Das Thema Unterrichtsausfall sorgt für Diskussionsstoff im Landtag. | Foto: Karmann

Landespolitik

Statistik zum Unterrichtsausfall sorgt für Diskussionen

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Streit war von vorneherein garantiert: Als Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) jetzt die neueste Statistik zum Unterrichtsausfall veröffentlichte, erntete sie reichlich Kritik – allerdings mit höchst unterschiedlichen Argumenten. „Die Gymnasien werden zum Sündenfall der Kultusministerin“, so wetterte Stefan Fulst-Blei, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. Die Lehrergewerkschaft des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) konterte prompt, der eigentliche „Skandal“ sei die Belastung der Grundschullehrer.

4,4 Prozent des Unterrichts fiel quer durch alle Schularten in der ersten Februarhälfte durchschnittlich aus – auch die „Grippewelle“ sei am leichten Anstieg gegenüber November (3,6 Prozent) schuld, ließ Eisenmann mitteilen. Interessant ist aber eine weitere Statistik: In 11,6 Prozent der Stunden waren die Lehrer abwesend – denn 7,2 Prozent der Stunden erteilten Vertretungskräfte.

Spitzenreiter aus Baden-Baden

Wer die jüngste Erhebung flüchtig betrachtet, könnte tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass in den Grundschulen fast paradiesische Zustände herrschen: Landesweit fällt dort offiziell nur 1,4 Prozent des Unterrichts aus. Die allgemeinbildenden Gymnasien stehen mit einer durchschnittlichen Quote von 6,5 Prozent nominell am schlechtesten dar. Im BNN-Gebiet sind die Gymnasien in Baden-Baden mit einem 9,9-prozentigen Unterrichtsausfall sogar trauriger Spitzenreiter (siehe Grafik). Es sei „unfassbar“, dass von allen Schularten ausgerechnet an den Gymnasien die meisten Stunden ausfallen, „während weit über 2 000 für diese Schulart ausgebildete Lehrkräfte ohne Stelle auf der Straße sitzen“, kritisierte SPD-Bildungspolitiker Fulst-Blei. Allerdings gelten an Gymnasien auch andere Regeln als an den scheinbar viel besser gestellten Grundschulen: Bei den Jüngsten darf schlicht nicht so viel Unterricht ausfallen – das Land hat den Familien die „Verlässliche Grundschule“ zugesichert.

Die Grundschullehrkräfte schultern klaglos viel zu viel.

„Eltern erwarten, dass kein Grundschulkind vorzeitig nach Hause kommt“, erklärte Michael Gomolzig, Sprecher des VBE-Landesverbandes. Die schöne Statistik käme so zustande: „Da werden Klassen zusammengelegt, Teilzeitkräfte über deren übliches Deputat eingesetzt und, wenn die Mathelehrerin wegen Krankheit ausfällt, übernimmt eben der Deutschlehrer zusätzlich den Unterricht – das wäre an Gymnasien undenkbar.“ Für Gomolzig steht fest: „Die Grundschullehrkräfte schultern klaglos viel zu viel.“

Gewerkschaft kritisiert Statistik

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betont die geringe Aussagekraft der Statistik. Sie sei nur „die Spitze des Eisbergs“, erklärte GEW-Landeschefin Doro Moritz und forderte einen „schnellen Ausbau der Lehrerreserve“. Dass manche Grundschulklassen „teilweise schon zu Schuljahresbeginn zusammengelegt werden“, beschönige die Ausfall-Quote auch, sagt GEW-Sprecher Matthias Schneider. Und selbst hinter den höheren Werten der Vertretungsstunden verberge sich noch ein Qualitätsproblem: „Wir erleben zunehmend, dass Lehrer nicht mehr zu Fortbildungen gehen, weil es sonst die Kollegen ausbaden müssen.“