Ein Arbeiter erntet Spargel auf einem Feld
Die Landwirte gehören zu denen, die unter dem Coronavirus auch beruflich leiden. Für Erdbeeren und Spargel ist jetzt eigentlich Erntezeit - aber die ausländischen Arbeiter bleiben lieber zuhause, anstatt auf dem Feld zu schuften. | Foto: Silas Stein/dpa/Archivbild

Coronakrise

Tinder für’s Spargelfeld: Internetplattform soll Landwirte und Helfer zusammenbringen

Anzeige

Die Landwirte gehören zu denen, die unter dem Coronavirus auch beruflich leiden. Für Erdbeeren und Spargel ist demnächst eigentlich Erntezeit – aber die ausländischen Arbeiter bleiben wegen des Coronavirus zu Hause. Eine neue Internetplattform soll jetzt Landwirte und freiwillige Helfer zusammenführen.

Ein kleines bisschen ist es wie die Dating-App Tinder: Nur suchen sich hier nicht Single und Single, hier geht es auch nicht um ein Abenteuer für eine Nacht: Auf www.daslandhilft.de geht es um harte Arbeit – und um echte Hilfe in einer schwierigen Zeit.

Mehr zum Thema: Viele Firmen aus dem Raum Karlsruhe melden wegen Corona Kurzarbeit an

Der Bundesverband der Maschinenringe – eine Selbsthilfeorganisation von und für die Landwirtschaft – hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Windeseile die neue Seite aus dem Boden gestampft. So sollen über ein einfaches Kontaktformular Landwirte mit Feldern, aber ohne Arbeiter, und Freiwillige, die  derzeit nicht anderweitig arbeiten können, zusammenfinden.

Oder, um es ein wenig offizieller klingen zu lassen: „Die Plattform stellt den Kontakt zwischen Landwirten und Bürgeirnnen und Bürgern her, deren bisheriger Erwerb aufgrund der Corona-Krise weggefallen ist, um sie für Pflanz- und Erntearbeiten in der Landwirtschaft zu vermitteln“ – so heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.

300.000 Arbeiter könnten demnach auf den deutschen Feldern demnächst fehlen – spätestens Ab Mitte April herrscht beispielsweise Hochsaison beim Spargel, parallel beginnt die Erdbeerernte.

Alfred Pfister, Landwirtschafts-Experte beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband, warnt gegenüber bnn.de dennoch: Die Ernte sei körperlich sehr anstrengend. „Das wird bei aller zu begrüßender Euphorie von Politik und arbeitswilligen Helfern oft unterschätzt.“

Auch andere Experten zeigten sich gegenüber der Idee, beispielsweise Mitarbeiter aus der Gastronomie bei der Feldarbeit einzusetzen, skeptisch: Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erbeeranbauer mit Sitz in Bruchsal warnt vor relativ teurem Personal mit geringerer Effizienz – ein Problem bei einer Produktion, die schon öfter Schwierigkeiten gehabt habe, profitabel zu sein.

Mehr zum Thema: Coronavirus stellt Spargel- und Erdbeerernte vor Probleme

Der Vermittlungsservice von daslandhilft.de ist kostenlos. „Wir müssen alle Kräfte bündeln und die Menschen zusammenbringen“, fasst der Präsident der Maschinenringe, Leonhard Ost, Sinn und Zweck der Internetseite zusammen. Für Helfer gibt es einen Lohn, der aber mit dem jeweiligen Landwirt eigenständig ausgehandelt werden muss – einen pauschalen Stundenlohn gibt es nicht.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte bereits früher vorgeschlagen, dass in der Landwirtschaft fehlende Erntehelfer durch Arbeitskräfte aus anderen Branchen aufgefangen werden könnten – nun bekommt dieser Vorschlag durch die Corona-Krise neues Gewicht.

Die Ministerin betont: „Wenn in der Landwirtschaft helfende Hände fehlen, dann geht uns das alle an. Wer in der Landwirtschaft helfen kann und will, sollte das deshalb tun und damit auch Geld verdienen können. Jeder kann einen Beitrag leisten.“