einer zweiten Abfrage ist unklar. Ihre dritte Recherche unternahm die Frau, nachdem der Mann im Internet den Diebstahl seines Autos mitgeteilt hatte. Sie habe den Sachverhalt prüfen wollen. Die Beziehung der beiden war da – wie auch schon zum Zeitpunkt des Mordes – offenbar bereits beendet.

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Jeder Zugriff im System wird gespeichert

Die Staatsanwaltschaft Pforzheim und ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe bestätigten den Sachverhalt teilweise. Beide Behörden erklärten, die Polizistin habe zu keinem Zeitpunkt Zugang zu den Ermittlungen im Fall Paulus gehabt.

Polizisten dürfen Personenüberprüfungen im Dienstcomputer nur vornehmen, wenn es einen dienstlichen Grund gibt. Die regelkonforme Nutzung der Datenbank wird mit Stichproben geprüft. Da im System jeder Zugriff gespeichert wird, kann er aber auch im Nachhinein noch rekonstruiert werden.

Und dann war da noch die Kriminalkommissarin

Bei unberechtigten Zugriffen sei die Einleitung eines Disziplinarverfahrens zu prüfen, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe. Liege ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz vor, könnte auch ein ordnungs- oder strafrechtliches Verfahren folgen. „Aktuell ermitteln wir aber nicht gegen die Kollegin, da wir zunächst den Prozess abwarten“, sagte der Sprecher. Erst nach dem Richterspruch würden die Vorgänge intern geprüft und möglicherweise weitere Schritte eingeleitet. „Möglicherweise liefert bereits das Gerichtsverfahren Klarheit, wie die Vorfälle genau zu bewerten sind“, erklärte der Sprecher.

Der Mordfall Paulus ist damit um eine Volte reicher: Zuletzt war Mitte August bekannt geworden, dass ein 42-jähriger Mitangeklagter bis Ende 2018 mit einer Kriminalkommissarin zusammen war. Ob im Rahmen dieser Beziehung möglicherweise ermittlungsrelevante Informationen an die Verdächtigen gedrungen waren, ist offen. Der Hauptangeklagte hatte dies behauptet.

Interne Prüfung nach dem Urteil

Die Kommissarin erklärte daraufhin, keinen Zugang zu den Ermittlungen gehabt zu haben. Da ihre Liaison mit dem Verdächtigen im Kollegenkreis bekannt war, sei eine Informationssperre verhängt worden, teilte die Polizei mit. Auch im Fall der Kommissarin werde die Polizei nach Ende des Prozesses intern prüfen, ob es Grund zu weiteren Ermittlungen gibt.