Wegen Corona geschlossen: Manche öffentliche Toilette ist derzeit nicht zugänglich. Im Fall eines Falles kann das unangenehme Folgen haben. Foto: jodo

Bürger atmen auf

Engpass wegen Corona langsam beendet: Wieder mehr Toiletten in Karlsruhe geöffnet

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Mit Corona kam der große Engpass bei öffentlich zugänglichen Toiletten in der City: Mit Schließung von Shopping-Malls und Kaufhäusern fielen die dortigen Bedürfnisanstalten weg, ebenso war die Lage in Bibliotheken und Museen. Jetzt, da sich die Lage entspannt, können auch Passanten, die ein menschliches Bedürfnis plagt, wieder aufatmen.

Als Ulrich Mattern neulich zusammen mit seiner Lebensgefährtin wegen unaufschiebbarer Erledigungen eine Exkursion in die Karlsruher Innenstadt unternimmt, erlebt der 77-Jährige aus Malsch eine unangenehme Überraschung: öffentlich zugängliche Toiletten zu Coronazeiten – Fehlanzeige.

Es kann einfach nicht sein, dass die Geschäfte wieder verdienen wollen, aber nicht Sorge dafür tragen, dass man einem menschlichen Bedürfnis nachkommen kann.

Ulrich Mattern

In der Badischen Landesbibliothek – dort will Ulrich Mattern ausgeliehene Medien zurückgeben – ist die Bedürfnisanstalt gesperrt. Nicht viel anders die Lage an der nächsten Station, die der Malscher ansteuert, der Filiale einer Drogeriekette: auch dort keine Toilette für die Kundschaft. Weiter zum größten Kaufhaus weit und breit. Auf die Frage am Karstadt-Eingang, ob die Toilette geöffnet sei, erntet der Kunde ein deutliches Nein. Der Tipp des Herrn an der Kaufhaustür: Bei McDonald’s gebe es gewiss ein WC.

Nur, wo ist die nächste Filiale der Burger-Braterei? Dann der vermeintlich rettende Gedanke: Im Rathaus müsste man sowohl ein offenes Ohr für sein Anliegen als auch eine offene Toilette haben. Doch die Dame am Eingang verweist erst einmal auf den Friedrichsplatz. Nur: Dieser Gang ist jetzt nicht mehr möglich.

Ulrich Mattern unterstreicht die Dringlichkeit seines Anliegens und hat schließlich im Rathaus doch noch den gewünschten Erfolg. Seine Erfahrungen an diesem Tag bringt er auf diesen Nenner: „Es kann einfach nicht sein, dass die Geschäfte wieder verdienen wollen, aber nicht Sorge dafür tragen, dass man einem menschlichen Bedürfnis nachkommen kann.“

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Normalität kehrt ein

Seit in den vergangenen Tagen immer mehr Geschäfte wieder geöffnet haben und die Einkaufsstadt sukzessive zur Normalität zurückkehrt, entspannt sich langsam auch an der Toilettenfront die angespannte Lage. So sind im ECE-Center und der Postgalerie die Bedürfnisanstalten wieder zugänglich, und auch Karstadt hat auf der Gastro-Etage erneut die Toiletten geöffnet.

Die Initiative „Nette Toilette“ ist unterdessen nur wenig hilfreich. Der Grund: Bei den 20 Betrieben, die unter diesem Label eine Gratis-WC-Nutzung ermöglichen, handelt es sich um Restaurants. Und diese sind noch immer geschlossen. Bieten sie allerdings Mahlzeiten zum Bestellen und Abholen an, ist die Toilette im Idealfall zugänglich. „Das ist so etwas wie ein Grundrecht“, heißt es etwa beim Burger-Restaurant „Hans im Glück“ in der Karl-Friedrich-Straße 12. In dringenden Fälle werde niemand weggeschickt.

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Toilettensäulen sind gesperrt

Das Problem ist freilich: Wenn es ganz schnell gehen muss, fehlt häufig die Zeit für die Smartphone-Recherche nach einer „netten Toilette“. Was man hingegen schon von weitem sehen kann, sind die vollautomatischen Toilettensäulen, die das Unternehmen Wall betreibt. 22 von ihnen verteilen sich über das Stadtgebiet; ihre Nutzung kostet jeweils 50 Cent – nur auch sie sind gerade gesperrt.

Weitere 17 Toiletten betreibt die Stadt, drei weitere sollen folgen. Am Marktplatz, in der Fritz-Erler-Straße sowie in der Nottingham-Anlage werden sie entstehen.

Namentlich die WC-Anlage, die am Marktplatz im Zusammenhang mit dem Südabzweig der Kombilösung entsteht, könnte Karlsruhe auch zum Toiletten-Oberzentrum machen: Modern, geräumig und gepflegt soll die Bedürfnisanstalt dem Vernehmen nach werden – kein Vergleich zu dem einstigen, über enge Stiegen erreichbaren Marktplatz-Klo, das in seiner Endphase nur besonders ekel-resistente Zeitgenossen frequentierten. Der Pferdefuß der künftigen High-Tech-Toilette: Ihre Eröffnung wird wohl noch bis Ende kommenden Jahres auf sich warten lassen.

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Rathaus ohne öffentliches Klo

Bis dahin für allfällige Geschäfte im Rathaus verschwinden? Das ist trotz der positiven Erfahrungen von Ulrich Mattern keine Option, macht Stadt-Sprecher Mathias Tröndle deutlich. Die Toiletten im Rathaus dürften zwar von Besuchern genutzt werden, die dort zu tun haben. Um öffentliche Toiletten handle es sich aber nicht, unterstreicht Tröndle.